Das gab es noch nie: Gold und Silber hatten am Freitag historische Kursverluste verbucht. So rutschte der Goldpreis zeitweise auf knapp unter 4.700 US-Dollar ab. Zuletzt lag er wieder etwa 60 Dollar darüber. Beim Silber fiel die Bewegung deutlich stärker aus. Eine Feinunze kostete zuletzt gut 74 Dollar und notierte zeitweise sogar darunter.
Noch am Donnerstag hatte Silber mit 121,65 Dollar ein Rekordhoch erreicht. Auslöser der harschen Korrektur war der Vorschlag von US-Präsident Donald Trump: Er brachte den früheren Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger für Notenbankchef Jerome Powell ins Gespräch. Das schürt Zweifel, ob es tatsächlich zu einer deutlichen Lockerung der Geldpolitik kommen wird. Zinssenkungserwartungen hatten zuletzt die Edelmetallpreise gestützt. Warsh galt lange als geldpolitischer Falke und befürwortete eher höhere Zinsen. Zuletzt kritisierte er jedoch ebenfalls das aktuelle Zinsniveau. Stattdessen plädiert er für einen stärkeren Abbau der Anleihebestände der Fed. Das könnte den Märkten Liquidität entziehen und Edelmetalle zusätzlich belasten.
Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen ordnete die mögliche Nominierung von Warsh nüchtern ein: "Der US-Präsident hat hinreichend klargemacht, dass er deutlich niedrigere Zinsen sehen will. Davon wird er wohl kaum schnell ablassen." Sie bleibt bezüglich der weiteren Goldpreisentwicklung gelassen: "Das spricht dafür, dass der Goldpreis grundsätzlich gut unterstützt bleiben wird. Das Ausmaß der Korrektur legt auch nahe, dass Marktteilnehmer nach dem rapiden Preisanstieg nur auf eine Gelegenheit für Gewinnmitnahmen gewartet haben."