BERLIN (dpa-AFX) - AP-Chefredakteurin Julie Pace sieht die Pressefreiheit in den USA in Gefahr. "Ich sehe das im Kontext der 100 Länder, in denen die AP arbeitet", sagte Pace in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. "An vielen Orten ist die Pressefreiheit durch die Regierung nicht garantiert, die Presse wird überwacht und von Regierungen unter Druck gesetzt. Wir müssen ehrlich sagen, dass wir einige genau dieser Taktiken auch in den Vereinigten Staaten sehen. Das macht Sorge."
US-Präsident Donald Trump hat seit Beginn seiner zweiten Amtszeit mehrere große Medien auf Milliardensummen verklagt, darunter die "New York Times" und das "Wall Street Journal". Für die Associated Press, eine der größten Nachrichtenagenturen der Welt, schränkte das Weiße Haus die Arbeitsmöglichkeiten ein. Der Grund: Die AP nennt den Golf von Mexiko weiter mit dieser Bezeichnung und nicht mit dem von Trump eigenmächtig gewählten Namen Golf von Amerika. Gegen die Beschränkungen ihrer Arbeit hat AP geklagt.
Klage geht durch die Instanzen
Man warte auf die Entscheidung im Berufungsverfahren, sagte Pace der dpa bei einem Besuch in Berlin. Je nach Ausgang könnte entweder AP oder die Regierung in die nächste Instanz gehen. "Wir finden, es lohnt sich, das Prinzip vor Gericht durchzusetzen", sagte Pace. Es könne gut sein, dass der Fall vor dem Obersten Gericht der USA lande. Der Zugang für schreibende AP-Reporter sei weiter beschränkt, nur Fotografen seien regelmäßig im sogenannten Pool, einer Gruppe Korrespondenten, die den Präsidenten fast immer begleitet.
Das Weiße Haus versuche, mehr freundlich gesinnte Medien im Pool zuzulassen. "Am Ende verliert die Öffentlichkeit, wenn keine harten Fragen mehr gestellt werden", sagte Pace. Allerdings gebe es einen Vorteil, nicht mehr ständig mit dem Präsidenten unterwegs zu sein: Man habe mehr Zeit für tiefere Recherchen. "Wir drehen jedenfalls nicht Däumchen und warten darauf, hereingelassen zu werden", sagte die 43-Jährige, die selbst Korrespondentin im Weißen Haus war und 2021 AP-Chefredakteurin wurde.
Probleme mit den KI-Bots
Dass Trump Journalisten als "Feinde des Volks" bezeichnet hat und viele Bürger dies auch annehmen, schmerzt die Journalistin nach eigenen Worten. "Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich fundamental daran glaube, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf korrekte Informationen hat", sagte sie. "Wenn jemand sagt: Du bist ein Feind des Volks, dann stellt das meine Überzeugungen auf den Kopf."
Probleme sieht sie für Nachrichtenmedien auch, weil deren faktenbasierten Inhalte bei Suchmaschinen und KI-Chatbots nicht unbedingt ganz oben auftauchen. "Wir können so viel sachlichen, richtigen, transparenten Journalismus anbieten, wie wir wollen - wenn die Auslieferung an die Menschen das nicht oben anzeigt, dann ist das eine Herausforderung. Das gehört zu den Dingen, die mir Sorgen machen."
Optimismus schöpft sie jedoch nach eigenen Angaben aus der Tatsache, dass viele Menschen auf der Suche nach verlässlichen Fakten seien. "Es gibt Leute, die Information konsumieren. Ist doch so, oder? Wir müssen nur sicherstellen, dass wir Inhalte auf den Wegen liefern, die sie dafür nutzen."/vsr/DP/jha