DOHA (dpa-AFX) - Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hält es für möglich, dass ein neuer geistlicher Führer im Iran innerhalb von Tagen feststeht. "Es könnte schon in einem oder zwei Tagen zur Wahl eines obersten Führers kommen", sagte Araghtschi dem Nachrichtensender Al-Jazeera in einem exklusiven Interview.
Araghtschi verurteilte die Tötung des bisherigen Staatsoberhaupts und Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei durch die israelisch-amerikanischen Angriffe als "beispiellos und eine schwere Verletzung internationalen Rechts".
Expertenrat aus 88 Geistlichen soll Nachfolger wählen
Bis ein neues Staatsoberhaupt gewählt ist, soll ein dreiköpfiger Rat seine Aufgaben übernehmen. Diese Rolle fällt laut offiziellen Angaben Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie dem Mitglied des Wächterrats, Alireza Arafi, zu. Für die Wahl ist ein sogenannter Expertenrat, ein Gremium aus 88 einflussreichen Geistlichen, zuständig.
Wer Chamenei nachfolgen könnte, ist unklar. Öffentlich hatte sich der Religionsführer dazu nicht geäußert. In den vergangenen Jahren war immer wieder dessen Sohn Modschtaba genannt worden, der bislang kaum in der Öffentlichkeit stand. Dem Staatsapparat dürfte es jedoch schwerfallen, mitten im Krieg das Machtgefüge neu zu ordnen./cmy/DP/he