BRÜSSEL (dpa-AFX) - Im Rahmen ihrer vertieften Kooperation mit Ägypten zahlt die EU-Kommission eine Milliarde Euro an das nordafrikanische Land. Das Geld soll Ägypten unter anderem bei der Bewältigung wirtschaftlicher Probleme helfen, wie die EU-Kommission mitteilt.
Es ist demnach die erste von drei Zahlungen im Rahmen eines Darlehns von insgesamt vier Milliarden Euro. Kairo hat laut Vereinbarung 35 Jahre Zeit, das Geld zurückzuzahlen. Bis Ende 2027 sind Ägypten durch verschiedene kurz- und langfristige Instrumente Finanzhilfen in Höhe von rund 7,4 Milliarden Euro zugesagt.
Das von der EU zur Verfügung gestellte Geld ist an Auflagen geknüpft. Laut Europäischer Kommission habe das nordafrikanische Land alle notwendigen wirtschaftspolitischen Auflagen erfüllt sowie "konkrete und glaubwürdige" Schritte zur Stärkung der Demokratie unternommen. Dazu gehörten die Gewährleistung eines parlamentarischen Mehrparteiensystems sowie die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenrechte.
Viele Flüchtlinge in Ägypten wollen in die EU
Die Kredite sind Teil einer strategischen Partnerschaft, die die EU im März 2024 mit Ägypten geschlossen hatte. Angesichts damals steigender Flüchtlingszahlen wollte man die Zusammenarbeit mit dem Land erheblich ausbauen.
Ägypten beherbergt nach Angaben der Vereinten Nationen derzeit etwa eine Million Flüchtlinge aus Krisenländern, die teilweise versuchen, über das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Zudem kommen in Europa auch immer wieder Ägypter an, die ihre Heimat auf der Suche nach einer besseren wirtschaftlichen Perspektive verlassen.
Menschenrechtler kritisieren Kooperation
Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex registrierte nach eigenen Angaben 2025 neben Menschen mit einer bangladeschischen oder afghanischen Staatsangehörigkeit besonders Ägypter bei irregulären Grenzübertritten in die EU.
Menschenrechtler hatten die Zusammenarbeit der EU mit Ägypten in der Vergangenheit verurteilt. Die Unterdrückung kritischer Stimmen unter dem ägyptischen Präsident Abdel Fattah al-Sisi halte an - daran ändere auch die Kooperation mit Brüssel kaum etwas, hatten Human Rights Watch und andere Organisationen kritisiert./tre/DP/mis