BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Der Dialyseanbieter Fresenius Medical Care (FMC ) hat im vergangenen Jahr auch dank seines Sparprogramms einen satten Gewinnsprung erzielt. Doch 2026 steht das Unternehmen vor einem Übergangsjahr, Konzernchefin Helen Giza schließt einen Ergebnisrückgang nicht aus. Grund ist die Einführung eines modernen Dialysegeräts in den USA, in dem die Managerin aber eine Investition in die Zukunft des Unternehmens sieht. Zugleich kündigte die FMC-Lenkerin zur Bilanzvorlage am Dienstag nochmals forcierte Sparziele an. Bis Ende 2027 will sie die jährlichen Kosten um 1,2 Milliarden Euro senken, und damit um 150 Millionen Euro mehr als zuletzt geplant. Der Aktienkurs brach ein.
Im frühen Handel ging es für das Papier am Dax -Ende zeitweise um rund 10 Prozent abwärts, vor allem der Ausblick stand bei Experten im Fokus. So bezeichnete etwa Jefferies-Analyst James Vane-Tempest das Ziel eines weitestgehend stabilen Umsatzes als enttäuschend. Der Ergebnisausblick impliziere zusätzlichen Gegenwind, wenn man bedenke, dass die Sparziele angehoben worden seien. Auch bemängelte er, dass das Margenziel für 2030 trotz der forcierten Sparbemühungen nicht angetastet worden sei.
Konzernchefin Giza erwartet für 2026, dass sich das bereinigte operative Ergebnis zu konstanten Wechselkursen zwischen einem Plus und einem Minus im mittleren einstelligen Prozentbereich bewegt. Für den Zeitraum 2025 bis 2028 werde für die Kennziffer ein durchschnittliches Wachstum von drei bis sieben Prozent angepeilt, teilte das Unternehmen in Bad Homburg mit.
2025 hatte der Blutwäschespezialist sein bereinigtes operatives Ergebnis dank eines außerordentlich starken Schlussquartals noch um 23 Prozent auf 2,21 Milliarden Euro gesteigert, währungsbereinigt lag das Plus im Vergleich zum Vorjahr bei 27 Prozent. Damit erreichte der Konzern das obere Ende seiner eigenen Ziele und übertraf leicht die mittlere Erwartung von Analysten.
Unter dem Strich schnellte das Konzernergebnis der Beteiligung des Medizinkonzerns Fresenius nominal um 82 Prozent auf 978 Millionen Euro in die Höhe. Die Aktionäre sollen für 2025 nun eine um 4 Cent auf 1,49 Euro je Aktie erhöhte Dividende erhalten.
Die Umsatzentwicklung bremsten im vergangenen Jahr jedoch negative Währungseffekte, diese herausgerechnet hatte FMC bei einem Erlös von gut 19,6 Milliarden Euro ein Plus von fast fünfeinhalb Prozent erzielt. Auf diesem Niveau soll auch 2026 der Umsatz abseits der Wechselkurseffekte herauskommen.
Giza begründete unterdessen den deutlichen Ergebnisanstieg des vergangenen Jahres auch mit einer günstigen Entwicklung der Erstattungssätze für Dialysebehandlungen und einem höher als erwartet ausgefallenen positiven Effekt durch bestimmte Vergütungsregeln in den USA. Zudem sei der Konzern schneller mit seinem Sparprogramm vorangekommen als gedacht und habe Einsparungen in Höhe von 238 Millionen Euro erzielt.
Giza hatte das bereits seit gut drei Jahren laufende Spar- und Restrukturierungsprogramm nach mehreren Gewinnwarnungen in der Corona-Zeit eingeläutet. Der Konzern trennte sich von margenschwachen Randbereichen, unrentable Kliniken wurden teils auch geschlossen; zudem strich der Konzern tausende Stellen.
Die Sparziele hob der Vorstand bereits mehrmals an und verlängert das gesamte Programm zudem bis 2027. Von den jetzt neu bis dahin angepeilten 1,2 Milliarden Euro an Einsparungen hat FMC bis Ende 2025 nach eigenen Angaben gut 800 Millionen erreicht.
Zugleich schwächelt jedoch das von Analysten besonders stark beobachtete Behandlungswachstum in den USA, weil der Konzern dort mit Preisdruck und einer hohen Patientensterblichkeit zu kämpfen hat. Im vergangenen Jahr stagnierten die Behandlungen sogar. Giza hofft nun, durch die in diesem Jahr beginnende US-Einführung des Dialysegerätes für die sogenannte hochvolumige Hämodiafiltrationstherapie das US-Geschäft ankurbeln zu können. Rund 36.000 Patienten in 28 US-Bundesstaaten sollen auf das neue System umgestellt werden.
Dieses gilt als eine schnellere und effektivere Blutwäschemethode und hat nach Konzernangaben Vorteile mit Blick auf die Sterblichkeit. Jährlich würden dazu rund 20 Prozent der bisherigen Geräte ausgetauscht. Neben den Anlaufkosten schlagen dabei aber zunächst auch die Schulungen der Belegschaft zu Buche.
Mittelfristig will FMC seine Profitabilität dann aber weiter erhöhen. Bis 2030 erwartet der Vorstand unverändert eine operative Ergebnismarge im mittleren Zehnerprozentbereich, nach einem Anstieg auf 11,3 Prozent im vergangenen Jahr./tav/men/mis