BERLIN (dpa-AFX) - Vizekanzler Lars Klingbeil führt die vorläufige Entschärfung des Grönland-Konflikts mit der US-Regierung auch darauf zurück, dass die Europäer nicht unter dem Druck von Präsident Donald Trump eingeknickt seien. "Der Druck, der in den USA entstanden ist und der Druck, der von Europa kam, das alles hat dazu geführt, dass Präsident Trump jetzt auch ein bisschen den Rückzug begonnen hat", sagte der SPD-Vorsitzende im "Berlin Playbook Podcast" des Nachrichtenmagazins "Politico". Andere Stimmen hingegen sprechen von einem Patt oder sehen Trump gar als Sieger des Konflikts, da er mit seinem radikalen Kurs schon jetzt Zugeständnisse an die USA erzwungen habe, die vorher undenkbar gewesen wären.
Zugleich warnte Klingbeil davor, zu früh aufzuatmen. "Wer jetzt meint in Europa, dass man sich zufrieden zurücklehnt und sagt, es ist ja alles noch einmal gut gegangen, der hat nicht verstanden, worum es gerade geht", sagte der Finanzminister. Die Europäer müssten das - vor Trumps Amtsantritt traditionell enge - Verhältnis zu den USA schützen und dabei zweigleisig fahren, mahnte er. "Das eine ist, wir müssen die Hand jederzeit ausgestreckt halten. Und wir dürfen von unserer Seite das transatlantische Verhältnis nie kaputt machen, nicht gefährden."
Sechsergruppe um Deutschland soll EU anführen
Darüber hinaus forderte Klingbeil mehr Geschlossenheit und Tempo bei Reformen auf EU-Ebene. Um sich enger mit seinen Kollegen aus führenden Ländern abzustimmen, habe er die Finanzminister aus Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Italien und Polen zu einer Videokonferenz in der kommenden Woche eingeladen. "Wir sechs müssen jetzt vorangehen", sagte er. Ziel sei es, bei Wettbewerbsfähigkeit, Rohstoffen, Verteidigungsfinanzierung und der Bevorzugung europäischer Anbieter in öffentlichen Vergabeverfahren schneller voranzukommen./mk/DP/jha