FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der jüngsten Stabilisierung hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag wegen der ungewissen Lage im Iran-Krieg wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent, der am Mittwochmorgen noch unter 100 Dollar gerutscht war, lag zuletzt mit 109 Dollar wieder deutlich über dieser Marke. Während des Iran-Kriegs ist er der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt.
Entsprechend schloss der Dax 1,50 Prozent im Minus bei 22.612,97 Punkten. Er blieb damit aber in der Spanne vom Montag, als er im Tagesverlauf bei widersprüchlicher Nachrichtenlage um spektakuläre 1.300 Punkte geschwankt hatte. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten verlor am Donnerstag letztlich 1,93 Prozent auf 28.264,78 Zähler.
Für Europas andere wichtige Börsen ging es ebenfalls abwärts. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 1,5 Prozent. Außerhalb des Euroraums verlor der Londoner FTSE 1,3 Prozent und der Züricher SMI 0,6 Prozent. In New York büßte der Dow Jones Industrial zuletzt 0,7 Prozent ein.
Aktuell pendelt der Nahost-Krieg weiter zwischen Drohkulisse und Diplomatie - bei widersprüchlichen Aussagen. Glaubt man dem US-Präsidenten Donald Trump, dann "fleht" der Iran um einen Deal. Trump warnte Teheran erneut vor Konsequenzen, sollte es zu keiner Einigung kommen. Der Iran müsse ernsthaft verhandeln, es gebe keinen Weg zurück. Die Folgen würden sonst "nicht schön" sein.
Wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtet, übermittelte der Iran in der Nacht zum Donnerstag eine Antwort auf den 15-Punkte-Vorschlag der USA für ein Kriegsende - unter anderem mit der Forderung nach einem Ende der Kampfhandlungen an allen Fronten. Teheran warte nun auf eine Antwort aus Washington, hieß es weiter. Der US-Sondergesandten Steve Witkoff sieht unterdessen gute Aussichten auf Erfolg. "Wir haben starke Anzeichen, dass es eine Möglichkeit gibt", sagte er bei einer Kabinettssitzung im Weißen Haus. "Ohne greifbare Ergebnisse schenken die Börsianer der Diplomatie keinen Glauben", kommentierte Stephan Innes von SPI Asset Management. Die Energiekosten seien nicht mehr bloß eine Gefahr, sie kämen in der Wirtschaft inzwischen immer stärker belastend an. Auch die Verbraucherstimmung leidet, wie Daten der Konsumforschungsinstitute GfK und NIM zeigen.
Angesichts der Konjunktursorgen gerieten vor allem die zuletzt stark erholten Rohstoffwerte wieder unter Druck. Hinzu kam, dass Worthington Steel in den USA nach Börsenschluss mit Geschäftszahlen enttäuschte. Am deutschen Markt verbuchten die Aktien der Metallhersteller Aurubis , Salzgitter und Thyssenkrupp Kursabschläge zwischen 3,6 und 4,5 Prozent.
Größter Verlierer im Dax waren die zuletzt deutlich erholten Siemens Energy mit minus 5,2 Prozent. Deutz verloren nach Geschäftszahlen im MDax 7,2 Prozent. Börsianern schmeckte das Profitabilitätsziel des Motorenbauers für 2026 nicht. Ähnlich erging es Kontron im SDax mit einem Abschlag von mehr als 14 Prozent. Der Spezialist für Produkte rund um das sogenannte Internet-der-Dinge (IoT) enttäuschte die Anleger mit seinem Gewinnziel für 2026. Auch KSB und Medios verloren prozentual zweistellig.
Gewinner waren rar gesät. Besonders deutlich ging es für Eckert & Ziegler und SMA Solar nach Zahlen empor. Der Solarzulieferer erreichte zwischenzeitlich einen Höchststand seit Juni 2024 und endete 8,2 Prozent höher./edh/jha/
Von Eduard Holetic, dpa-AFX