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Wirecard: Singapur-Fall spitzt sich zu

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Update:  Wirecard hat einen leitenden Mitarbeiter der Buchhaltung in der Niederlassung Singapur suspendiert. Bis die Untersuchung wegen Betrugsvorwürfen beziehungsweise einer unlauteren Buchführung vorüber sei, werde der Mitarbeiter im Rechnungswesen beurlaubt, sagte der Vorstandsvorsitzende Markus Braun der Agentur Reuters am Dienstagabend. Der Schritt sei ein normales Verfahren. Zudem hat die britische Wirtschaftszeitung Financial Times einen neuen Artikel veröffentlicht, der sich ebenfalls um Singapur dreht. Die Wirecard-Aktie -7,45% geriet am Dienstag nachbörslich erneut unter Druck.

Bereits am Mittag war der Dax-Wert zeitweise abgesackt. Ein Presseartikel vom Vortag sorgte heute Mittag für Verunsicherung. Das Wall Street Journal hatte gestern einen Artikel (kostenpflichtig) veröffentlicht, in dem das deutsche Zahlungsunternehmen vor allem wegen seiner dürftigen PR- bzw. Investor-Relations-Aktivitäten kritisiert wird. Außerdem hat der WSJ-Autor Paul Davies bemängelt, dass die Schulden des Konzerns schneller gestiegen sind als die Umsätze. Und überhaupt sei das Geschäftsmodell des Finanzdienstleisters zu intransparent.

Die Beurteilung der Risiken zwischen Firmenübernahmen, Investments und Kreditaufnahme falle schwer, weil sich dazu keine Angaben in den Jahresabschlüssen finden würden, moniert Davies. Daher fordert er in dem Wirtschaftsblatt nun mehr Licht in das Geschäftsmodell und das "spektakuläre Wachstum" zu bringen. Der Fintech-Star täte gut daran, seinen Aufstieg viel deutlicher zu erklären.

Außerdem wärmte das WSJ noch die Polizei-Aktion vom 8. Februar auf, wonach die Durchsuchung der Niederlassung in Singapur doch eine Razzia gewesen sei und nicht – wie von Wirecard dargestellt – eine einvernehmliche Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden. Diese "Fakten" – von mehreren Medien in Deutschland aufgegriffen – reichten aus, den Wirecard-Kurs -7,45% am Dienstag-Mittag binnen weniger Minuten von 132,90 Euro auf im Tief 121 Euro abstürzen zu lassen. Die Abwärtsbewegung wurde offenbar durch markttechnische Faktoren verstärkt. Bei gut 129 Euro verläuft die wichtige 50-Tage-Linie.

Im späten Handel folgte nun erneut ein Kursabsacker, der die Wirecard-Aktie sogar kurz unter 120 Euro drückte. Die Anleger befürchten, dass in Kürze negative Nachrichten aus Singapur eintreffen. Die Polizei dort hat im vergangenen Monat Ermittlungen in der Wirecard-Niederlassung aufgenommen, nachdem mehrere beschuldigende Artikel der Financial Times (FT)  veröffentlicht worden waren. Seit Wochen wird auf die Ergebnisse einer Untersuchung der Anwaltskanzlei Rajah & Tann gewartet, die nach möglichen Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung der asiatischen Niederlassung forscht. Braun hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

"Wir sind sehr optimistisch, was das Ergebnis der externen Untersuchung angeht", wiederholte er nun und fügte hinzu, dass er erwartete, dass die Ergebnisse bald veröffentlicht würden.

Unterdessen hat sich auch die FT in einem kostenpflichtigen Artikel erneut gemeldet. Der Hauptbeschuldigte, Edo Kurniawan, der von Singapur aus für die Asien-Pazifik-Region verantwortlich ist, soll untergetaucht sein. Laut FT hat Wirecard vor etwa vier Wochen den Kontakt zu dem wichtigen Mitarbeiter verloren. Braun spricht von Suspendierung, die FT von Kontakt verloren – eine Frage der Perspektive.

Die Wirecard-Anleger sind seit Tagen extrem nervös, sitzen bei ihren Brokern offenbar auf den Verkaufsknöpfen. Wirecard-Chef Braun hatte am vergangenen Freitag für ordentlich Optimismus unter den Anlegern gesorgt, als er in einer mysteriösen Twitter-Nachricht schrieb: "Ich bin überzeugt, dass der Markt sich sehr bald wieder auf die starke operative Entwicklung und die Innovationen von Wirecard fokussieren kann." Unter "sehr bald" verstanden die Wirecard-Aktionäre offenbar nur Stunden. Nach vier Tagen sind die Geduldsfäden nun jedenfalls zum Zerreißen gespannt.

Sollte der Abschlussbericht der Compliance-Kanzlei Rajah & Tann die im Raum stehenden Vorwürfe vollständig entkräften, dürfte die Wirecard-Aktie ihre jüngste Erholungsrallye fortsetzen. Derzeit spricht jedoch mehr dafür, dass sich die Vorwürfe von unsauberen oder gar betrügerischen Bilanzmanipulationen bestätigen. Spätestens am 4. April sollte der Bericht vorliegen. Dann berichtet Wirecard über das abgelaufene Geschäftsjahr. (mmr)

Drei-Monats-Chart Wirecard (Tradegate-Notierung)
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