LONDON (dpa-AFX) - Die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone hat sich im März wegen der Folgen des Iran-Kriegs verschlechtert. Bei der Umfrage unter Einkaufsmanagern konnte erstmals der Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten mit einem starken Anstieg von Energiepreisen voll berücksichtigt werden. Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex fiel um 1,4 Punkte auf 50,5 Punkte, wie S&P am Dienstag in London nach einer ersten Schätzung mitteilte.
Der Stimmungsindikator kann sich knapp über der Expansionsschwelle von 50 Punkten halten. Werte über dieser Marke deuten auf eine Zunahme der wirtschaftlichen Aktivitäten hin. Volkswirte hatten mit einer Stimmungseintrübung gerechnet, sie waren aber im Schnitt von einem schwächeren Rückgang des Indikators auf 51,0 Punkte ausgegangen.
Allerdings zeigte sich in den einzelnen Bereichen der Wirtschaft ein unterschiedliches Bild. Während der Indikator für die Industriebetriebe überraschend gestiegen ist, ist er für den Dienstleistungsbereich unerwartet deutlich bis knapp oberhalb der Expansionsschwelle gefallen.
Nach Einschätzung von Chris Williamson, Chefvolkswirt bei S&P Global, "läuten die Alarmglocken für eine mögliche Stagflation". Er sieht den Grund für eine Konjunkturflaute bei gleichzeitig hoher Inflation bei den Folgen des Kriegs im Nahen Osten, "der die Preise spürbar in die Höhe treibt und gleichzeitig das Wachstum drosselt".
Noch sind die Antworten aus dem Unternehmerlager "verhältnismäßig gelassen ausgefallen", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Es hätte durchaus schlimmer kommen können." Allerdings wies der Experte auch darauf hin, dass Unternehmen geplante Einkäufe aus Furcht vor einer Unterbrechung von Lieferketten vorgezogen haben. Dies habe den Auftragseingang verbessert.
So zeigte sich in den deutschen Industriebetrieben trotz des Iran-Kriegs eine bessere Stimmung. Hier stieg der Indikator weiter über die Expansionsschwelle. In Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone nach Deutschland, konnte die Stimmung in den Industriebetrieben den Auswirkungen des Iran-Kriegs ebenfalls trotzen. Der Stimmungsindikator ist überraschend gestiegen und hielt sich über der Expansionsschwelle.
Nach Einschätzung von Robin Winkler, Chefvolkswirt für Deutschland bei der Deutschen Bank, deuten die Umfragedaten darauf hin, dass sich die Unternehmen auf eine langfristige Störung der globalen Lieferketten vorbereiten. Ähnlich wie während des Handelskonflikts mit den USA vor einem Jahr seien Aufträge vorgezogen worden.
Die Entwicklung im Überblick:
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Region/Index März Prognose Vormonat
EURORAUM
Gesamt 50,5 51,0 51,9
Industrie 51,4 49,6 50,8
Dienste 50,1 51,1 51,9
DEUTSCHLAND
Industrie 51,7 49,5 50,9
Dienste 51,2 52,5 53,5
FRANKREICH
Industrie 50,2 49,5 50,1
Dienste 48,3 49,0 49,6°
(Angaben in Punkten)
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