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DELIVERY HERO IM FOKUS: Noch lange nicht satt

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
BERLIN (dpa-AFX) - Delivery Hero ±0,00% macht seinen Anlegern Freude: Das Geschäft der Berliner rund um Essenslieferungen boomt. Zudem beflügeln Expansionspläne des MDax-Unternehmens -0,64% mit einer Übernahme in Asien die Fantasie der Investoren. Der Aktienkurs kennt seit einiger Zeit nur eine Richtung: nach oben. Das Jahr 2020 soll an die Erfolgsgeschichte anknüpfen. Was bei Delivery Hero los ist, was die Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI DELIVERY HERO:

Der Betreiber weltweiter Online-Bestellplattformen für Essen wurde 2011 gegründet und ging 2017 an die Börse. Anfangs griff noch der Start-up-Brutkasten Rocket Internet +1,42% dem Unternehmen unter die Arme, inzwischen setzt Delivery Hero auf eigenen Beinen seinen Weg fort - und das erfolgreich.

Die Branche spielt Delivery Hero in die Karten: der Trend, Essen online zu bestellen, beflügelt das Geschäft. 2019 setzte Delivery Hero 1,46 Milliarden Euro um - mehr als Analysten erwartet hatten. Doch Umsatz ist nicht alles. Obwohl das Unternehmen die Anzahl von Bestellungen stark steigern konnte, schrieb es weiterhin rote Zahlen. So lag die bereinigte Ergebnismarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) bei fast minus 30 Prozent. 2020 will das Unternehmen den Wert auf minus 18 bis minus 14 Prozent vom Umsatz verbessern. Junge Unternehmen in hart umkämpften Märkten sind in den ersten Jahren oftmals defizitär. Sie stecken viel Geld in Werbung und die Expansion, in der Hoffnung, Konkurrenten zu verdrängen.

2019 beteiligte sich Delivery Hero beispielsweise an dem indischen Konkurrenten Zomato und kaufte ihm das Geschäft in den Vereinigten arabischen Emiraten ab. Inzwischen sind rund eine halbe Million aktive Restaurants im weltweiten Delivery Hero-Netzwerk. In Deutschland selbst ist Delivery Hero nicht mehr als Essenslieferant aktiv. 2018 verkaufte das Unternehmen sein Geschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an die niederländische Konkurrentin Takeaway, die wiederum Eigentümerin von Lieferando ist und zuletzt mit dem britischen Wettbewerber Just Eat fusionierte.

Bislang gelten der Nahe Osten und Nordafrika als Wachstumsträger des Konzerns. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftete Delivery Hero in diesen Regionen, Asien trug rund 30 Prozent bei. Die Verteilungen könnten sich allerdings bald ändern. Delivery Hero übernahm im Dezember das südkoreanische Unternehmen Woowa zu rund 87 Prozent. Dadurch will sich das MDax-Unternehmen den asiatischen Markt erschließen und sein Lieferimperium ausweiten. Woowa führt mit der Marke Baedal Minjok einen der größten Online-Essenslieferservices in Südkorea und Vietnam.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die Aktie steht bei Experten hoch im Kurs. Sieben der acht von dpa-AFX seit der Ankündigung des Woowa-Kaufs erfassten Analysten empfehlen, die Wertpapiere trotz der jüngsen Rally zu kaufen. Keiner rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel lag zuletzt bei 84,55 Euro.

Die Ergebnisse des Schlussquartals 2019 entsprachen weitgehend den Erwartungen der Experten. Sherri Malek von der Bank RBC Capital blickt der weiteren Entwicklung optimistisch entgegen. Der Essenslieferdienst baue seine Position im hart umkämpften asiatischen Markt aus. Die Übernahme von Woowa, der Nummer Eins im für Delivery Hero größten Markt Südkorea, sei wegweisend für das Gewinnpotenzial. Nach Analyst Hubert Jeaneau von der Schweizer Großbank UBS gäbe das Wachstum in Asien, Marktanteilsgewinne und die Branchenkonsolidierung der Kapitalmarktstory des Essenslieferanten weiter Auftrieb.

Laut den Experten der Bank JPMorgan blickten Anleger zunehmend zuversichtlich auf das Potenzial, in Asien tatsächlich Geld zu verdienen. So lasse sich eine künftige Profitabilität der großen Anbieter in der Region mittlerweile besser erkennen.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. So hatte Analystin Silvia Cuneo von der Deutschen Bank beim Ausblick auf 2020 mehr erwartet. Allerdings habe das Management das Kalkül hinter den zusätzlichen Investitionen nachvollziehbar begründet, schränkte sie ihre Kritik ein. Analyst Christoph Bast von Bankhaus Lampe enttäuschten die Zielsetzungen für 2020. Er stufte seine Empfehlung daher sowie wegen des zuletzt stark gestiegenen Kurses von "Kaufen" auf "Halten" ab. Sein neues Ziel von 80 Euro liegt in etwa auf dem aktuellen Kursniveau. Der Markt bliebe hart umkämpft und mit dem Verkauf der deutschen Liefersparte sowie dem Zukauf von Woowa seien zwei große Kurstreiber nun vom Tisch, schrieb er.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Der Ausgabepreis beim Börsengang im Juni 2017 lag bei 25,50 Euro. Nach einer anfänglichen Berg- und Talfahrt entwickelt sich die Aktie seit Ende 2018 positiv. Nachdem im Dezember 2019 der Kauf von Woowa bekannt wurde, schnellte die Aktie noch einmal deutlich in die Höhe. Im Zuge der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2019 und des Ausblicks für das neue Jahr Mitte Februar geriet der Kurs kurzzeitig deutlich unter Druck, erholte sich aber recht schnell und setzte seinen Rekordlauf fort. Aktuell liegt die Bestmarke bei 81,62 Euro - derzeit liegt der Kurs nur knapp darunter.

Allein seit der Ankündigung des Woowa-Deals Mitte Dezember legte der Aktienkurs damit um mehr als die Hälfte zu. Seit dem Börsengang hat sich der Kurs mehr als verdreifacht. Dank des Anstiegs bringt es Delivery Hero, dessen größter Aktionär der südafrikanische Medienkonzern Naspers -0,48% mit gut 21 Prozent der Anteile ist, an der Börse mittlerweile auf einen Marktwert von 15,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Konkurrent Just Eat Takeway +1,60% bringt es auf eine Marktkapitalisierung von rund 13 Milliarden Euro.

Vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Bewertung machten zuletzt schon Spekulationen über einen möglichen Aufstieg von Delivery Hero in den deutschen Leitindex Dax die Runde. Index-Experten gaben den Spekulationen jedoch wenig Raum und erklärten, mit Blick auf die streubesitzgewichtete Marktkapitalisierung stehe Delivery Hero zwar stark da. "Beim Börsenumsatz müsste sich aber noch gewaltig was tun. Das wird so schnell nichts", sagte einer der Experten./hosmel/mis/fba/zb

Von Melanie Müller, dpa-AFX


Quelle: dpa-AFX
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