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Russischer Bankenriese sucht mehr Risiko
29.03.2012 - 07:16 | Quelle: manager-magazin.de Exklusiv-Artikel
Von Arvid Kaiser
Während andere Banken ihre Bilanzen reparieren, geht die Sberbank den entgegen gesetzten Weg. Die russische Riesensparkasse schickt sich an, die profitabelste Bank Europas zu werden. Jetzt erobert sie auch Auslandsmärkte - und versucht sich sogar im Autobau.
Hamburg - Hermann Gref folgt "dem Weg". Der erklärte Anhänger der chinesischen Tao-Lehre hat seiner 240.000-köpfigen Mannschaft ins Stammbuch geschrieben, "Selbstgefälligkeit, Unwille zur Veränderung, Faulheit und Passivität" seien die "Hindernisse auf der Straße zum Glück". Wer sich selbst ändere, verändere die Welt zum Guten - deshalb werden beispielsweise übergewichtige Beschäftigte getadelt und ins Fitnessstudio geschickt.
"Ich werde einem Elefanten das Tanzen beibringen", erklärte Gref 2007, als er vom Posten des russischen Wirtschaftsministers an die Spitze der Sberbank wechselte.
Nach den an diesem Mittwoch vorgelegten Geschäftszahlen hat Gref den Elefanten schon ein gutes Stück bewegt. Die Sberbank(US80529Q2057) hat ihren Gewinn Jahr für Jahr gesteigert und 2011 satte 316 Milliarden Rubel (7,7 Milliarden Euro) verdient, in Europa nur noch übertroffen von der HSBC (GB0005405286) , wie auch in punkto Börsenwert. Vorläufige Ergebnisse für Januar und Februar zeigen einen weiteren Sprung an, demnach dürften die Russen bald Europas Profitmeister werden.
Atemberaubendes Expansionstempo
Gleich mehrere Meldungen der vergangenen Wochen zeugen vom atemberaubenden Tempo der Expansion. Zum Jahreswechsel übernahm die Sberbank, bisher rein auf klassisches Bankgeschäft fokussiert, die Investmentbank Troika Dialog und kurz darauf die Schweizer Handelsbank SLB. Dann kaufte sie den notverstaatlichten österreichischen Volksbanken ihre Osteuropatochter ab und erreichte so neben einer EU-Banklizenz erstmals flächendeckende Präsenz in sieben Märkten außerhalb der ehemaligen Sowjetunion.
Zuletzt gründete sie mit Fiat(IT0001976403) ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Jeeps in zwei russischen Werken. So kommt die Sberbank doch noch zu einer Autobeteiligung, wie es vor Jahren mit Magna (CA5592224011) und Opel für den Fall eines Verkaufs der Tochter von General Motors (US37045V1008) geplant war. Wohl noch im April soll die russische Zentralbank ein milliardenschweres Paket von Sberbank-Aktien auf den Markt bringen und ihren Anteil so auf eine knappe Mehrheit reduzieren.
Gref, aus Kasachstan stammender Abkömmling deutscher Vorfahren und langjähriger Weggefährte des gerade wieder zum Präsidenten gewählten Wladimir Putin, hat sich einen Ruf als umtriebiger Fitnessfanatiker, der täglich zehn Kilometer läuft, verschafft. Er muss alles dynamisieren.
Viele Zahlen der Sberbank dürften den Neid westlicher Großbanken erregen - nicht nur die Eigenkapitalrendite von 27 Prozent oder das Kosten-Ertrags-Verhältnis von 47 Prozent. Vor allem die Stabilität der Bank, die seit ihrer Gründung 1841 per Ukas von Zar Nikolaus I. unter staatlicher Kontrolle steht und sich in der Finanzkrise als sicherer Hafen zeigte, ist legendär.
Die Bank verwaltet fast die Hälfte aller russischen Spareinlagen, und hat rund ein Drittel der Kredite vergeben. Mit rund 7 Prozent faulen Krediten hat die Sberbank die geringsten Ausfälle aller in Osteuropa tätigen Großbanken, zum Teil weit weniger als die in den neuen EU-Staaten dominanten Westkonzerne.
"Russlands Banken haben ihre Hausaufgaben gut erledigt", urteilt Analyst Gunter Deuber von der Wiener Raiffeisenbank - und meint damit vor allem die Sberbank, die mit weitem Abstand vor der ebenfalls staatlich kontrollierten Wneschtorgbank (die sich nach der Übernahme der Bank of Moscow mit den Folgen eines gigantischen Betrugsskandals herumschlägt) den Markt anführt. Im osteuropäischen Vergleich gelte, "je stärker die Präsenz in Russland, desto höher die Qualität der Darlehen".
Außerdem sei das Land der dynamischste Wachstumsmarkt. Russlands Banken seien zusammengenommen immer noch nicht größer als die im kleinen Schweden - für Deuber liefert der Nachholbedarf einen guten Grund für "nachhaltige zweistellige Wachstumsraten" in den kommenden Jahren.
Doch das ist Gref nicht genug. Sicher, als "absoluter Marktführer" mit rund 20.000 Filialen könne die Sberbank auch bequem im Status Quo mit wachsendem Wettbewerb bestehen, heißt es in der bis 2014 reichenden Entwicklungsstrategie, für die Gref mit Bain und McKinsey gleich zwei große Beratungsfirmen betraut hat. Doch welche Verschwendung, wenn doch als Alternative auch ein "Modernisierungsszenario" winkt, für das sich Gref natürlich entschieden hat.
Tatsächlich zeigt die Analyse einige Schwächen auf, die unter den starken Geschäftszahlen verborgen sind. Sie bemängelt "schwerfällige und überkomplizierte Geschäftsprozesse, schlechte Servicequalität, unzureichendes Management der Kundenbeziehungen" und allgemein "extrem niedrige Produktivität".
Der bürokratische Riesenapparat soll auf Effizienz getrimmt werden. Erste Erfolge liegen in kürzeren Wartezeiten vor Filialen und in Call Centern und zentralen Einrichtungen wie Kreditfabriken, die manche Abläufe automatisieren, wie es in westlichen Banken längst üblich ist. Auch mehr als 24.000 Stellen hat Gref trotz des starken Wachstums der Stromlinienförmigkeit geopfert.
Der Plan zielt auf "Sberbanks Potenzial, als eines der wenigen russischen Unternehmen außerhalb der Rohstoffbranche zum Global Player aufzusteigen". Wenigstens 5 Prozent des Gewinns sollen bis 2014 aus dem Ausland stammen, angesichts der schieren Größe des Heimatgeschäfts schon ein ambitioniertes Ziel.
Ärger über "übertriebene Vorsicht"
Für den Großteil davon sorgen noch die Niederlassungen in ehemaligen Sowjetstaaten mit hohem russischen Bevölkerungsanteil wie Kasachstan, Weißrussland oder der Ukraine. Doch nach dem Zukauf in Wien hat die Sberbank schon die nächsten Ziele ausgegeben: Polen und die Türkei, zwei der nach Russland größten Wachstumsmärkte.
In einer Hinsicht entfernt sich Gref von den westlichen Banken: Während diese nach der Finanzkrise noch ihre Bilanzen schrumpfen, bemängelt das Sberbank-Strategiepapier intern eine "zu starke Abneigung gegen Risiko". Wegen übertriebener Vorsicht entgingen der Bank Erträge und Gewinne, nun soll das Risikomanagement abgebaut werden. Wohl nur konsequent, dass Gref Wagnisse wie das neue Autogeschäft eingeht oder die osteuropäischen Problembanken übernimmt, die Österreichs Volksbanken in den Ruin getrieben haben.
Quelle: manager-magazin
Während andere Banken ihre Bilanzen reparieren, geht die Sberbank den entgegen gesetzten Weg. Die russische Riesensparkasse schickt sich an, die profitabelste Bank Europas zu werden. Jetzt erobert sie auch Auslandsmärkte - und versucht sich sogar im Autobau.
Hamburg - Hermann Gref folgt "dem Weg". Der erklärte Anhänger der chinesischen Tao-Lehre hat seiner 240.000-köpfigen Mannschaft ins Stammbuch geschrieben, "Selbstgefälligkeit, Unwille zur Veränderung, Faulheit und Passivität" seien die "Hindernisse auf der Straße zum Glück". Wer sich selbst ändere, verändere die Welt zum Guten - deshalb werden beispielsweise übergewichtige Beschäftigte getadelt und ins Fitnessstudio geschickt.
"Ich werde einem Elefanten das Tanzen beibringen", erklärte Gref 2007, als er vom Posten des russischen Wirtschaftsministers an die Spitze der Sberbank wechselte.
Nach den an diesem Mittwoch vorgelegten Geschäftszahlen hat Gref den Elefanten schon ein gutes Stück bewegt. Die Sberbank
Atemberaubendes Expansionstempo
Gleich mehrere Meldungen der vergangenen Wochen zeugen vom atemberaubenden Tempo der Expansion. Zum Jahreswechsel übernahm die Sberbank, bisher rein auf klassisches Bankgeschäft fokussiert, die Investmentbank Troika Dialog und kurz darauf die Schweizer Handelsbank SLB. Dann kaufte sie den notverstaatlichten österreichischen Volksbanken ihre Osteuropatochter ab und erreichte so neben einer EU-Banklizenz erstmals flächendeckende Präsenz in sieben Märkten außerhalb der ehemaligen Sowjetunion.
Zuletzt gründete sie mit Fiat
Gref, aus Kasachstan stammender Abkömmling deutscher Vorfahren und langjähriger Weggefährte des gerade wieder zum Präsidenten gewählten Wladimir Putin, hat sich einen Ruf als umtriebiger Fitnessfanatiker, der täglich zehn Kilometer läuft, verschafft. Er muss alles dynamisieren.
Viele Zahlen der Sberbank dürften den Neid westlicher Großbanken erregen - nicht nur die Eigenkapitalrendite von 27 Prozent oder das Kosten-Ertrags-Verhältnis von 47 Prozent. Vor allem die Stabilität der Bank, die seit ihrer Gründung 1841 per Ukas von Zar Nikolaus I. unter staatlicher Kontrolle steht und sich in der Finanzkrise als sicherer Hafen zeigte, ist legendär.
Die Bank verwaltet fast die Hälfte aller russischen Spareinlagen, und hat rund ein Drittel der Kredite vergeben. Mit rund 7 Prozent faulen Krediten hat die Sberbank die geringsten Ausfälle aller in Osteuropa tätigen Großbanken, zum Teil weit weniger als die in den neuen EU-Staaten dominanten Westkonzerne.
"Russlands Banken haben ihre Hausaufgaben gut erledigt", urteilt Analyst Gunter Deuber von der Wiener Raiffeisenbank - und meint damit vor allem die Sberbank, die mit weitem Abstand vor der ebenfalls staatlich kontrollierten Wneschtorgbank (die sich nach der Übernahme der Bank of Moscow mit den Folgen eines gigantischen Betrugsskandals herumschlägt) den Markt anführt. Im osteuropäischen Vergleich gelte, "je stärker die Präsenz in Russland, desto höher die Qualität der Darlehen".
Außerdem sei das Land der dynamischste Wachstumsmarkt. Russlands Banken seien zusammengenommen immer noch nicht größer als die im kleinen Schweden - für Deuber liefert der Nachholbedarf einen guten Grund für "nachhaltige zweistellige Wachstumsraten" in den kommenden Jahren.
Doch das ist Gref nicht genug. Sicher, als "absoluter Marktführer" mit rund 20.000 Filialen könne die Sberbank auch bequem im Status Quo mit wachsendem Wettbewerb bestehen, heißt es in der bis 2014 reichenden Entwicklungsstrategie, für die Gref mit Bain und McKinsey gleich zwei große Beratungsfirmen betraut hat. Doch welche Verschwendung, wenn doch als Alternative auch ein "Modernisierungsszenario" winkt, für das sich Gref natürlich entschieden hat.
Tatsächlich zeigt die Analyse einige Schwächen auf, die unter den starken Geschäftszahlen verborgen sind. Sie bemängelt "schwerfällige und überkomplizierte Geschäftsprozesse, schlechte Servicequalität, unzureichendes Management der Kundenbeziehungen" und allgemein "extrem niedrige Produktivität".
Der bürokratische Riesenapparat soll auf Effizienz getrimmt werden. Erste Erfolge liegen in kürzeren Wartezeiten vor Filialen und in Call Centern und zentralen Einrichtungen wie Kreditfabriken, die manche Abläufe automatisieren, wie es in westlichen Banken längst üblich ist. Auch mehr als 24.000 Stellen hat Gref trotz des starken Wachstums der Stromlinienförmigkeit geopfert.
Der Plan zielt auf "Sberbanks Potenzial, als eines der wenigen russischen Unternehmen außerhalb der Rohstoffbranche zum Global Player aufzusteigen". Wenigstens 5 Prozent des Gewinns sollen bis 2014 aus dem Ausland stammen, angesichts der schieren Größe des Heimatgeschäfts schon ein ambitioniertes Ziel.
Ärger über "übertriebene Vorsicht"
Für den Großteil davon sorgen noch die Niederlassungen in ehemaligen Sowjetstaaten mit hohem russischen Bevölkerungsanteil wie Kasachstan, Weißrussland oder der Ukraine. Doch nach dem Zukauf in Wien hat die Sberbank schon die nächsten Ziele ausgegeben: Polen und die Türkei, zwei der nach Russland größten Wachstumsmärkte.
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Quelle: manager-magazin
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