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Zinsen oder Politik – Was den Euro/Dollar-Kurs wirklich bewegt

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die US-Notenbanksitzung gestern Abend hat an den Märkten nur für wenig Bewegung gesorgt. Selbst beim Euro/US-Dollar-Kurs hat sich nicht wirklich etwas getan. Obwohl es gestern tagsüber schon zu Gewinnmitnahmen gekommen war, liegt der Euro mit rund 1,24 Dollar immer noch auf hohem Niveau. Seit Anfang des vergangenen Jahres ist der Wechselkurs in der Spitze um mehr als 20 Prozent gestiegen. Solch starke Bewegungen sieht man bei den großen Währungspaaren innerhalb eines Jahres nicht allzu häufig. Viele Marktteilnehmer wurden von der nachhaltigen Aufwertung des Euro auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Die sich aufgrund der unterschiedlichen Notenbank-Politik zu Gunsten der USA ausweitende Zinsdifferenz an galt ursprünglich als Hauptargument für einen stärkeren Dollar. Je höher die Zinsen in einem Währungsraum sind, desto attraktiver sind in der Regel auch die entsprechenden Anlageformen. Theoretisch müsste daher die Nachfrage nach dem Dollar stärker sein als beim Euro. Eine logisch klingende Argumentation und tatsächlich gibt es langfristig auch einen klar erkennbaren Zusammenhang zwischen Zinsdifferenz und Wechselkursentwicklung. Der Blick in die Vergangenheit zeigt aber auch, dass es immer mal längere Phasen mit deutlichen Abweichungen von dieser „Regel“ gab. So wie in den vergangenen Monaten.

Genau darauf wies in dieser Woche auch Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, bei seinem Ausblick für den Euro/Dollar-Kurs hin. Seiner Meinung nach wird das Zinsargument derzeit von den politischen Entwicklungen in den Hintergrund gedrängt. So sei die lange Zeit herrschende Skepsis internationaler Investoren gegenüber dem Euro seit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Staatspräsidenten deutlich geschwunden, was den Aufschwung der Währung mit ausgelöst habe. Auch die Entwicklung in Deutschland trage dazu bei, das Vertrauen in den Euro weiter zu stärken. Schließlich hat das Thema Europa in den Sondierungsgesprächen zwischen CDU, CSU und SPD eine wichtige Rolle gespielt. Ein starkes Bündnis zwischen Deutschland und Frankreich scheint für alle Beteiligten die Basis für eine stabile Eurozone zu sein.

Wirklich vertrauenserweckend sind die Äußerungen und Maßnahme von Donald Trump bislang hingegen nicht, was auch ein Grund für die womöglich sogar gewollte Dollar-Schwäche sein könnte. De la Rubia weist zudem darauf hin, dass die Steuerreform tendenziell negativ für den Dollar sei, weil die zurückzuholenden Gelder schon jetzt in US-Anleihen angelegt wären. Zudem werde der Wachstumseffekt aufgrund der bereits sehr hohen Kapazitätsauslastung überschätzt und die öffentliche Verschuldung dürfte sich ausweiten, während sie in der Eurozone wohl weiter sinken wird. Zusammen mit den unterschiedlich weit fortgeschrittenen Konjunkturzyklen (in Europa noch relativ jung, in den USA schon recht alt) spreche auch das tendenziell eher für den Euro als den Dollar. Ohne konkrete Kursziele zu nennen, rechnet man bei der HSH Nordbank deshalb in den kommenden 18 bis 14 Monaten mit einem tendenziell weiter steigenden Euro/Dollar-Kurs. Zumal der Euro mit Blick auf den viel zitierten „Big Mac Index“ trotz des 20 Prozent-Anstiegs immer noch ca. 8 Prozent unterbewertet ist.

Mit dieser Einschätzung nimmt der Chefvolkswirt eine Position ein, die aktuell nicht allzu viele Analysten vertreten. M.M.Warburg und Helaba Research zum Beispiel sehen den Euro in Zukunft eher bei 1,13 bzw. 1,10 Dollar. Die Charttechniker von HSBC warnen aufgrund nahender Widerstände zumindest davor, dass die Luft nach oben für den Euro spürbar dünner werden dürfte. Auch weil die spekulativen Long-Positionen auf den Euro mittlerweile ein neues Rekordhoch erreicht haben. Vor diesem Hintergrund könnte die passende Strategie sein, kurzfristig auf eine Seitwärts-/Abwärtsbewegung zu setzen, um dann – wenn man denn der Argumentation der HSH Nordbank folgen möchte - in eine mögliche Korrektur hinein wieder Long-Positionen aufzubauen.

Für den ersten Teil dieser Spekulation bieten sich nicht zu offensive Discount Put-Optionsscheine an, wie ein noch gut zwei Monate laufender Schein der DZ Bank mit einem Basispreis von 1,30 Dollar und einem Cap bei 1,25 Dollar. Hier erhalten Anleger bei Fälligkeit einen Maximalbetrag von 5 Dollar, wenn der Euro am finalen Bewertungstag (11. April) nicht über 1,25 Dollar notiert. Eine Seitwärtsbewegung des Wechselkurses würde dafür also ausreichen. Die genaue Höhe der Auszahlung hängt dann von dem exakten Umrechnungskurs ab. Bei einem Euro-Kurs von 1,25 Dollar wären es zum Beispiel genau 4 Euro, was einen Gewinn von gut 30 Prozent bedeuten würde. Je weniger der Euro am Ende wert ist, desto höher werden der Auszahlungsbetrag und damit natürlich auch der Gewinn. Ein Euro-Kurs von 1,20 Dollar etwa würde den Endbetrag auf 4,17 Euro erhöhen. Liegt der Euro bei Fälligkeit über 1,25 Dollar, wird die in Euro umgerechnete Differenz zwischen Basispreis (1,30 Dollar) und dem dann aktuellen Wechselkurs erstattet. Ab einem „Schlusskurs“ von mindestens 1,30 Dollar bedeutet das den Totalverlust des eingesetzten Kapitals (WKN: DG9NYR).

Thomas Koch

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Investmentecke

Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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