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NEW YORK (dpa-AFX) - Trotz erneut beeindruckender Quartalszahlen und starker Ziele für das neue Geschäftsjahr haben sich für die Aktien des KI-Champions Nvidia am Donnerstag vorbörslich nur moderat Gewinne abgezeichnet. Sie gewann zuletzt 0,9 Prozent auf 197,25 US-Dollar. Damit allerdings dürfte sie ihre bereits viertägige Gewinnserie fortsetzen und sich zugleich ihrem Rekordniveau vom Herbst 2025 weiter annähern. Nach zahlreichen Aktiensplits in den vergangenen Jahren liegt die neue Bestmarke aktuell bei etwas über 212 Dollar.
Analysten reagierten überwiegend begeistert, hoben ihre Kursziele an und bekräftigten ihre Kaufempfehlungen. Die Citigroup und Bernstein Research etwa sehen die Aktie nun auf 300 Dollar steigen.
Dabei setzt Atif Malik von der Citigroup nach dem starken Ausblick des Chipherstellers als Nächstes auf die KI-Konferenz Nvidia GTC Mitte März. Eine frühe Sichtbarkeit der weiteren Umsatzentwicklung könnte die Aktie weiter nach oben treiben, erwartet er. JPMorgan-Analyst Harlan Sur, der sein Kursziel auf 265 Dollar anhob, begründete die Stärke der Geschäfte und die über dem Konsens liegende Quartalsumsatzprognose mit dem überaus erfolgreichen Hochfahren der Produktion des Grafikprozessors Blackwell.
Das "Haar in der Suppe" der Rekordergebnisse von Nvidia ist laut Christian Henke, Chefmarktanalyst bei IG allerdings das China-Geschäft. Zu den Verkäufen dort habe sich der US-Chiphersteller nur vage geäußert. "Angesichts der anhaltenden Handelsspannungen und Exportbeschränkungen für Hochleistungschips bleibt dieser Markt ein Risikofaktor", resümierte er.
Schlüssige Erklärungen, warum die Aktie vorbörslich nicht zu einem Sprung nach oben ansetzt, sondern zeitweise sogar nachgab und aktuell auch die Märkte kaum mehr antreibt, lieferten die Analysten von Hargreaves Lansdown und der Consorsbank.
Es gehe bei Nvidia nun um die Frage, ob die aktuelle Investitionswelle in KI das Wachstum nachhaltig über die nächsten Jahre hinaus stützen könne, so Matt Britzman von Hargreaves Lansdown. Ebenso stellten sich Investoren die Frage, ob Nvidia auch dann noch so dominant bleibe, wenn KI zunehmend in den Alltag eingreife und nicht mehr nur zu Trainingszwecken für Software eingesetzt werde. Das Management sollte ihm zufolge daher erklären, wie man sich mit Blick auf KI für Alltagszwecke optimal aufstelle. Dies könnte die Fesseln lösen, die derzeit die Bewertung noch daran hindere, ihr wahres Potenzial zu erreichen.
"Längst sind Signale eines schnelleren KI-Ausbaus, wie sie Nvidia gestern lieferte, kein Grund mehr für Anleger, in Jubel-Arien zu verfallen", schrieb auch Jochen Stanzl von der Consorsbank. Er verwies dabei auf die Zweischneidigkeit der starken Nvidia-Zahlen. Die Anleger "kennen die Kehrseite der Medaille: die Disruption durch KI. Wenn der KI-Ausbau schneller verläuft als gedacht, ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass dies ebenso für die KI-Disruption gilt."
Nvidias Aktienkurs befindet sich seit Jahren auf einem Höhenflug. Im vergangenen Oktober war Nvidia das erste Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als fünf Billionen Dollar. In den Wochen und Monaten nach dem Rekordhoch fiel der Kurs zeitweise wieder bis auf 170 Dollar zurück, bevor er sich zuletzt wieder erholte.
Aktuell wird Nvidia an der Börse mit knapp 4,8 Billionen Dollar bewertet und liegt damit deutlich vor Apple. Der iPhone-Hersteller kommt derzeit auf gut vier Billionen Dollar./ck/zb/ajx/mis