Der Silberpreis steuert auf die runde, magische Marke von 100 Dollar je Unze zu, durchbricht im frühen Handel erstmals die 99 Dollar. Doch einigen Analysten geht das Ganze zu schnell. Sie warnen davor, dass es einen Rücksetzer geben könnte. Roukaya Ibrahim, Chefstrategin bei BCA Research, rät davon ab, dem Markt auf dem aktuellen Niveau hinterherzulaufen. Die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Korrektur sei spürbar gestiegen.
Allein im ersten Monat des neuen Jahres legte Silber um 31 Prozent zu, nachdem der Preis bereits 2025 um nahezu 150 Prozent gestiegen war. Treiber der Rally ist ein Zusammenspiel aus hoher Investmentnachfrage, robuster industrieller Verwendung und knapper physischer Verfügbarkeit. Ibrahim betont jedoch, dass die jüngste Dynamik zunehmend spekulativen Charakter angenommen habe und fundamental nur schwer zu rechtfertigen sei. Der Markt zeige klare Anzeichen von FOMO-getriebenen Käufen.Zwar bleiben das makroökonomische und geopolitische Umfeld mittelfristig unterstützend für Edelmetalle, doch vieles davon sei inzwischen eingepreist. Die Inflation habe sich zuletzt nicht weiter beschleunigt, und auch der US-Dollar scheine sich auf niedrigerem Niveau zu stabilisieren. Zudem relativiert Ibrahim Befürchtungen über chinesische Exportbeschränkungen: An der Silber-Exportpolitik habe sich faktisch nichts geändert, Lizenzpflichten seien lediglich verlängert worden.Für Unsicherheit sorgen weiterhin mögliche US-Zölle, die Marktverwerfungen verlängern könnten. Das größte Risiko sieht Ibrahim jedoch auf der Nachfrageseite. Hohe Preise zwingen Industrieunternehmen zunehmend dazu, Silber einzusparen oder zu substituieren. So haben mehrere große chinesische Solarhersteller angekündigt, künftig verstärkt auf Basismetalle zu setzen.Auch technisch wirkt der Markt überhitzt: Der Abstand des Silberpreises zur 200-Tage-Linie nähert sich historischen Extremwerten, die in der Vergangenheit häufig Korrekturen vorausgingen. Entsprechend bleibt BCA Research vorsichtig bei Silber, bevorzugt weiterhin Gold. Das Edelmetall biete das attraktivste Risiko-Ertrags-Profil und profitiere zusätzlich von anhaltenden Käufen der Zentralbanken in den Schwellenländern.