Der nächste Schock. Amazon lag schon im regulären Handel, der von Verkäufen bestimmt war, 4,4 Prozent im Minus. Nachbörslich beschleunigt sich der Abverkauf: zeitweise rund acht Prozent tiefer. Kurs zuletzt bei 204,88 Dollar. Der Auslöser für den späten Kursrutsch ist – wie gestern bei Alphabet – der Ausblick.Amazon kündigt für 2026 Investitionen von rund 200 Milliarden Dollar an – vor allem für Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur. Zum Vergleich: 2025 lagen die Sachinvestitionen noch bei etwa 130 Milliarden Dollar. Der Markt hatte für 2026 eher mit rund 150 Milliarden gerechnet.Die KI-Wette kostet. Amazon stellt für das laufende Quartal ein operatives Ergebnis von 16,5 bis 21,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Analysten lagen im Schnitt darüber.Dabei waren die Zahlen für das vierte Quartal nicht schwach. Der Umsatz lag mit 213,4 Milliarden Dollar über den Erwartungen. Amazon Web Services wuchs um 24 Prozent auf 35,6 Milliarden Dollar, das stärkste Tempo seit mehr als drei Jahren. Auch das Werbegeschäft legte zweistellig zu. Unterm Strich verfehlte der Gewinn je Aktie die Schätzungen jedoch knapp.Investoren schauen nicht auf das abgelaufene Quartal, sondern auf die Eskalation im KI-Wettlauf. Amazon reiht sich ein in eine Serie von Ankündigungen: Alphabet will bis zu 185 Milliarden Dollar investieren. Microsoft fährt ebenfalls massiv hoch. Der Markt beginnt zu zweifeln, ob Nachfrage und Monetarisierung mit dem Investitionstempo Schritt halten.Chef Andy Jassy (Foto oben) lässt keinen Zweifel daran, wie Amazon die massive Ausweitung der Investitionen einordnet. Laut ihm resultiere sie aus „starker Nachfrage nach unseren bestehenden Angeboten und bahnbrechenden Chancen in Bereichen wie KI, Chips, Robotik und Satelliten im niedrigen Erdorbit“. Amazon sehe eine „starke langfristige Rendite auf das investierte Kapital“.
Jassy verkauft die Ausgaben also erwartungsgemäß nicht als Kostenblock, sondern als strategische Vorleistung. Gleichzeitig verweist er bewusst auf die Breite der Einsatzfelder – von Cloud über Werbung bis hin zu Infrastruktur –, mit denen Amazon im KI-Zeitalter Wachstum generieren will.