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ROUNDUP 2: Gold und Silber auf Rekordhoch - Sorge um Unabhängigkeit der Fed

ROUNDUP 2: Gold und Silber auf Rekordhoch - Sorge um Unabhängigkeit der Fed

12.1.2026 14:31:45 | Quelle: dpa | Lesedauer etwa 3 min.

(neu: Rekordstände und Einschätzungen von Analysten.)

LONDON (dpa-AFX) - Zunehmende Sorgen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed und die angespannte Lage im Iran haben die Preise für Edelmetalle am Montag auf weitere Rekordstände getrieben. Am frühen Nachmittag wurde eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) an der Metallbörse in London bei 4.620 US-Dollar gehandelt und damit so hoch wie noch nie. Zeitgleich erreichte der Preis für Silber ein Rekordhoch bei 85,71 Dollar je Unze.

Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Chef der US-Notenbank Jerome Powell spitzt sich zu, was an den Märkten die Sorge um die Zukunft der Fed als unabhängige Notenbank schürte. Nachdem das US-Justizministerium dem Notenbankchef mit einer Anklage gedroht hatte, wies Powell die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn als Versuch der Einflussnahme auf die Arbeit der Federal Reserve (Fed) zurück.

Der Vorwurf an die Adresse des Notenbankchefs: Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjährigen Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben. Der Fed-Chef sieht darin allerdings nur einen Vorwand: "Es geht darum, ob die Fed die Zinssätze weiterhin auf Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Gegebenheiten festlegen kann - oder ob die Geldpolitik stattdessen von politischem Druck oder Einschüchterung bestimmt wird", erklärte Powell.

"Im Kern geht es um nichts Geringeres als die Unabhängigkeit der US-Geldpolitik", kommentierte Maximilian Wienke, Marktanalyst beim Handelshaus eToro. Es stelle sich die Frage, ob die Fed weiterhin unabhängig und datenbasiert auf Inflation, Arbeitsmarkt und Konjunktur reagieren könne.

Händler erklärten den Preisschub bei den Edelmetallen zudem mit der angespannten Lage im Iran. Die damit verbundenen geopolitischen Risiken beunruhigen die Finanzmärkte zusätzlich. Die Staatsführung in Teheran hat den Internetzugang für die Menschen fast vollständig gesperrt. Mit der Maßnahme soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste so unterdrückt werden.

Edelmetalle - allen voran Gold - gelten bei vielen Investoren als sichere Häfen in Zeiten politischer Unsicherheiten. Silber ist zudem ein wichtiges Industriemetall, das für zahlreiche Anwendungen rund um KI, Robotik und Energie benötigt wird.

Mit dem Anstieg vom Montag hat Gold sein Kursplus in diesem Jahr auf mehr als sieben Prozent ausgebaut. Das gelbe Edelmetall war im vergangenen Jahr eine der gefragtesten Anlageklassen. Der Preis war um 65 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit 1979 nicht mehr.

Bei Silber war das Jahresplus 2025 mit fast 150 Prozent noch deutlich höher. Am Montag verteuerte sich der Preis für eine Unze Silber um weitere fast sieben Prozent. Während der Preis für Gold seit etwa einem halben Jahr kontinuierlich gestiegen ist, hat der Höhenflug beim Silber seit Anfang Dezember deutlich an Tempo gewonnen.

Mit Blick auf die weitere Preisentwicklung sagte Analyst Carsten Menke von der Schweizer Bank Julius Bär: "Wir sehen verstärkte Einmischungen in die US-Notenbank als einen wichtigen Faktor für die Edelmetallpreise im Jahr 2026". Dabei dürfte der Silbermarkt "wahrscheinlich stärker" reagieren./jkr/zb/men