DRESDEN (dpa-AFX) - Die Inflation hat in den vergangenen fünf Jahren in einigen ostdeutschen Bundesländern und Bremen deutlich härter zugeschlagen als im Westen. In Brandenburg, dem Land mit der höchsten Inflation, fiel der Preisanstieg um fast 4 Prozentpunkte höher aus als in Hamburg, dem Land mit dem geringsten Plus, wie eine Auswertung des Ifo Dresden ergab. Wichtigster Treiber für die Unterschiede waren die Kosten für Wohnen im weiteren Sinne, also inklusive Wasser, Strom und Brennstoffen.
Bundesweit lag die Inflation im betrachteten Zeitraum 2020 bis 2025 bei 21,8 Prozent. In Brandenburg fiel sie allerdings um 1,8 Prozentpunkte stärker aus, in Bremen und Sachsen um 1,7 Prozentpunkte und in Sachsen-Anhalt um 1,6 Prozentpunkte. Am anderen Ende der Skala liegt Hamburg, wo die Inflation um 2,1 Punkte niedriger ausfiel als im Bundesschnitt. Schleswig-Holstein blieb einen Prozentpunkt unter dem Durchschnitt, Hessen um 0,8 und das Saarland um 0,7 Prozentpunkte.
Im Osten ist nur Berlin unterdurchschnittlich
Berlin ist das einzige ostdeutsche Bundesland mit unterdurchschnittlicher Inflation. Die Differenz zu Gesamtdeutschland sind 0,6 Prozentpunkte. Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen haben dagegen leicht überdurchschnittliche Preisanstiege, die 0,8 beziehungsweise 0,6 Prozentpunkte höher ausfielen als im Bundesschnitt.
Im Westen hatte neben Bremen nur Bayern eine überdurchschnittliche Inflation. Der Abstand fiel mit 0,5 Prozentpunkten aber eher gering aus. Ebenfalls kleine Abweichungen - allesamt nach unten - gab es in Niedersachsen mit 0,1 Prozentpunkt, Baden-Württemberg mit 0,2 Prozentpunkten, Nordrhein-Westfalen mit 0,3 und Rheinland-Pfalz mit 0,4.
Wichtige Treiber Wohnen und Dienstleistungen
Eine große Rolle für die unterschiedlichen Entwicklungen spielt der Bereich Wohnen inklusive Strom, Gas und anderen Brennstoffen. Hier stiegen die Preise in Hamburg beispielsweise deutlich langsamer als im Durchschnitt, in Bremen dagegen deutlich schneller. Weil die Wohnkosten zudem einen hohen Anteil im Warenkorb haben, schlagen sich Unterschiede hier auch besonders stark nieder.
Die überdurchschnittlichen Anstiege in Brandenburg oder Sachsen sind allerdings nicht auf diesen Bereich zurückzuführen. Dort trieb insbesondere der Bereich andere Waren und Dienstleistungen die Inflation stärker als im Bundesschnitt. Zu dieser Kategorie zählen beispielsweise Friseure, Pflege oder Versicherungen. "Denkbar wäre, dass die Anhebung des Mindestlohns in Ostdeutschland stärker auf die Preise durchschlägt als in den westdeutschen Bundesländern", schreiben hier die Autoren, Ricarda Kluth, Robert Lehmann und Marcel Thum.
Die beiden Faktoren erklären auch die Berliner Sonderrolle im Osten: Die anderen Waren und Dienstleistungen legten hier nur leicht überdurchschnittlich zu, die Wohnkosten blieben dagegen hinter der Entwicklung zurück. Den Autoren zufolge wohl auch durch den Mietendeckel.
Die Lohnentwicklung wirbelt die Tabelle durcheinander
Blickt man allerdings nicht nur auf die Inflation, sondern auch die Löhne und ermittelt die reale Stundenlohnentwicklung, ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Und es fällt für den Osten sehr viel günstiger aus. Die vom Ifo Dresden ausgewerteten Daten hier reichen allerdings nur bis 2024, sind also ein Jahr älter als bei der Inflation.
Am besten schneidet dabei Thüringen ab, wo die Löhne von 2020 bis 2024 um 3,6 Prozentpunkte stärker gestiegen sind als die Preise. Dahinter folgt Berlin mit 2,6 Punkten Plus vor Mecklenburg-Vorpommern mit 2,5, Brandenburg mit 1,7, Sachsen-Anhalt mit 1,4 und Sachsen mit 1,3. Hamburg und Schleswig-Holstein können als einzige Westdeutsche Bundesländer ein Plus - konkret von 1,2 und 0,4 Prozentpunkten.
Am negativsten fällt die Bilanz in Bremen aus, wo unterdurchschnittlich steigende Löhne auf überdurchschnittlich steigende Preise treffen. Am Ende steht ein Minus von 3,9 Prozentpunkten. In Niedersachsen sind es 2,5, in Baden-Württemberg 2,4 und in Nordrhein-Westfalen 2,3 Prozentpunkte. Auch Rheinland-Pfalz und Bayern mit einem Minus von 2,2 beziehungsweise 1,7 Prozentpunkten schneiden klar schlechter als der Bundesdurchschnitt ab, der bei minus 1,1 liegt. Hessen mit 1,2 Prozentpunkten Minus und das Saarland mit 1,0 weichen dagegen kaum ab./ruc/DP/zb