FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aktien von Salzgitter haben am Dienstag mit einer Berg- und Talfahrt auf Eckzahlen sowie den Ausblick auf 2026 reagiert. Nach einem Rutsch um rund 9 Prozent auf 46,62 Euro ging es zuletzt um knapp 7 Prozent auf 54,55 Euro nach oben auf den höchsten Stand seit Sommer 2011.
Der Stahlkonzern habe mit Blick auf das Schlussviertel 2025 die Erwartungen deutlich übertroffen, lobte Analyst Dominic O'Kane von der US-Bank JPMorgan. Das werde allerdings relativiert durch die Prognose für das operative Ergebnis 2026. Sie impliziere ein Abwärtsrisiko für die Konsensschätzung der Nachrichtenagentur Bloomberg von rund 20 Prozent und liege auch 16 Prozent unter seiner pessimistischeren Schätzung für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda).
OKane hält die Schätzung von Salzgitter zwar für "konservativ". Ihm zufolge ist der Konzern spätestens zur detaillierten Veröffentlichung der Jahreszahlen am 23. März den Marktteilnehmern eine Erklärung schuldig. Das Management müsse begründen, warum es, wenn die realisierten Stahlpreise im Jahresverlauf deutlich höher ausfallen werden, nur mit 500 bis 600 Millionen Euro Ebitda rechne, während das zum Quartalsende 2025 annualisierte Ebitda bei 608 Millionen liegen dürfte. Der JPMorgan-Experte betonte jedoch, dass Salzgitter seine einzige "Underweight"-Empfehlung unter den europäischen Kohlenstoffstahlaktien sei, "basierend auf der von uns erwarteten Abwärtsgefahr für die Ebitda-Konsensschätzung 2026". Entsprechend dieser Einschätzung geht OKane davon aus, dass sich die Aktie in den kommenden sechs bis zwölf Monaten schlechter als die Branche entwickeln wird.
"Die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 liegt deutlich unter dem Konsens", kommentierte auch ein Händler und sprach zugleich von etwas schwächeren Eckzahlen. Allerdings könnte der Ausblick auch nur konservativ sein angesichts der Aussagen des Stahlkonzerns, dass die geplanten Investitions- und Infrastrukturprogramme der öffentlichen Hand bislang noch nicht zu einer deutlichen konjunkturellen Belebung geführt hätten.
Auch Aktienexperte Andreas Lipkow sah in den Perspektiven des SDax-Unternehmens durchaus "Mutmacher". Er verwies vor allem darauf, dass Salzgitter in wenigen Monaten die volle Kontrolle über die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) übernehme und der Konzern nach wie vor auf eine Belebung des operativen Geschäfts durch die geplanten Infrastrukturmaßnahmen in Deutschland setze./ck/jsl/jha/