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Wochenausblick: So könnte es mit dem DAX weitergehen

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der "Super Saturday" wurde den Erwartungen der Marktteilnehmer nicht gerecht. Das britische Parlament stimmte nicht über den Brexit-Deal ab, sondern für eine Verschiebung der Entscheidung. Sie wollen abwarten, bis das Gesetz zur Ratifizierung des Vertrags unter Dach und Fach ist. Nun deutet vieles auf eine Verlängerung der Brexit-Frist hin. Auf das Hick-Hack dürften Börsianer "not amused" reagieren.

Die britische Regierung hat am Samstagabend in einem Schreiben - wie vom "Benn-Act"-Gesetz verlangt - eine Brexit-Verschiebung bei der EU beantragt. Weitere drei Monate sind wahrscheinlich. Trotzdem will Boris Johnson versuchen, den Termin 31. Oktober zu halten. Er sei weder eingeschüchtert noch schockiert, sagte er nach seiner Niederlage im Unterhaus. Auch in einem persönlichen Schreiben an Tusk gab sich der Premier überzeugt, dass Großbritannien den Termin halten werde.

Chancen auf Großbritanniens EU-Austritt an Halloween nur noch klein

Johnson werde nun das Gesetz zur Ratifizierung des Abkommens einbringen. Denkbar ist, dass dieses Gesetz entscheidende parlamentarische Hürden bis Dienstag nimmt. Auch ein neuer Anlauf für den Deal am Montag scheint nicht ausgeschlossen. Dennoch dürften die Chancen für einen Brexit in weniger als zwei Wochen weiter deutlich geschrumpft sein. Eigentlich will das Königreich die EU an Halloween verlassen.

Am Sonntag kam das EU-Parlament zu Beratungen zusammen. Die Diplomaten in Brüssel zeigten sich perplex über die verworrene Lage in London. Dennoch stießen sie formal das Ratifizierungsverfahren auf EU-Seite an. Denn nicht nur das britische Parlament muss den Vertrag annehmen, sondern auch das EU-Parlament. Theoretisch könnte dies am Donnerstag in Straßburg geschehen. Die Spitzen des EU-Parlaments befassen sich dann am Montag mit dem Fahrplan (18.00 Uhr).

Am Aktienmarkt könnte das alles am Montag zunächst enttäuschte Reaktionen hervorrufen. DAX dürfte in der neuen Woche hauptsächlich an diesem seidenen Faden der Politik hängen. Am Freitag hatte der DAX +0,47% etwas schwächer bei 12.633 Punkten geschlossen. Auf Wochensicht bedeutete das aber ein Plus von einem Prozent. Die Hoffnung auf einen geregelten Brexit gilt damit ebenso als eingepreist wie die zuletzt gestiegene Zuversicht im US-Zollstreit mit China. Der MDAX +0,44% schloss bei knapp 26.000 Punkten mit einem Wochenplus von 1,5 Prozent.

Jahresendrallye?

Die Aussicht auf ein Brexit-Abkommen hatte in den vergangenen Tagen bei Anlegern für gute Stimmung gesorgt und den DAX per saldo gestützt. Nur bei einer schnellen Zustimmung zum Deal dürfte es eine weitere Börsenerholung geben. Eine Verschiebung des EU-Austritts könnte eine weitere Jahresendrallye abwürgen.

Charttechnisch sieht die BayernLB den DAX +0,47%, der es zuletzt auf den höchsten Stand seit August 2018 geschafft hatte, zudem vor einem massiven Widerstand nach oben. Analyst Hans-Peter-Reichhuber spricht beim Leitindex von einer breiten Seitwärtsbewegung unterhalb der 2018er Kursspitzen. Mitte des vergangenen Jahres war der DAX im Bereich zwischen 12.900 und 13.200 Punkten mehrere Male nach unten abgedreht. "Ein Ausbruch nach oben zeichnet sich derzeit nicht ab", so der Experte.

Drei-Jahres-Chart DAX

Auch Themen abseits des Brexit-Chaos

Laut dem Donner & Reuschel-Experten Martin Utschneider schweben abseits des Brexit aber auch andere Themen wie die US-Handelszölle sowie die globale Rezessionsgefahr weiter wie ein Damoklesschwert über dem Markt. Im Handelsstreit mit China stehen die Zeichen zwar eher auf Deeskalation. Eine Serie von gekürzten Unternehmensprognosen ist neuerdings aber Zeugnis der Konjunktursorgen. Sie droht sich in den kommenden Wochen fortzusetzen, wenn die Berichtssaison zum dritten Quartal richtig ins Rollen kommt.

Am Montag berichtet SAP +0,79%, Eckdaten sind hier aber seit der Vorwoche schon bekannt. Am Dienstag folgt Konkurrent Software AG +1,30%. Ein richtiger Hammertag wird dann der Donnerstag unter anderem mit Quartalszahlen von den DAX-Mitgliedern BASF +0,16% und Daimler -0,10%.

In der zweiten deutschen Börsenreihe warten dann unter anderem Siltronic +1,31%, Wacker Chemie -1,93%, Aixtron +0,76%, Puma +1,13% sowie Kion +1,24% mit Zahlen auf. Am Freitag folgt noch das neue DAX-Mitglied MTU Aero Engines ±0,00%.

Wichtige Konjunkturdaten

Konjunkturseitig spielt die Musik eher im späteren Wochenverlauf mit einigen wichtigen Frühindikatoren. Am Donnerstag werden vorläufige europäische Einkaufsmanager-Daten für Oktober erwartet, am Freitag folgt das deutsche Ifo-Geschäftsklima. Nach dem zuletzt ersten Anstieg seit März sieht die Postbank im Oktober bei den Geschäftserwartungen ein moderates Aufwärtspotenzial, nicht aber für die Lagebeurteilung. In der Summe rechnen die Experten daher mit einem knappen Rückgang des Ifo-Index um 0,1 auf 94,5 Punkte.

Ein wichtiges Thema sollte bei den geopolitischen Themen allerdings nicht vergessen werden: Am kommenden Donnerstag kommt die Europäische Zentralbank zu ihrer letzten Zinssitzung unter dem scheidenden Präsidenten Mario Draghi zusammen. Laut Karsten Junius von der schweizerischen Privatbank J. Safra Sarasin sind dann keine neuen Maßnahmen zu erwarten. Mehr noch als über die geldpolitische Zukunft dürfte seiner Ansicht nach über das im September von Draghi geschnürte Maßnahmenpaket diskutiert werden. Letztlich könnte der DAX dadurch weiteren Rückenwind bekommen. (mmr mit Material von dpa-AFX)

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