FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Ein taktisch kalkuliertes Übernahmeangebot von Unicredit für die Commerzbank hat den Aktien des deutschen Finanzinstituts am Montag spürbar Auftrieb gegeben. Gegen Mittag waren sie mit plus 6,7 Prozent auf 31,57 Euro Spitzenwert im stabilen Leitindex Dax.
Am Morgen hatten sich die Papiere die meiste Zeit über im Bereich des rechnerischen Umtauschniveaus bewegt. Die Unicredit bietet als bereits größter Anteilseigner der Commerzbank für die restlichen Anteilsscheine voraussichtlich jeweils 0,485 neue Unicredit-Papiere. Das entsprach zum Preis vom Freitagabend 30,80 Euro. Aktuell kosten Unicredit mit 63 Euro etwas weniger als vor dem Wochenende. Letztlich festlegen wird den Preis der deutsche Bankenregulierer BaFin.
Wie Analyst Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler schrieb, müssten die Frankfurter nun ihre Profitabilität weiter verbessern und den Anlegern attraktive Ausschüttungen bieten, um ihre Chance auf Eigenständigkeit zu erhöhen.
Aktuell hält die italienische Großbank bereits 26 Prozent direkt an der Commerzbank und kontrolliert eigenen Angaben zufolge inklusive Finanzinstrumenten insgesamt 29,9 Prozent.
Das aber bringt ein Problem mit sich, denn ab einer Schwelle von 30 Prozent ist ein Unternehmen laut deutschem Übernahmerecht verpflichtet, ein Kaufangebot abzugeben. Von daher sehen Analysten die Offerte von Unicredit als Schachzug.
Laut Anke Reingen von der kanadischen Bank RBC untermauert die Unicredit so das Interesse an der Commerzbank, erlaubt ihr aber gleichzeitig die Fortsetzung des Aktienrückkaufprogramms, ohne ein Pflichtangebot auszulösen. Gleichzeitig habe man die Möglichkeit, den eigenen Commerzbank-Anteil am Markt oder auf andere Weise frei zu erhöhen.
Analyst Roger Degen von der Schweizer Bank Julius Bär hatte eine positive Aktienreaktion auf die Mitteilung der Unicredit zwar erwartet, hält aber den Angebotspreis für zu gering. Sein Kursziel für Commerzbank-Papiere beträgt aktuell 38 Euro. Außerdem hob er den Standpunkt der Bundesregierung als wichtigen Aspekt hervor. "Die Bundesregierung, die ebenfalls an der Commerzbank beteiligt ist, hat wiederholt deutlich gemacht hat, dass sie eine Übernahme durch Unicredit ablehnt", schrieb Degen.
Mit Blick auf diese Facette interpretierte auch Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets das Vorgehen der Italiener. "Da eine gehörige politische Komponente mit berücksichtigt werden muss, entscheidet sich Unicredit für eine eher vorsichtigere Gangart und versucht, mit dem derzeitigen Vorgehen mehr Mitspracherecht zu erlangen."
Das Übernahmeinteresse der Italiener an der zweitgrößten deutschen Bank war bereits 2024 bekannt geworden. Damals, im September, hatten sie den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Neben einer direkten Beteiligung von zunächst knapp unter 10 Prozent sicherten sie sich über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere fast 19 Prozent. Im August 2025 dann teilte Unicredit den Anstieg des direkten Aktienanteils auf rund 26 Prozent mit, bevor es wieder ruhiger um das Thema wurde.
Der Aktienkurs, der daraufhin bis auf 38,40 Euro und damit den höchsten Stand seit Herbst 2010 geklettert war, gab wieder deutlich nach. Erst seit Anfang des Jahres legte er in einem Auf und Ab erneut deutlicher zu und kletterte im Januar bis auf 37,24 Euro. Im Zuge der Marktverwerfungen durch den Iran-Krieg Ende Februar ging es abwärts bis unter 30 Euro, so wie am vergangenen Freitag./ck/ag/nas
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