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Wirecard: 'Neue' Singapur-Vorwürfe belasten die Aktie

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der wegen seiner Bilanzierungspraktiken seit Monaten in der Kritik stehende Zahlungsdienstleister Wirecard muss sich gegen weitere negative Berichterstattung verteidigen. Die Singapur-Tochter des im DAX +0,61% notierten Konzerns hat für das Jahr 2017 kein eigenes Testat von Wirtschaftsprüfern erhalten, wie das Unternehmen Informationen aus einem Bericht des Handelsblatt vom Vorabend bestätigte.

Der Konzern führte das auf dort laufende Ermittlungen rund um bereits früher im Jahr bekanntgewordene Bilanzierungsprobleme zurück, weswegen Dokumente nicht für die Wirtschaftsprüfer zugänglich gewesen seien. Für den testierten Konzernabschluss insgesamt sei das aber irrelevant.

Unternehmen bestätigt fehlende Dokumente

"Aufgrund der Einschränkungen durch die Ermittlungen (und nicht wie fälschlich in dem Artikel suggeriert durch Unregelmäßigkeiten) in Singapur waren Dokumente teilweise nicht zugänglich, sodass sich der lokale Prüfer auf Basis geltendem lokalen Rechnungslegungsstandard kein abschließendes Prüfungsurteil bilden konnte", teilte Wirecard am Mittwochmorgen mit.

"Für die Wirecard-Gruppe ist der Konzernabschluss nach IFRS maßgebend. Dieser wurde für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 von Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft und uneingeschränkt testiert", hieß es weiter. Die Einschränkungen der Einzelprüfung in Singapur seien für die Prüfung des Konzernabschlusses nicht relevant. Sämtliche Veröffentlichungspflichten seien ordnungsgemäß eingehalten worden.

Wirecard-Aktie sackt wieder ab

An der Börse sorgte der Bericht für neuen Druck auf die Papiere des Zahlungsdienstleisters, der vergangenes Jahr im September in den deutschen Leitindex aufgestiegen war. Die Wirecard-Aktie -0,62%, die seit Monaten unter Vorwürfen um Bilanzierungspraktiken leidet, verlor zum Handelsstart am Mittwoch über sechs Prozent auf 112,20 Euro. Rund um den DAX-Aufstieg war die Aktie noch bis zu 199 Euro wert gewesen.

Sechs-Monats-Chart Wirecard (in Euro)


Das Handelsblatt hatte zuvor unter Berufung auf Dokumente im Register der Finanzaufsicht Acra in Singapur berichtet. Die Prüfer schrieben dem Blatt zufolge zu dem Einzelabschluss in Singapur 2017: "Wir können weder die Angemessenheit, Vollständigkeit und Richtigkeit des Jahresabschlusses feststellen, noch können wir den Umfang möglicher Anpassungen abschätzen, die (...) erforderlich sein könnten." Auch die Prüfer hätten auf fehlende Dokumente verwiesen, weil die Untersuchungen der Finanzaufsicht CAD zu Bilanzfälschungsvorwürfen andauerten. Zudem hätten sie "keine ausreichenden Erklärung für bestimmte Buchhaltungsunterlagen und Transaktionen erhalten".

Scheinbuchungen in Singapur?

Wirecard steht seit geraumer Zeit unter Beschuss, vor allem die britische Financial Times (FT) veröffentlicht rund um das Unternehmen aus Aschheim bei München seit längerem kritische Berichte. Ende Januar sorgte ein Artikel zu Unregelmäßigkeiten und möglichen Scheinbuchungen in Singapur dafür, dass der Aktienkurs -0,62% binnen gut einer Woche um fast die Hälfte abstürzte. Wirecard musste nach der Prüfung durch eine beauftragte Anwaltskanzlei kleinere Buchungsfehler wegen "Qualitätsmängeln" einräumen, sah sich aber vom Vorwurf systematischer Falschbuchungen entlastet.

Dennoch könnten sich in Singapur Mitarbeiter strafbar gemacht haben, die Behörden im Land ermitteln noch. In Deutschland gehen die Staatsanwaltschaft München und die Finanzaufsicht Bafin dem Verdacht nach, dass Wirecard einer von Spekulanten orchestrierten Aktion zum Opfer gefallen sein könnte, mit der sogenannte Leerverkäufer an sinkenden Aktienkursen verdienen wollen - wie es auch schon in der Vergangenheit der Fall war. Nach Ansicht des Unternehmens könnten Verantwortliche der "FT" mit den Shortsellern unter einer Decke stecken, Wirecard geht rechtlich gegen die Zeitung vor. Diese wiederum sieht sich nach eigens in Auftrag gegebenen Untersuchungen von diesem Vorwurf entlastet.

Sonderprüfung eingeleitet

Wirecard hat nach neuerlichen Vorwürfen in der britischen Wirtschaftszeitung zu angeblichen Scheinbuchungen bei Töchtern in Dubai und Irland eine Sonderprüfung der Bilanzen eingeleitet, neben dem regulären Wirtschaftsprüfer EY durchleuchten nun auch die Spezialisten von KPMG die Bücher des Unternehmens. Laut Finanzchef Alexander von Knoop dauert die Sonderprüfung bis voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2020. Danach sollen die Ergebnisse in einem Bericht veröffentlicht werden.

"Wir gehen davon aus, dass die erneute unabhängige Prüfung dazu führt, alle weiteren Spekulationen endgültig zu beenden", sagte Aufsichtsratschef Wulf Matthias dazu. Vorstandschef Markus Braun zeigte sich zuletzt überzeugt, dass durch die Untersuchung das Vertrauen in das Geschäft gestärkt werde. Schon jetzt könne Wirecard nach eigenen Untersuchungen sagen, dass alle in den Unternehmensberichten von 2016 bis 2018 verbuchten Kundenbeziehungen und die Umsatzerfassung korrekt seien, sagte er vor zwei Wochen bei der Vorlage von Quartalszahlen. (Mit Material von dpa-AFX)

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