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BERLIN (dpa-AFX) - Die Pflege im Heim wird immer teurer und teurer. Im ersten Jahr in der Einrichtung müssen Pflegebedürftige im bundesweiten Schnitt nun 3.245 Euro im Monat aus eigener Tasche zahlen, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen mit Stand zum 1. Januar ergab. Das waren monatlich 137 Euro mehr als zum 1. Juli 2025 und 261 Euro mehr als Anfang vergangenen Jahres. Patientenvertreter und Kassen forderten die schwarz-rote Koalition auf, mit einer angekündigten Reform Pflegebedürftige endlich insgesamt zu entlasten.
In den Summen ist zum einen ein Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn von den Kosten trägt die Pflegeversicherung
- anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil. Für
Bewohnerinnen und Bewohner im Heim kommen dann auch noch Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie für Investitionen in den Einrichtungen und Umlagen für Ausbildungskosten hinzu.
Große Unterschiede in den Ländern
Regional gibt es große Unterschiede. Im Ländervergleich am teuersten war die Pflege im ersten Jahr im Heim zum 1. Januar in Bremen mit durchschnittlich 3.637 Euro im Monat und im Saarland mit 3.601 Euro. Am niedrigsten war die monatliche Belastung im ersten Jahr im Heim in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro.
Kostentreiber sind vor allem die Personalausgaben für dringend benötigte Pflegekräfte. Seit 2022 können Heime nur noch Verträge mit den Pflegekassen schließen, wenn sie nach Tarif oder ähnlich bezahlen. Und das schlägt dann auf den Eigenanteil für die reine Pflege durch: Der Ausgangswert für die konkrete Zahlung der Pflegebedürftigen in den Heimen dafür stieg jetzt im Bundesschnitt auf 1.982 Euro im Monat, das waren 222 Euro mehr als Anfang 2025.
Schon Milliarden-Zuschläge für Entlastungen
Teurer geworden sind aber auch Unterkunft und Verpflegung. Fällig werden nun im Schnitt 1.046 Euro im Monat und damit 56 Euro mehr als zum 1. Januar 2025. Ausgewertet wurden Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Ländern, wie der Ersatzkassenverband erläuterte. Ihm gehören etwa die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit an.
Um Mehrkosten abzumildern, bekommen Pflegebedürftige seit 2022 von der Pflegekasse auch Entlastungszuschläge je nach ihrer Aufenthaltsdauer im Heim. Damit wird der Eigenanteil nur für die reine Pflege gedrückt - im ersten Jahr um 15 Prozent, im zweiten um 30 Prozent, im dritten um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent. Aber auch mit dem höchsten Zuschlag stieg die Gesamtbelastung nun im Schnitt auf 2.056 Euro im Monat. Die Pflegekassen kosteten die Zuschläge zuletzt schon mehr als sechs Milliarden Euro im Jahr.
Koalition plant große Pflegereform
Die Vorstandschefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, mahnte eine nachhaltige Finanzierung der Pflege an, die auch Pflegebedürftige in Heimen deutlich entlaste. "Es ist richtig, dass das Pflegepersonal gut bezahlt wird." Es könne aber nicht sein, dass Lohnsteigerungen weiter zum großen Teil den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden. Es brauche eine "solidarische Lösung".
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will in den nächsten Monaten eine Reform angehen, die auch die Beiträge stabilisieren soll. In diesem Jahr schießt der Bund nochmals 3,2 Milliarden Euro als Darlehen zu. Über diverse Vorschläge wird schon seit längerem diskutiert - von mehr Steuergeld über Limits für die Eigenanteile bis zum Umbau zu einer Vollversicherung, die alle Pflegekosten trägt. Im Blick steht auch Vorbeugung, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.
Deckel für die Eigenanteile?
Der Sozialverband Deutschland mahnte, Entlastungszuschläge reichten nicht, wenn die Gesamtkosten weiter steigen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte, die reinen Pflegekosten auf 1.000 Euro zu deckeln und Ausbildungs- und Investitionskosten von den Abrechnungen zu nehmen. "Für Unterbringung, Verpflegung und überdurchschnittlichen Komfort sollte weiterhin jeder selbst zahlen", sagte Vorstand Eugen Brysch. BSW-Chef Fabio De Masi nannte die Eigenanteile "pervers" und forderte auch einen Kostendeckel von 1.000 Euro.
Linke-Fachpolitikerin Evelyn Schötz kritisierte: "Selbst ein lebenslang geführtes Sparbuch ist bei den jetzigen Zuzahlungen schnell leer geräumt." Private Altenpflege-Anbieter verlangten, zur langfristigen Kostensenkung mehr Effizienz zuzulassen - etwa mit einem flexibleren Personaleinsatz, wie der Arbeitgeberverband Pflege mitteilte. Die Verbraucherzentralen erklärten, private Pflegezusatzversicherungen lösten das Problem bislang nicht.
Kanzler noch unzufrieden
Eine zur Vorbereitung der Reform eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe hatte im Dezember ein Papier präsentiert, das Optionen für Maßnahmen bei Einnahmen und Ausgaben mit den finanziellen Auswirkungen aufführt. Kanzler Friedrich Merz (CDU) ließ direkt durchblicken, dass er mit dem ersten Ergebnis noch unzufrieden ist. Im Blick steht neben rund 710.000 Pflegebedürftigen in Heimen dabei auch die Mehrzahl von 4,8 Millionen Pflegebedürftigen daheim./sam/DP/mis