PARIS/LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX) - Europas Aktienmärkte haben am Freitag zugelegt. Der EuroStoxx 50 zog am Mittag um 0,38 Prozent auf 5.955.72 Punkte an und lag damit auf Rekordkurs.
Außerhalb des Euroraums ging es ebenfalls nach oben. Der britische Leitindex FTSE 100 kletterte um 0,34 Prozent auf 10.079,13 Zähler. Der Schweizer SMI gewann 0,2 Prozent auf 13.377,01 Punkte.
Mit der soliden Entwicklung in der ersten Handelswoche des neuen Jahres haben sich die Märkte weder von der Militärintervention der USA in Venezuela noch den Unruhen im Iran aus dem Takt bringen lassen. "Das liegt daran, dass die neue Geoökonomie nicht nur Risiken mit sich bringt, sondern auch wirtschaftliche Dynamik entfacht", merkte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dazu an. "Das reicht von den staatlichen Rüstungs- und Infrastrukturprogrammen bis hin zum neuen weltweiten Technologiewettlauf um die beste KI."
Auch der monatliche US-Arbeitsmarktbericht am Nachmittag bereitete den Anlegern offensichtlich kein Kopfzerbrechen. "Die Arbeitsmarktdaten der letzten beiden Tage deuten auf nichts hin, worüber man sich wirklich Sorgen machen müsste", so Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank.
Stärkster Sektor waren die Technologiewerte. ASML kletterten um 4,9 Prozent. Gute Vorgaben aus Fernost stützten. Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC ) hatte mit seinem Umsatz die Erwartungen übertroffen. Dies untermauerte Hoffnungen auf anhaltende Investitionen in Künstliche Intelligenz und dämpfte die Sorgen vor einer Bewertungsblase in diesem Bereich.
Gefragt waren auch L'Oreal . Die Aktie zog um 4,7 Prozent an und reagierte damit auf eine Hochstufung auf "Buy" durch die UBS. Erstmals seit mehr als zwei Jahren dürfte der Anlagehintergrund für den Kosmetikhersteller von einer seltenen Kombination günstiger Faktoren profitieren, schrieb Guillaume Delmas in seiner am Freitag vorliegenden Neubewertung. Analystin Celine Pannuti von JPMorgan äußerte sich ebenfalls positiv. Sie rechnet mit Blick auf die anstehenden Jahreszahlen, dass das Geschäft zum Jahresende an Schwung gewonnen hat. Die Gewinne zogen den Sektor der Konsumgüter und die darin enthaltenen Luxuswerte nach oben.
Im Rohstoffsektor standen die wieder aufgenommenen Fusionsgespräche von Rio Tinto und Glencore im Mittelpunkt. Glencore sprach am Donnerstagabend von vorläufigen Gesprächen mit dem Rivalen und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times" ("FT"). Ein Deal könnte den weltgrößten Rohstoffkonzern mit einem Unternehmenswert inklusive Schulden von mehr als 260 Milliarden US-Dollar schaffen. Die Aktien reagierten gegenläufig. Während Glencore um 8,5 Prozent anzogen, sanken Rio Tinto um 1,6 Prozent.
Im ansonsten schwächelnden Bankensektor waren BNP Paribas gefragt. Die US-Bank JPMorgan hatte die Aktie von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 89 auf 102 Euro angehoben. Die Kapitalsorgen ließen nach, während sich die Profitabilität verbessere, hieß es in der Studie.
Am Ende des Feldes lagen die Versicherer. Dabei litten Swiss Re unter einer Kurszielsenkung von Morgan Stanley mit bekräftigter "Underweight"-Einstufung./mf/mis