GENF (dpa-AFX) - Das UN-Menschenrechtsbüro in Genf sieht Anzeichen für ethnische Säuberungen in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten. "Verstärkte Angriffe, die systematische Zerstörung ganzer Stadtteile und die Verweigerung humanitärer Hilfe zielt offenbar auf eine dauerhafte demografische Veränderung im Gazastreifen ab", heißt es in dem Bericht. "Zusammen mit den Zwangsumsiedlungen, die offenbar auf eine dauerhafte Vertreibung abzielen, gibt dies Anlass zu Besorgnis über ethnische Säuberungen im Gazastreifen und im Westjordanland."
Reaktion: "Dämonisierung von Israel"
Israel wirft dem UN-Menschenrechtsrat seit Langem Voreingenommenheit vor. Um eine Stellungnahme zu dem Bericht gebeten teilte die israelische Vertretung in Genf auf Nachfrage mit: "Das Büro des Hochkommissars (für Menschenrechte) betreibt eine bösartige Kampagne der Dämonisierung und Desinformation gegen den Staat Israel." Es arbeite mit Experten zusammen, die Hetze verbreiteten, und habe deshalb keine Glaubwürdigkeit.
UN: Hunger als Kriegsmittel ist ein Kriegsverbrechen
Weiter heißt es in dem vom UN-Menschenrechtsrat angeforderten Bericht des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, im Zeitraum 1. November 2024 bis 31. Oktober 2025 seien mindestens 463 Menschen im Gazastreifen verhungert, darunter 157 Kinder. "Jede Anwendung von Hunger als Kriegsmittel gegen die Zivilbevölkerung stellt ein Kriegsverbrechen dar."
Am 9. Oktober 2025 trat der US-Plan für ein Ende des Gazakonflikts mit einer Waffenruhe in Kraft. Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden, die von der islamistischen Hamas kontrolliert werden, sind seitdem bei israelischen Angriffen mehr als 1.500 Menschen ums Leben gekommen.
Seit Beginn des israelischen Krieges gegen die Terrororganisation Hamas im Oktober 2023 sind es diesen Angaben zufolge mehr als 70.000 Tote gewesen. Die Angriffe folgten auf den beispiellosen Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023, als Terroristen aus dem Gazastreifen mehr als 1.200 Menschen in Israel töteten und 251 Geiseln in den Gazastreifen verschleppten.
UN: Systematische Diskriminierung
Im besetzten Westjordanland einschließlich Ostjerusalem setzten israelische Sicherheitskräfte rechtswidrig Gewalt ein, heißt es in dem Bericht weiter. Menschen wurden willkürlich verhaftet, in der Haft gefoltert und misshandelt, zudem würden ihre Häuser zerstört, um "das palästinensische Volk im besetzten Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, systematisch zu diskriminieren, zu unterdrücken, zu kontrollieren und zu beherrschen"./oe/DP/mis