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Wochen-Tops und -Flops: Es geht noch schlimmer als Wirecard

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Eine turbulente Woche ist für den deutschen Aktienmarkt letztlich nicht gut zu Ende gegangen. Mit den Verlusten vom Freitag summierte sich das Wochen-Minus beim Deutschen Aktienindex Dax auf knapp 2,5 Prozent. Der Leitindex rutschte unter die psychologisch wichtige 11.000-Punkte-Marke und ging schließlich mit einem Tagesverlust von gut einem Prozent bei 10.906 Punkte ins Wochenende.

Auch die übrigen deutschen Indizes verzeichneten am Freitag Verluste: Der MDax sank um 1,2 Prozent auf 23.205 Punkte – ein Wochenminus von 2,2 Prozent. Der SDax verlor in der ersten Februar-Woche 2,1 Prozent. Dort sorgte am Freitag vor allem die Leoni-Aktie mit einem Kurseinbruch für Schlagzeilen.

Die größten Wochen-Verlierer

Die Papiere des Autozulieferers brachen im SDax allein am Freitag um 32 Prozent ein auf den tiefsten Stand seit 2010. Eine Gewinnwarnung des auf Bordnetze spezialisierten Autozulieferers wurde am Markt als "desaströs" und "alarmierend" bezeichnet. Nach einem überraschend schwachen Jahresgewinn will der Kabelspezialist seinen Aktionären außerdem die Dividende verwehren. Auf Wochensicht hat die Leoni-Aktie 36,2 Prozent verloren und hält damit unter allen 102 HDax-Werten mit großem Abstand die rote Laterne.

Mit einem Wochenminus von 19,5 Prozent enttäuschte auch die Gea Group. Der Maschinenbauer hat seine auf ein halbes Jahrzehnt angelegten Mittelfristziele bereits nach nicht einmal einem Jahr wieder eingestampft. Nach vorläufigen Zahlen für das Vorjahr und mit einem mauen Ausblick auf das neue Jahr zog der Vorstand die Notbremse und erklärte die Ziele bis 2022 für obsolet. Die Aktie verlor vor allem am Donnerstag massiv, mehrere Analysten stuften den MDax-Wert herab.

Zweitschlechtester Wert im MDax war in der abgelaufenen Woche Salzgitter mit einem Minus von 11,9 Prozent. Der Stahlproduzent hatte am Dienstag vorläufige Zahlen vorgelegt und dabei eine magere Geschäftsprognose gegeben. Grund: das sich eintrübende Geschäftsumfeld sowie "zahlreiche wirtschaftliche und politische Unwägbarkeiten". So dürfte sich das Vorsteuerergebnis 2019 mit prognostizierten 125 Millionen bis 175 Millionen Euro im schlechtesten Fall mehr als halbieren. Der Umsatz dürfte nur leicht über 9,5 Milliarden Euro steigen.

In den Abwärtsstrudel gerissen wurde auch Dax-Wert ThyssenKrupp, dessen Aktien auf Wochensicht 9,2 Prozent verloren. Gab es auf der Hauptversammlung am 1. Februar noch optimistische Töne, sorgten die Geschäftszahlen der Branchenkollegen Salzgitter Voestalpine und ArcelorMittal letztlich für die großen Verluste.

Im Dax musste lediglich Wirecard in der abgelaufenen Woche noch größere Einbußen hinnehmen. Einmal mehr sorgten die Vorwürfe der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times im Wochenverlauf für starke Kursverluste. Zwischenzeitliche Stellungnahmen des Wirecard-Management konnten zwar beruhigen und den Aktienkurs wieder nach oben bewegen. Doch die Wochenbilanz bleibt mit minus 10,7 Prozent tiefrot. Am Freitag wurde bekannt, dass Behörden nun die Büroräume in Singapur durchsucht haben. Wirecard bestätigte in einer Mitteilung am Freitag ein Zusammentreffen mit Ermittlern in der Unternehmenszentrale in dem Land. Eine behördliche Untersuchung sei nach derart negativer Medienberichterstattung ein normaler Prozess, so das Unternehmen. Die Wirecard-Aktie fiel am Freitag unter 100 Euro auf den tiefsten Stand seit einem Jahr.

Die größten Wochen-Gewinner

Die positiven Börsensignale waren in der abgelaufenen Woche in der Minderheit, aber es gab sie. So konnte etwa Elektronik-Händler Ceconomy an der Spitze des SDax ein Wochenplus von 20,5 Prozent verbuchen. Positive Nachrichten des Mutterkonzerns der Media-Markt- und Saturn-Ketten führte allein am Freitag zu einem Kurssprung von 26,8 Prozent. Lob gab es für die besser als befürchtete Entwicklung im ersten Geschäftsquartal.

Auch die CompuGroup-Aktie kann sich mit einem Wochengewinn von 10,4 Prozent sehen lassen. Am Montag hatte ein weit besser als erwarteter Ausblick die Papiere des auf Arztpraxen und Apotheken spezialisierten Software-Herstellers im SDax nach oben katapultiert. CompuGroup Medical profitiert davon, dass neue Informations- und Kommunikationstechnologien in den Bereichen Prävention, Diagnose, Behandlung und Verwaltung des Gesundheitswesens verstärkt Einzug halten. Dieser milliardenschwere Wachstumsmarkt – auch E-Health genannt – führt zwangsläufig zu einer Sonderkonjunktur. Compugroup ist hier gut positioniert.

Auch der Darmstädter Merck-Konzern baut den Bereich digitale Gesundheitsdienste aus. Bereits im Januar wurde dafür mit dem chinesischen Internet-Konzern Tencent eine Kooperation vereinbart. Nun wurde auch noch ein Partner für ein wichtiges Projekt in der Merck-Pharma-Forschungspipeline gefunden. Das Dax-Unternehmen wird künftig mit dem britischen Hersteller GlaxoSmithKline in der Immun-Onkologie bei der Entwicklung seines Medikamentenkandidaten M7824 zusammenarbeiten. Auf Wochensicht konnte die Merck-Aktie als bester Dax-Wert um 3,4 Prozent zulegen. FMC rangiert mit einem Wochenplus von 3,0 Prozent knapp dahinter.

Bester MDax-Wert war in der vergangenen Woche Delivery Hero. Der Essenslieferant hatte am Mittwoch überraschend gute Jahreszahlen vorgelegt, was die Aktie bis einschließlich Freitag um 7,7 Prozent nach oben trieb. (mmr)
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