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WOCHENAUSBLICK: Brexit und Zollstreit entscheiden wohl über weitere Dax-Erholung

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach einigen düsteren Tagen und einer zaghaften Erholung am Freitag können sich Anleger zu Beginn der neuen Woche Hoffnung auf eine Gegenreaktion machen. Der erstmalige Fall unter die psychologisch wichtige Marke von 11 000 Punkten seit zwei Jahren gibt zwar rein technisch betrachtet nicht gerade Grund zum Optimismus. Die Chancen für eine zumindest vorübergehende Tendenz nach oben dürften damit aber steigen, betonte Andreas Büchler vom Börsenstatistiker Index-Radar in einem Kommentar.

Allerdings wird es wichtige politische Ereignisse geben, die im Wochenverlauf von großer Relevanz für die Finanzmärkte sind. Kritisch geblickt wird dabei vor allem nach Großbritannien. Am Montag urteilt zunächst das oberste EU-Gericht über die Möglichkeit eines britischen Rückziehers beim geplanten EU-Austritt. Am Dienstag wird das britische Unterhaus über das Abkommen entscheiden. "Sollte es keine handfeste Überraschung geben, werden die Parlamentarier den mit der EU ausgehandelten Kompromiss ablehnen", befürchtet Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank.

Sollte der Vertrag durch die Briten abgelehnt werden, droht eine anhaltende Hängepartie. "Zu einer Zustimmung zum Brexit-Deal gibt es keine gute Alternative", glaubt Analyst Christian Apel von der Helaba. Commerzbank-Experte Schickentanz befürchtet, dass die sich ergebende Unsicherheit die Aktienmärkte negativ treffen kann. Das weitere zentrale Thema sehen Experten in der kommenden Woche in dem Handelsstreit zwischen den USA und China, der den Investoren zuletzt weiter Sorgen vor einer sich eintrübenden Wirtschaft bereitete.

Bei allen Unsicherheiten weisen einige Experten aber darauf hin, dass fundamental betrachtet die Zeit für Schnäppchenjäger kommen könnte, nachdem der Dax seit Anfang Oktober mehr als 11 Prozent verloren hat. So stellte UBS-Investmentchef Mark Haefele fest, dass Aktien derzeit mit einem 15-prozentigen Abschlag zu ihrem langfristigen durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt werden. Seiner Einschätzung nach hat der Markt damit auf die Handelsstreitigkeiten überreagiert und die tatsächlichen Risiken mehr als eingepreist.

Stratege Emmanuel Cau von Barclays glaubt, dass die "Flucht in die Defensive" inzwischen ihren Höhepunkt erreicht hat. In der Vergangenheit habe das von ihm beobachtete Ausmaß von Umschichtungen aus Aktien in den Geldmarkt regelmäßig gute Chancen eröffnet. In fünf vergleichbaren Ausgangslagen seit 2010 seien in den darauf jeweils folgenden drei bis sechs Monaten deutliche Kursgewinne am Aktienmarkt gefolgt.

UBS-Experte Haefele hält es aber dennoch für unabdinglich, die politischen Spannungen zwischen den USA und China weiter kritisch zu beobachten, zumal die Märkte wohl stärker schwanken dürften als üblich und eine weitere Eskalation nicht auszuschließen sei. "Die strukturellen Unterschiede zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt sind zu groß, um schnell gelöst zu werden", glauben die Anlageexperten der Schweizer Großbank.

Eine Gegenreaktion sollten Anleger daher auch nicht vorschnell mit einer Trendwende verwechseln. "Auch wenn es dazu kommt, dürfte dies noch nicht das Ende einer Abwärtsbewegung darstellen", warnt Index-Radar-Experte Büchler und rät, vorsichtig zu agieren. Andere Experten sehen den Markt in einer längeren Negativspirale. "Mit seinen Jahresverlusten von mehr als 20 Prozent ist der Dax offiziell im Bärenmarkt angekommen", sagte ein Händler.

Ansonsten dürften Anleger ihre Blicke in der neuen Woche auf die Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag richten. "Bedeutung hat die Sitzung durch den erwarteten Beschluss, die Nettoanleihekäufe wie schon länger angekündigt zum Jahresende einzustellen", so Commerzbank-Experte Schickentanz. Konjunkturdaten im Allgemeinen wähnt er in der neuen Woche eher im Hintergrund. Von Interesse dürften hier am ehesten die US-Inflationsdaten am Mittwoch wegen ihrer Relevanz für die US-Geldpolitik sein.

Unternehmensseitig ist die Agenda vorweihnachtlich kaum gefüllt. Jahreszahlen der Kupferhütte Aurubis am Dienstag sowie des Handelskonzerns Metro am Donnerstag könnten hier einen Blick wert sein. Am Mittwoch steht für die noch verbliebenen Aktionäre der alten Linde AG mit der außerordentlichen Hauptversammlung ein wichtiger Tag an: Nach der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair will der Gasehersteller Linde Plc. seine Aktien gegen eine Barabfindung einziehen./tih/ck/jha/

Von Timo Hausdorf, dpa-AFX


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