TEHERAN (dpa-AFX) - Der Iran hat ein weiteres Todesurteil im Zusammenhang mit den jüngsten Massenprotesten vollstreckt. Dem Mann wurde zur Last gelegt, bei den Aufständen im Januar in eine Militäranlage vorgedrungen zu sein, wie die mit der Justiz verbundene Nachrichtenagentur Misan berichtete. Drei weitere in dem Prozess verurteilte Männer wurden bereits hingerichtet.
Die Justiz wirft ihnen vor, in einen "militärisch klassifizierten Standort" der paramilitärischen Basidsch-Miliz in Teheran eingedrungen und dort Feuer gelegt zu haben. Ein versuchter Diebstahl von Waffen soll gescheitert sein.
Menschenrechtler sprachen von einem grob unfairen Prozess. "Diese Hinrichtungen sind Teil der Überlebensstrategie der Islamischen Republik, ein Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Schatten äußerer Konflikte", schrieb Mahmood Amiry-Moghaddam, Direktor der Organisation Iran Human Rights (IHRNGO), auf X.
Die Proteste waren Ende Dezember zunächst durch eine Wirtschaftskrise ausgelöst worden. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen jedoch zu politischen Aufständen gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Der Sicherheitsapparat ging brutal gegen die Proteste vor. Tausende Demonstranten wurden getötet. Mindestens sieben Männer wurden im Zusammenhang mit den Protesten bereits hingerichtet.
Menschenrechtsgruppen kritisieren seit Jahren die rigorose Anwendung der Todesstrafe im Iran und werfen den Behörden vor, Hinrichtungen auch als Mittel der Einschüchterung zu nutzen. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Menschenrechtsnetzwerks HRANA mehr als 2.000 Menschen hingerichtet - so viele wie seit Jahrzehnten nicht mehr./arb/DP/zb