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Wirecard – Dax oder (noch) nicht Dax?

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Deutsche Börse AG lässt sich bei ihrer Auswertung für Neuaufnahmen im Dax traditionell mehr Zeit als die Kollegen bei Stoxx. Deshalb ist der erwartete Aufstieg von Wirecard in die deutsche Oberklasse auch fünf Tage nach dem alles entscheidenden letzten Handelstag im August noch immer nicht amtlich. Die tatsächliche Verkündung erfolgt erst heute Abend, wobei eine eigene Auswertung der verfügbaren Daten zeigt, dass die Entscheidung am Ende doch viel knapper gewesen sein dürfte als ursprünglich gedacht.

Grund sind die speziellen Regeln nach denen die Deutsche Börse ihre Indexmitglieder bestimmt. Sie sorgen dafür, dass ein Unternehmen nicht automatisch in den Dax aufgenommen wird, selbst wenn es bei der Marktkapitalisierung an allen vorbeiziehen würde. Letzteres ist dem Überflieger in beinahe spielerischer Leichtigkeit gelungen. Nach einer vorläufigen eigenen Berechnung dürfte Wirecard per Ende August sogar bis auf Platz 18 durchmarschiert sein. Ganz sicher ist das nicht, weil es bei den Dax-Ranglisten immer ein paar Unwägbarkeiten hinsichtlich der als „frei handelbar“ eingestuften Aktien und des sogenannten Korrekturfaktors gibt.

Dennoch. Dass Wirecard die erste Dax-Bedingung erfüllt ist sicher: Der Börsenstar gehört inzwischen eindeutig zu den 30 wertvollsten deutschen Unternehmen! Das allein reicht aber nicht aus. Denn anders als bei den Stoxx-Indizes muss eine Aktie auch bei den Handelsumsätzen an der Börse zu den beliebtesten Titeln des Landes gehören. Diese Regel macht aus Anlegersicht nur eingeschränkt Sinn, für einen Börsenbetreiber ist ein solches Kriterium aber natürlich reizvoll…

Genau diese Auswertung der Handelsaktivität ist aber aufwändiger und für externe Beobachter eben nicht ohne weiteres zu bestimmen. Allerdings hätte Wirecard im noch nicht maßgeblichen Vormonat auch hierbei locker die Anforderung „Top-30“ erfüllt. In der Juli-Rangliste für die Handelsaktivität lag der potenzielle Dax-Neuling auf Platz 25 und damit ebenfalls voll im Soll.

Doch auch damit ist es noch nicht getan. Denn bei der Prüfung für einen sogenannten „Regular Entry“ bedarf es noch einer weiteren Bedingung! Ein Indexwechsel findet nämlich nur dann statt, wenn eines der bestehenden Indexmitglieder in einer der beiden Ranglisten nicht mehr zu den Top-35 gehört. Und hier kommt dann die Commerzbank ins Spiel, die sich offenbar mit Händen und Füßen gegen den Abstieg gestemmt hat. Und siehe da, bei der wiederum selbst berechneten vorläufigen Auswertung der Daten vom 31. August lag das Geldhaus bei der Marktkapitalisierung exakt auf jenem Platz 35 und hätte somit den Angriff des Fintech-Kontrahenten nach den Regeln des „Regular-Entry“ scheinbar gerade noch abgewehrt!

Aber vermutlich hat es dann trotzdem nicht ganz für die Commerzbank gereicht. Denn die wilde Vorfreude der Wirecard-Aktionäre in den letzten Wochen dürfte dazu geführt haben, dass sich ihr Liebling auf dem Umweg über den schwieriger zu erreichenden „Fast-Entry“ doch noch ins Ziel gerettet hat. Um dies zu schaffen braucht es in beiden Kategorien einen Platz unter den Top-25. Bei der Marktkapitalisierung ist das kein Problem (siehe oben), bleibt also die Frage, ob Wirecard im August den Listenplatz 25 bei den am umsatzstärksten Aktien verteidigt hat. Und vermutlich lautet die Antwort „Ja“. Denn kurioserweise dürften allein die Spekulationen auf einen bevorstehenden Indexaufstieg nun dafür gesorgt haben, dass eben jener Aufstieg auch tatsächlich gelingt.

Einen ziemlich verlässlichen Indikator hat die Deutsche Börse AG schon am Montag bekanntgegeben. In der Kurzmitteilung zum Orderbuchumsatz im August wird Wirecard mit einem Volumen von 2,4 Mrd. Euro als umsatzstärkster TecDax-Titel genannt. Damit dürfte sicher sein, dass auch die letzte Hürde genommen wird. Die offizielle Bekanntgabe folgt trotzdem erst heute Abend und die Umsetzung kommt dann erst zum 24. September.

Was dann folgt, bleibt trotzdem ungewiss. Als klitzekleine Warnung sei dabei auf einen anderen historischen Superstar verwiesen, dessen Aufstieg aus dem Niemandsland bis in den Dax ähnlich rasant verlief, um dann aber fast genauso schnell in einem Desaster zu enden: die Aktie der seinerzeit ebenfalls als Disruptor im Finanzdienstleistungssektor gefeierten MLP sauste von umgerechnet rund 50 Cent bis auf 190 Euro in die Höhe und 2001 dann eben auch in den Dax – um zwei Jahre später bei Kursen um 10 Euro wieder sang- und klanglos in die Versenkung abzutauchen…

Dies ist keine Prognose zur Zukunft von Wirecard, sondern nur eine kleine Mahnung zu ein wenig Besonnenheit. Nicht mehr, und nicht weniger…

Ralf Andreß

 

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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