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ROUNDUP 2: Banken krisentauglich - deutsche Institute im Stresstest aber schwach

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
(neu: Einzelergebnisse deutscher und ausländischer Banken, Ergebnisse nach Ländern, Statements von EZB, Bundesbank und der Deutschen Kreditwirtschaft)

FRANKFURT/PARIS (dpa-AFX) - Europas Banken haben den bisher härtesten Krisentest der Aufseher überwiegend ohne größere Blessuren überstanden. Die Kapitalpuffer der meisten untersuchten Geldhäuser erwiesen sich auch unter widrigsten Bedingungen als ausreichend tragfähig. Die deutschen Institute schnitten im Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA allerdings in Summe eher schlecht ab und landeten im Vergleich der 15 Länder auf Platz 13.

Durchfallen konnten Banken bei den parallelen Stresstests der European Banking Authority (EBA/Paris) und der Europäischen Zentralbank (EZB/Frankfurt) im Grunde nicht. Allerdings wurde bei der schon länger kriselnden italienischen Monte dei Paschi +0,23% in der simulierten Krise der komplette Kapitalpuffer aufgezehrt. Die Deutsche Bank -0,27% zählte zu den schwächsten Instituten im Stresstest.

Die Aufseher hatten Banken auf Basis ihrer Bilanz des Jahres 2020 durchrechnen lassen, wie stark Kapitalpuffer bis Ende 2023 schrumpfen würden, wenn Pandemie und Wirtschaftsflaute sich zuspitzen würden mit einem kumulierten Einbruch der EU-Wirtschaft um 3,6 Prozent. Zusätzlich wurde ein ganzes Bündel ungünstiger Entwicklungen angenommen: steigende Arbeitslosenquote, Einbruch der Immobilienpreise, sinkende Auslandsnachfrage, fallende Marktzinsen.

In diesem Krisenszenario würde der Bankensektor in der Europäischen Union nach EBA-Berechnungen in Summe 265 Milliarden Euro an Kapital einbüßen. Die harte Kernkapitalquote als Puffer für Rückschläge würde von 15,0 Prozent Ende 2020 auf 10,2 Prozent Ende 2023 sinken.

Dem EBA-Test mussten sich 50 Banken aus 15 europäischen Ländern stellen. 38 dieser Institute sind Banken aus dem Euroraum und fallen somit unter EZB-Aufsicht. Parallel zu dem EBA-Test nahm die EZB weitere 51 direkt von ihr beaufsichtigte Euro-Banken unter die Lupe.

Insgesamt 16 deutsche Institute waren in den parallelen Tests von EBA und EZB dabei, 7 davon im EBA-Test. Am härtesten traf das EBA-Stressszenario die Deutsche Bank, deren Kapitalpuffer auf 7,4 Prozent zusammenschmolz. Die Commerzbank +0,20% kam auf 8,2 Prozent. Bestes deutsches Institut im EBA-Test war die Volkswagen +0,20% Bank, die auch im schärfsten Stressszenario noch 15,48 Kernkapitalquote aufwies. Die DZ Bank landete mit 10,21 Prozent genau im europäischen Durchschnitt. Außerdem untersuchte die EBA die drei Landesbanken BayernLB, Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

In Summe landeten die sieben deutschen Banken im EBA-Test unter dem Durchschnitt und im Ländervergleich mit einer Kernkapitalquote von durchschnittlich 8,78 Prozent knapp vor Italien (8,60 Prozent) und Schlusslicht Irland (8,44 Prozent).

"Wegen der hohen Exporte der deutschen Volkswirtschaft und der starken Abhängigkeit deutscher Banken vom Zinsgeschäft ist der Kapitalverzehr bei den deutschen Banken leicht höher als im EU-Durchschnitt", erklärte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. "Das ist kein Grund zur Beunruhigung und auch keine Schwäche, sondern spiegelt nur die höhere Verwundbarkeit der deutschen Volkswirtschaft in einer weltweiten Rezession wider."

Den besten Wert erzielte Norwegen (17,08 Prozent), wobei aus dem Nicht-EU-Staat nur eine Bank von der EBA getestet wurde. Unter den EU-Staaten führen die schwedischen Banken mit einer durchschnittlichen Kernkapitalquote von 16,12 Prozent die Liste an. Am besten schnitt die niederländische Förderbank Nederlandse Waterschapsbank mit einer Quote von 37,83 Prozent ab.

Insgesamt bescheinigten Europas Bankenaufseher den Instituten Solidität. "Die Resultate zeigen, dass das Bankensystem im Euroraum widerstandsfähig gegenüber ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklungen ist", fasste die EZB-Bankenaufsicht zusammen.

Banken, die im hypothetischen Krisenszenario schlechter abgeschnitten haben, müssen allerdings damit rechnen, dass ihnen die Aufseher auftragen, ihre Kapitalpuffer zu verstärken, um sich besser für mögliche Rückschläge zu wappnen. Auf die Bremse treten könnten die Aufseher bei solchen Häusern bei der Ausschüttung von Dividenden.

Eigentlich sollte die neue Auflage des europäischen Bankenstresstests schon 2020 durchgeführt werden. Doch um den Instituten mitten in der Pandemie nicht noch weitere Aufgaben aufzubürden, verschob die EBA die Prüfung um ein Jahr.

Seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 überprüfen Aufseher rund um den Globus mit solchen Stresstests regelmäßig, wie anfällig Banken im Krisenfall wären. Unumstritten sind solche Tests und die Ableitungen daraus nicht, denn welche Risiken in den hypothetischen Szenarien wie stark gewichtet werden, liegt letztlich in der Hand der Aufseher.

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) als Dachverband der fünf großen Bankenverbände in Deutschland mahnte: "Aus Bankensicht sollte der Stresstest vor allem Gegenstand bilateraler Gespräche zwischen Banken und Aufsichtsteams sein. Denn die teils pauschalen Ansätze verringern Transparenz und Aussagekraft der Ergebnisse."/ben/stw/DP/he


Quelle: dpa-AFX
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