FRANKFURT (dpa-AFX) - Dem Dax droht am Montag eine Fortsetzung seiner Talfahrt. Mit der Furcht vor einer weiteren Eskalation des Iran-Krieges signalisierte der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den deutschen Leitindex eine Stunde vor Handelsbeginn ein Minus von zwei Prozent auf 21.937 Punkte. Sein Eurozonen-Pendant EuroStoxx 50 wird 1,6 Prozent tiefer erwartet. In Asien standen nach dem Ultimatum von Donald Trump an den Iran noch deutlichere Kursabschläge zu Buche.
In der Nacht zu Sonntag hatte der US-Präsident der iranischen Führung mit der Zerstörung von Energieanlagen gedroht, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig und "ohne Drohungen" öffnen. Teheran drohte ihrerseits mit der vollständigen Schließung der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Meerenge.
"Wenn die Ölarterie sich verengt, atmet das ganze System durch einen Strohhalm", kommentierte Marktstratege Stephen Innes von SPI Asset Management. Es gehe inzwischen weniger um Einzelereignisse als die schiere Länge des Konflikts. Die Instabilität baue sich langsam auf. Besorgniserregend sei der gemeinsame Rutsch von Aktien, Anleihen und sogar des Goldpreises, so Innes weiter. Es finde also keine Rotation des Geldes statt, sondern es werde schlicht abgezogen. Zu allem Überfluss steige der Druck auf die Notenbanken, zu reagieren.
"Die Lage ist so unsicher wie noch nie seit dem Beginn dieses Krieges", ergänzte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Niemand weiß, wie weit die USA und Israel wirklich zu gehen bereit sind. Und niemand kann absehen, wie verheerend Gegenschläge des Iran ausfallen können. Die Panik, die lange Zeit nicht vorhanden war, frisst sich jetzt in die Märkte und in die Kurse."
Die Ölpreise reagierten ebenfalls sichtbar auf die drohende Eskalation im Nahen Osten. So stieg der Preis für ein Fass (149 Liter) Rohöl der für Europa maßgeblichen Nordsee-Sorte Brent deutlich, blieb zunächst aber unter seinem Hoch seit 2022 bei fast 120 US-Dollar.
Vor diesem Hintergrund geraten mögliche Kursbewegungen bei einzelnen Aktien fast zur Nebensache. Am deutschen Aktienmarkt treten zu Wochenbeginn Änderungen bei der Zusammensetzung der Indizes der Dax-Familie in Kraft. Im Dax selbst gibt es keine Änderungen, nachdem die Lufthansa die Rückkehr in die erste deutsche Aktienliga verpasst hatte, wohl aber im MDax der mittelgroßen Unternehmen sowie im Nebenwerte-Index SDax .
Dass sich eine Milliarden-Investition in China laut BASF-Chef Markus Kamieth erst später als geplant rechnen wird, könnte die Aktien des Chemieriesen laut Händlern belasten. "Wir starten in einem überversorgten Markt, in dem die Preise und Margen auf einem historisch niedrigen Niveau liegen", sagte Kamieth wenige Tage vor der Eröffnung eines neuen Chemiewerks in China der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Die Profitabilität wird in den ersten Jahren daher deutlich unter dem sein, was wir uns ursprünglich vorgestellt hatten." Das sei aber immer noch besser, als in Deutschland mit seinen immer weiter steigenden Preisen zu bleiben, hieß es aus dem Markt.
Die Titel des Stahlkonzerns Salzgitter gerieten vorbörslich deutlich unter Druck. Der MDax-Aufsteiger blieb mit seinem Dividendenvorschlag, den er im Rahmen seiner vollständigen Jahreszahlen vorlegte, hinter den Erwartungen zurück.
Dem Konsumgüterhersteller Beiersdorf droht Ungemach durch eine Abstufung. Die Privatbank Berenberg senkte das Kursziel für die Aktien deutlich und strich ihre Kaufempfehlung. Analyst Fulvio Cazzol kappte seine Ergebnisschätzungen für die Jahre bis 2028 um bis zu 17 Prozent. Die Idee hinter seiner Kaufempfehlung aus dem Jahr 2021 sei nicht wie erhofft aufgegangen, so die Begründung.
Dagegen könnten die Titel der Hornbach Holding davon profitieren, dass der Baumarkt- und Baustoffkonzern im Geschäftsjahr 2025/2026 auf Basis vorläufiger Zahlen seine eigenen Ziele erreicht hat./gl/nas