(neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Aktienkurs, mehr Hintergrund.)
KÖLN (dpa-AFX) - Der Spezialchemiekonzern Lanxess läutet angesichts des anhaltend schwachen Marktumfelds und zunehmenden Wettbewerbs aus Asien ein weiteres Sparprogramm ein. Bis 2028 sollen jährlich 100 Millionen Euro zusätzlich eingespart werden, wie der MDax -Konzern am Donnerstag in Köln mitteilte. Geplant ist auch der Abbau von rund 550 Stellen, davon etwa zwei Drittel in Deutschland. Besonders betroffen sind laut Konzernchef Matthias Zachert Verwaltungsfunktionen an den Standorten in Köln und Leverkusen. Die Börse reagierte vor allem auf die Zahlen für 2025 und den Ausblick enttäuscht.
Im frühen Handel sackten die Papiere zeitweise um fast elf Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2009 ab. Zuletzt notierten sie als MDax-Schlusslicht noch rund 9 Prozent tiefer bei 12,12 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Kurs rund ein Drittel verloren, binnen zwölf Monaten sogar etwa 60 Prozent. Lanxess habe gemischte Resultate präsentiert, hieß es aus dem Handel. Zudem liege der Mittelpunkt der vom Konzern angepeilten Spanne für das Betriebsergebnis etwas unter der Markterwartung.
Lanxess-Lenker Zachert zeichnete ein düsteres Bild der Chemiebranche. Die weltweite Nachfrage in wichtigen Abnehmerindustrien bleibe gering, sagte er. Zudem belaste seit der Zolleskalation 2025 eine "Produktschwemme aus Asien" die Märkte, oft zu Niedrigstpreisen. Die Auslastung der Anlagen in der Branche liege aktuell auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als 30 Jahren. 2025 habe sie bei Lanxess im Schnitt nur rund 65 Prozent betragen - deutlich unter dem Normalwert von etwa 80 bis 85 Prozent.
Im vergangenen Jahr sank bei Lanxess der Umsatz um elf Prozent auf 5,67 Milliarden Euro. Neben dem schwachen Geschäftsumfeld wirkten sich auch Portfolioveränderungen und Wechselkurseffekte negativ aus. Vor allem die deutschen Geschäfte waren stark durch steigende Energiekosten und der asiatischen Konkurrenz betroffen. Die Zahl der Mitarbeiter ging um fünf Prozent auf 11.709 zurück. Unter dem Strich stieg der Verlust deutlich auf 577 Millionen Euro. Aktionäre sollen dennoch eine stabile Dividende von zehn Cent je Aktie erhalten.
Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 17 Prozent auf 510 Millionen Euro und fiel damit noch etwas stärker als von Analysten erwartet. Für 2026 wird mit einem operativen Gewinn von 450 bis 550 Millionen Euro gerechnet. Eine deutliche konjunkturelle Erholung ist dabei noch nicht eingeplant. Erste Anzeichen einer Belebung gebe es zwar etwa seit März, doch sei unklar, wie nachhaltig diese Entwicklung sei, so Zachert. Positive Impulse, etwa durch das Infrastrukturpaket der Bundesregierung, sieht er frühestens im zweiten Halbjahr.
Um gegenzusteuern, verschärft Lanxess mit den weiteren Stellenstreichungen seinen Sparkurs. Der Abbau solle möglichst sozialverträglich und in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmervertretung erfolgen, betriebsbedingte Kündigungen schloss Zachert aber nicht aus. Flankierend führte das Unternehmen im Februar vorübergehend eine 35-Stunden-Woche bei Tarifbeschäftigten zunächst bis Ende des Jahres ein. Der entsprechende Gehaltsverzicht soll Zachert zufolge mehrere Millionen Euro einsparen. Zudem setzte der Konzern für außertarifliche Beschäftigte und das Management eine Nullrunde bei den Gehältern durch.
Das neue Sparprogramm ergänzt bereits bestehende: Seit August 2025 waren Einsparungen von rund 50 Millionen Euro in der Produktion geplant, dafür wurden zwei Standorte in Deutschland und in Großbritannien geschlossen. Mit dem neuen Sparprogramm sind somit bis Ende 2028 insgesamt etwa Einsparungen von dauerhaft 150 Millionen Euro geplant.
Weitere Schließungen sind laut Zachert vorerst nicht geplant, doch soll an der Effizienz der Standorte gearbeitet werden. Bereits 2023 hatte Lanxess ein Sparprogramm über 150 Millionen Euro umgesetzt. Parallel wurde die Verschuldung in den vergangenen Jahren deutlich reduziert - unter anderem durch den Verkauf von Geschäftsbereichen.
Auch weitere Verkäufe sind laut dem Vorstand absehbar: Für den Verkauf einer Beteiligung an einem Joint Venture für technische Hochleistungswerkstoffe wird künftig mit einem Beitrag in hoher dreistelliger Millionenhöhe gerechnet. Spekulationen über eine Kapitalerhöhung erteilte Zachert vor diesem Hintergrund eine Absage.
Eigentlich wollte Lanxess durch die Veräußerung eines Anteils an dem Unternehmen Envalior bereits in diesem Jahr 1,2 Milliarden Euro einnehmen. Doch der Finanzinvestor Advent, der der Partner in dem Gemeinschaftsunternehmen ist, machte einen Finanzierungsvorbehalt geltend. Zachert deutete an, dass Lanxess 2028 seine harte Verkaufsoption ziehen werde, sollten sich die Parteien vorher nicht einigen. Die Put-Option gilt für die Hälfte des Lanxess-Anteils an Envalior (41 Prozent).
Derweil bleibt das Umfeld auch 2026 weiter angespannt. Die direkten Auswirkungen des Iran-Kriegs auf das eigene Geschäft seien zwar begrenzt, sagte Zachert, da die Region nur rund zwei Prozent zum Umsatz beitrage. Indirekt dürften jedoch steigende Energiepreise und Unsicherheiten in den Lieferketten die Branche insgesamt belasten. Wegen der bereits immens angezogenen Kosten für Energie und kritische Rohstoffe hat Lanxess für einige betroffene Produkte zum Teil schon deutliche Preissteigerungen angekündigt. Weitere könnten folgen./tav/nas/jha/