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WOCHENAUSBLICK: Risiken im Dax sind längst nicht vom Tisch

| Quelle: dpa-AFX (SW) | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
FRANKFURT (dpa-AFX) - Hält die jüngste Dax -Erholung in der neuen Börsenwoche an? Nachdem der September, der als schwacher Börsenmonat gilt, mit herben Verlusten begonnen hatte, konnte sich der Dax zuletzt zumindest über 12 000 Zählern stabilisieren. Doch Risiken bleiben.

Augenblicklich sieht es so aus, als hätten die Marktteilnehmer in den anstehenden fünf Handelstagen zumindest etwas weniger Ballast dabei. So könnte etwa in den Handelsstreit zwischen den USA und China wieder etwas Bewegung kommen, denn die Amerikaner wollen sich mit Peking nochmals an einen Tisch setzen. Die Streitereien und das gegenseitige Aufrüsten mit Strafzöllen hatte sich zuletzt als eines der größten Hemmnisse für die hiesigen Aktienmärkte entpuppt. "Die Herbststürme an den Börsen könnten bereits vorüber sein", schrieben die Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Auch die Schwellenländerprobleme sind wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Mit der Entscheidung der türkischen Notenbank, den Leitzins auf 24 Prozent anzuheben, haben die Währungshüter am Bosporus ihre Unabhängigkeit von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan demonstriert. Die türkische Lira und in der Folge einige weitere Schwellenländerwährungen konnten sich vor dem Wochenende stabilisieren. Zudem bestätigte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Richtung: Sie behält die Zinsen vorerst weiter stabil auf dem Rekordtief von null Prozent und drosselt ab Oktober den Umfang ihrer milliardenschweren monatlichen Anleihenkäufe.

Entwarnung also für die neue Woche? Das wäre verfrüht, denn Risiken gibt es nach Einschätzung von Beobachtern genug. "An erfolgreiche Verhandlungen zwischen den USA und China im Handelsstreit will so richtig keiner glauben, denn Gespräche gab es schon viele, gebracht hat es wenig", schreibt etwa Jochen Stanzl von CMC Markets. "Solange US-Präsident Donald Trump allerdings kein weiteres Öl ins Feuer gießt, schwelt der Streit weiter, aber richtet auch keinen großen Schaden an der Börse an." Auch bleiben laut Stanzl alle Schwellenländer vor dem Hintergrund weiter steigender Zinsen in den USA ein Risikofaktor für die Börsen weltweit. Das gilt nach Einschätzung vieler Beobachter auch für das schuldengeplagte Italien, solange dort der Haushalt noch nicht steht.

Die weitere Börsenrichtung wird damit zum Streitthema der Experten. Commerzbank-Fachmann Andreas Hürkamp etwa hält für den Dax durchaus eine weitere Korrektur nach unten für wahrscheinlich. Der Markt zeige aktuell Parallelen zu den Jahren 1997 und 1998, als Probleme in Schwellenländern den Dax schon einmal unter Druck gesetzt hätten, so Hürkamp. Helaba-Experte Christian Schmidt sieht indes "kurzfristig die Chance auf eine weitergehende Erholung". Allerdings dürften die Erwartungen an diese nicht zu hoch gesteckt werden.

Auch die Charttechniker vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar halten "nach einer kleinen Denkpause" eine fortgesetzte Aufwärtsbewegung für möglich. Bleibe jedoch, wie zuletzt beobachtet, der Abgabedruck an der Schwelle von 12 120 Punkten hoch, könne die neueste Erholungsbewegung im Dax schnell wieder zum Stillstand kommen und der Index zurückfallen.

Dabei dürfte der Mangel an Kurstreibern ein Problem bleiben. So wird es auf der Konjunkturagenda in der dritten Septemberwoche ruhiger. Nach den jüngsten Entscheidungen der EZB sowie der britischen und türkischen Notenbanken zieht am Mittwoch die Bank of Japan mit ihrer Leitzinsentscheidung nach. Am Donnerstag folgt mit dem Philly Fed Index die Veröffentlichung des Geschäftsklimas im Bundesstaat Philadelphia. Einen Tag später werden mit den Einkaufsmanagerindizes (PMI) in Europa und den USA wichtige Stimmungsdaten aus der Industrie und dem Service publiziert.

Mit dem Ende der Berichtssaison ist es auch auf Unternehmensseite sehr still geworden. Als absehbare Termine steht die Startup-Schmiede Rocket Internet auf dem Programm. Sie öffnet als später Nachzügler am Donnerstag ihre Bücher./tav/ajx/fba

Von Tanja Vedder, dpa-AFX


Quelle: dpa-AFX
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