LONDON/PARIS/MAILAND/OSLO (dpa-AFX) - Europäische Ölaktien haben am Mittwoch einen Teil ihrer kräftigen Gewinne seit Beginn des Iran-Kriegs abgegeben. Die Ankündigung einer zweiwöchigen Feuerpause zwischen den USA und dem Iran sorgte für einen deutlichen Rückgang der seit Ende Februar stark gestiegenen Ölpreise.
In London büßten die Aktien von BP 7,9 Prozent ein, während Shell um 6,7 Prozent nachgaben. Letztgenanntes Unternehmen hatte am Morgen ein laut Jefferies stark verlaufenes Raffinerie- und Handelsgeschäft gemeldet. Von RBC hieß es, dass Shells deutlicher Aufbau des Betriebskapitals "das derzeit beispiellose Umfeld widerspiegelt".
Das half im aktuellen Umfeld jedoch nur wenig, zumal die europäische Öl- und Gasbranche, der Stoxx Europe 600 Oil & Gas seit dem Kriegsbeginn in Nahost um rund 15 Prozent zugelegt hatte. Die Aktienmärkte insgesamt hatten dagegen im selben Zeitraum in dem von hohen Unsicherheiten geprägten geopolitischen Umfeld deutlich nachgegeben.
Entsprechend deutlich büßten auch andere Ölwerte in Europa ein. Im EuroStoxx sackten Totalenergies und Eni an das Ende des Leitindexes der Euroregion. Die französische Ölaktie gab um 6,6 Prozent nach, die italienische sank um 8,7 Prozent. In Oslo sackten Equinor sogar um knapp 13 Prozent ab.
Der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni war am Morgen um bis zu 16 Prozent auf 91,70 US-Dollar gefallen. Zuletzt lag er mit etwas über 95 Dollar noch rund 13 Prozent unter dem Niveau vom Vortag.
Grund ist, dass sich die USA und der Iran kurz vor dem Ablauf des jüngsten Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt hatten. Dazu gehört auch die Öffnung der Straße von Hormus, die von zentraler Bedeutung für den weltweiten Öl- und Gashandel ist.
Die Blockade dieser Meeresenge und die damit einhergehende Verknappung hatte die Ölpreise im vergangenen Monat in die Höhe schießen lassen - und dadurch auch die Aktienkurse der Öl-Konzerne. "Die OPEC-Staaten haben im März so wenig Öl in einem Monat gefördert wie zuletzt im August des Jahres 1990. Das war während des Golfkrieges", kommentiert etwa Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.
An diesem Mittwoch nun sei der Rohölpreis nicht nur gesunken, "er ist regelrecht abgestürzt, als die Risikoprämie wieder herausgerechnet wurde", schrieb Marktexperte Stephen Innes. Denn nachdem Washington durch den zweiwöchigen Waffenstillstand die drohende Eskalation nun entschärft hat, habe der Ölpreis "seine Funktion als Instrument globaler Angst" vorerst wieder verloren./ck/ag/jha/