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Wie sich Aktienfonds in der Corona-Krise entwickeln

| Quelle: BIALLO | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Geldanlage



Anleger und Fondsmanager stehen angesichts der Unsicherheiten wegen der Corona-Krise vor der gleichen Frage: Wie sollte man sein Depot beziehungsweise seinen Aktienfonds bestücken, damit das Portfolio einerseits nicht zu riskant aufgestellt ist, andererseits aber nicht sämtliche Renditechancen einbüßt? Eine gute Balance zwischen Risiko und Chance ist gefragt, um das schnelle Auf und Ab an den Börsen erfolgreich zu meistern.



Offensive Anlagestrategien konnten Kurserholungen besser nutzen




Ein Blick in die Wertentwicklungsstatistik der vergangenen sechs Monate zeigt: Fondsmanager, die während des Börseneinbruchs im Februar und März 2020 vorsichtig agierten und ihre Fonds-Portfolios defensiv ausrichteten oder hohe Cashbestände hielten und diese nur zögerlich in den Markt zurückinvestierten, konnten die überraschend schnelle Kurserholung an den internationalen Märkten nur unzureichend mitnehmen. Anleger bezahlten dies mit Minderrenditen. Mäßige Renditen erzielten zum Beispiel der auf deutsche Aktien spezialisierte UBAM Dr. Ehrhardt German Equity, der per Ende September mit einer Sechs-Monats-Performance von gut 16 Prozent aufwartet. Auch der HAIG MB S Plus kann mit einer Sechs-Monats-Performance von rund zehn Prozent nicht überzeugen.



Anders Aktienfonds, die eine offensive Anlagestrategie verfolgen beziehungsweise rechtzeitig in den Markt zurückkehrten. Sie konnten die Kursrallye überzeugend für sich nutzen. Beispiele hierfür sind unter anderen der DWS Aktien Strategie Deutschland, der in den vergangenen sechs Monaten über 32 Prozent Wertgewinn erzielte. Noch besser meisterten die Fonds Concentra A von Allianz Global Investors und DWS ESG Investa LD mit jeweils über 36 Prozent Wertgewinn die Krise.



Aktiv gemanagte Fonds übertrafen ETFs



Treffen Fondsmanager kluge Entscheidungen und verfolgen marktgerechte Strategien, können sie auch die hochgelobten ETFs hinter sich lassen. Dies ist besonders vor dem Hintergrund interessant, dass ETFs stets in komplette Märkte investieren und in der Regel wenig Cash halten. ETFs müssen also nach einem Börsencrash nicht erst wieder peu à peu in den Aktienmarkt einsteigen, sondern sind bei einer Kursrallye von Anfang an vollumfänglich dabei. Dennoch erzielten vergleichbare ETFs, die auf deutsche Blue Chips setzen, wie etwa der iShares Core DAX UCITS ETF oder der Xtrackers DAX UCITS ETF im selben Vergleichszeitraum nur etwa 28 beziehungsweise 29 Prozent Wertgewinn.



Weltweit anlegende Aktienfonds glichen Corona-Verluste rasch aus




Ein ähnliches Bild ergibt sich auch beim Blick auf global anlegende Aktienfonds. Anleger, die in die richtigen Fonds investierten, konnten die Corona-Verluste binnen weniger Monate mehr als ausgleichen. Eine besondere Outperformance gelang zum Beispiel dem MSIF Global Opportunity der Fondsgesellschaft Morgan Stanley. Der auf wachstumsorientierte, internationale Aktiengesellschaften ausgerichtete Fonds erzielte in den vergangenen sechs Monaten stolze 55 Prozent Wertzuwachs. Selbst auf Jahressicht, also unter Berücksichtigung des Corona-Crashs, liegt der Fonds mit 46 Prozent deutlich im Plus.



Sehr gut kamen auch die Aktienfonds MainFirst Global Equities Fund A und Siemens Global Growth durch die Krise. Beide gewannen seit Ende März 36 beziehungsweise 35 Prozent hinzu. Auf Jahressicht hat allerdings der MainFirst-Fonds mit 38 Prozent Zuwachs deutlich die Nase vorn gegenüber 16 Prozent Wertgewinn des Siemens-Fonds.



Von solchen Ergebnissen können viele ETF-Sparer nur träumen. Wer zum Beispiel dem ebenfalls global investierenden MSCI World Index treu blieb, konnte mit der Outperformance der vorgenannten, aktiv gemanagten Aktienfonds nicht mithalten. So erzielte zum Beispiel der iShares Core MSCI World ETF EUR binnen sechs Monaten lediglich 28 Prozent Zuwachs, auf Jahressicht stehen sogar nur acht Prozent Plus zu Buche.



Auf die Titelauswahl kommt es an



Bei steigenden Aktienmärkten begünstigen eine offensive Strategie sowie die Wahl der richtigen Branche den Anlageerfolg. Insgesamt zeigt sich, dass viele Fondsmanager in den zurückliegenden Monaten verstärkt auf den Technologiesektor gesetzt haben. Der Trend hin zu mehr Online-Handel, Internet-Konferenzen und Homeoffice benötigt mehr und mehr Softwarelösungen und digitale Dienstleistungen. Daneben standen und stehen Pharma- und Biotechunternehmen im Fokus der Fondsmanager, denn sie gelten wegen der Entwicklung neuer Antiviren-Medikamente und dem verstärkten Einsatz medizinischer Geräte und Leistungen als potentielle Gewinner der Corona-Krise.



Nachhaltigkeit ist von immer größerer Bedeutung



Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt künftig stärker eine Rolle. So belegen inzwischen zahlreiche Studien, dass Nachhaltigkeit keine Rendite kostet. Im Gegenteil: In den letzten Abwärtsbewegungen der Börsen zeigten sich nachhaltige Produkte äußerst robust und schnitten teils sogar besser ab als der Gesamtmarkt. Jörg Moshuber, Nachhaltigkeitsexperte und Manager mehrerer Umweltfonds bei der Fondsgesellschaft Amundi, sieht das Thema Nachhaltigkeit durch die Corona-Krise deutlich gestärkt: „Wir sehen inzwischen eine ausgeprägte Bereitschaft von Regierungen und Notenbanken, die hohen Fördermittel bevorzugt an umweltgerechte und sozial faire Projekte und Lösungen zu vergeben. Offenbar ist man bereit, den nötigen Wandel der Wirtschaft hin zu mehr Verantwortung konsequent voranzubringen – das wird sich voraussichtlich auch positiv auf die ESG-Portfolios ethisch orientierter Anleger auswirken.“


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Foto: OSORIOartist/Shutterstock.com



Quelle: Biallo & Team GmbH
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