NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Der Ölpreis hat seinen Höhenflug wegen des Kriegs im Nahen Osten fortgesetzt und die Marke von 100 US-Dollar übersprungen. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Marke Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar. Allerdings kam der Preis dann im Tagesverlauf schon wieder deutlich zurück. Am späteren kostete Brent gut 100 Dollar, was aber immer noch knapp neun Prozent mehr waren als am Freitag.
Damit kletterte der Preis zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022. Seit dem Start des Iran-Kriegs vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich das Plus auf mehr als 40 Prozent.
Die globalen Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus kam durch den Krieg faktisch zum Erliegen. Die Angst vor einer längeren Sperrung der Schifffahrtsstraße bleibt ein bestimmendes Thema. Am Wochenende hatte Israel zudem Öllager in der iranischen Hauptstadt Teheran angegriffen.
Nach Informationen der "Financial Times" wollen führende Industriestaaten offenbar ihre Erdölreserven einsetzen, um den Preisanstieg am Ölmarkt zu bremsen. Drei G7-Staaten, darunter die USA, hätten dem Vorschlag ihre Unterstützung zugesagt, berichtete die Zeitung.
Frankreich, das derzeit die Präsidentschaft der G7 innehat, hat jedoch erklärt, dass die Mitgliedsstaaten noch nicht so weit seien, eine globale Freigabe von Notfallölreserven als Reaktion auf den Iran-Krieg zu organisieren.
Der französische Finanzminister Roland Lescure äußerte sich nach einem virtuellen Treffen zur Erörterung der Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Energiemärkte. "Wir haben vereinbart, die Situation sehr genau zu beobachten, und sind bereit, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich des Einsatzes strategischer Reserven zur Stabilisierung des Marktes", sagte er nach dem virtuellen Treffen der G7-Finanzminister.
Derweil gibt weiterhin keine Anzeichen für zeitnahes Ende des Krieges im Nahen Osten. Mit den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der vom Iran eine bedingungslose Kapitulation gefordert hatte, und der Ernennung des Hardliners Modschtaba Chamenei als neuen iranischen Führer "nehmen die Risiken für ein längeres Andauern weiter zu", heißt es in einer Analyse der Dekabank.
Trump, für den steigende Spritpreise mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst und die Lebenshaltungskosten seiner Wählerschaft zum Problem werden könnten, versuchte, derweil abzulenken. "Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social./jkr/la/mis