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Lufthansa: Immer mehr Luxus – Antrieb für die Aktie?

Lufthansa: Immer mehr Luxus – Antrieb für die Aktie?

30.11.2025 09:00:00 | Quelle: Der Aktionär | Lesedauer etwa 5 min.

Das Massengeschäft der Lufthansa Group leidet nach wie vor unter hohen Kosten, die Kern-Airline macht Verluste. Eine Umstrukturierung im Konzern soll helfen, die Lufthansa wieder in die Gewinnzone zu führen. Dabei baut der Kranich auch sein Angebot für die gehobene Kundschaft aus. Für Top-Kunden wird es immer luxuriöser. DER AKTIONÄR gibt Einblicke. 

Die Bundesregierung hat mit dem Entlastungspaket rund um Luftverkehrsgebühren ein Signal gesetzt für
eine bessere Verbindungsqualität in Deutschland und Europa, sagte der Chef der Lufthansa-Airline, Jens Ritter, am Freitag. Die Lufthansa will daher im kommenden Sommer keine weiteren innerdeutschen Strecken streichen. 

Ritter nannte als Beispiel die Strecke München-Münster, die im Sommerflugplan erhalten bleibe. Auch für Dresden sehe es gut aus, wie auch für das Angebot in Bremen und Hannover. Im Lufthansa-Konzern planen die Gesellschaften Eurowings und Austrian nun zusätzliche Flüge von deutschen Flughäfen. 

Zuvor hatten Fluggesellschaften wie auch Branchenverbände über zu hohe Kostenbelastungen in Deutschland durch staatlich verursachte Gebühren und Steuern geklagt. Die Bundesregierung hat auch wegen der im europäischen Vergleich schwachen Verkehrsentwicklung hierzulande eine Entlastung der Branche um rund 350 Millionen Euro beschlossen. 

Bei der Lufthansa-Kernmarke als größter Airline im Konzern kommt das Sanierungsprogramm "Turnaround" nach Ritters Angaben planmäßig voran. Man erreiche im laufenden Jahr sämtliche Ziele und sei "auf dem Weg in die schwarzen Zahlen". Im ersten Halbjahr 2025 entfielen nach Konzernzahlen noch 274 Millionen Euro von 307 Euro Millionen Euro Verlust bei Lufthansa Airlines auf Lufthansa Classic. 

Mit den endlich eintreffenden neuen Flugzeugen könne nun auch der Fokus auf eine höhere Profitabilität gelegt werden. Diese werden dann für die gehobene Kundschaft auch luxuriöser ausgestattet als frühere Modelle. 

Große Hoffnungen setzt die Airline auf die neue Kabinenausstattung "Allegris" auf der Langstrecke sowie auf Service-Aufwertungen in allen Buchungsklassen (First Class Foto oben). Lufthansa will die Flüge vor allem Geschäftsreisenden schmackhaft machen. Diese sind nach Corona immer noch nicht in genügend großer Zahl zurück gekehrt. 

Insbesondere im Interkont-Verkehr wird es höherwertige Ausstattungen geben. Ab Februar 2026 erhalten auch die eigentlich schon ausgemusterten Großraumflugzeuge vom Typ A380 neue Kabineneinrichtungen. "Wir wollen die Premium-Airline Nummer Eins in Europa werden", sagte Ritter. Im kommenden Jahr feiert das Unternehmen seinen 100. Jahrestag der Gründung bzw. seiner Vorgängerin. 

Auch mit einem deutlich verbesserten kulinarischen Angebot will die Lufthansa das Borderlebnis (auf der Langstrecke) auf ein neues Level heben. In der First Class werde es "moderne, leichte Fine-Dining-Momente" geben, eine "kuratierte Abfolge von kleineren Gängen, Trilogien beispielsweise vom Amuse-Bouche oder der Vorspeise oder dem Dessert", so Heiko Reitz, CCO von Lufthansa, bei einer Presseveranstaltung am Donnerstag. 

In der Business Class werden Menüs von Koch Johann Lafer (Foto), die es schon auf der Kurz- und Mittelstrecke gibt und die dort laut Reitz ein großer Erfolg sind, auch auf der Langstrecke Einzug halten. Zudem werde die Premium Economy näher an die Business Class heranrücken, versprach Reitz. 

Geschäftsreise-Anbieter BCD Travel blickt derweil nur mit verhaltenem Optimismus auf das Geschäftsreisejahr 2026. Das Unternehmen erwartet das schwächste globale Wachstum seit der Finanzkrise 2009. Die Weltwirtschaft könnte nach Einschätzung der Analysten nur um 2,6 Prozent zulegen. Auch die Inflation bleibt mit über drei Prozent hoch und verliert nur langsam an Dynamik. Die Flugpreise werden weiter steigen, viele Branchen bleiben aber auf Geschäftsreisen angewiesen. 

In den vergangenen Monaten hat die Lufthansa an vielen Flughäfen bei unterschiedlichen Lounges mit Renovierungen und Umbauten begonnen. Der Zutritt zu den Aufenthaltsräumlichkeiten für Geschäftsreisende war und ist zeitweise eingeschränkt. Die Lounge in Washington bleibt sogar noch bis Ende 2026 geschlossen. Auch am Frankfurter Flughafen war dies der Fall. So musste die Senator Lounge im Sommer mehrmals schließen. Wie die größte deutsche Airline auf ihrer Website mitteilte, waren auch mehrere Business-Lounges in Frankfurt zeitweilig nur eingeschränkt nutzbar. 

Die Lufthansa Business-Lounge am Gate A13 (Foto) steht Statuskunden sowie Business Class Gästen nun wieder zur
Verfügung. "Nach einer kurzen Renovierungsphase integriert sich die
Lounge in das umfassende Serviceangebot und bietet vielfältige
Möglichkeiten zur Erholung, Arbeit und Vorbereitung auf den Flug", heißt es in einer Lufthansa-Mitteilung. 

Die Lufthansa Group hat vor wenigen Tagen ihren umfassend modernisierte Premium Check-in Bereich im Terminal 1, Halle A am Frankfurter Flughafen eröffnet – ein Meilenstein der Zusammenarbeit zwischen Lufthansa und Fraport. Der elegante Bereich bietet First Class Gästen, HON Circle Mitgliedern, Senator- sowie Star Alliance Gold Status-Kunden ein spürbar neues Niveau an Komfort und Effizienz. 

Zu den Highlights des neuen Premium Check-in zählt ein großzügig gestalteter Bereich mit Umkleidekabinen. Er ermöglicht einen schnellen Outfit-Wechsel oder ein bequemes Umpacken vor dem Abflug. Des Weiteren gibt es einen separaten Zugang direkt vom Parkplatz P31, der sich direkt neben dem Terminal befindet. 

Mitarbeitende von Lufthansa stehen an den neuen Servicebars bereit, um auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Zusätzlich unterstützen Mitarbeitende an den exklusiven Gepäckautomaten (folgendes Foto) bei der reibungslosen und komfortablen Gepäckabgabe. 

Die Lufthansa will mit den neuen Ausstattungen nicht etwa Economy-Kunden neidisch machen. Auch in den unteren Klassen wird es Service- und Qualitäts-Verbesserungen geben. Doch im höherpreisigen Segment der Viel- und Business-Flieger kann die Fluggesellschaft einfach höhere Margen erwirtschaften. Daher dürften sich die Investitionen über kurz oder lang auch in den Geschäftszahlen positiv auswirken. 

Zuletzt zeigte die Lufthansa-Aktie bereits deutliche Erholungs-Tendenzen. Am Freitag ging der MDAX-Wert im Xetra-Handel bei 8,27 Euro ins Wochenende – 1,2 Prozent höher als am Vortag. Im Late-Handel sorgten dann Problem-Meldungen von Airbus (DER AKTIONÄR berichtete) für einen kleinen Kursrückgang auf 8,18 Euro. 

Charttechnisch hat sich das Bild für die Lufthansa-Aktie zuletzt deutlich aufgehellt. Wird demnächst auch noch die Widerstandszone bei 8,40 Euro überwunden, liegt die nächste kleine Charthürde bei 8,58 Euro. Darüberhinaus locken die Kurshöhen von März 2023 bei 11 Euro. Der GD200 zeigt eine schöne Untertassen-Formation – ein erkennbarer Turnaround. 

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