Die Aktie des ehemaligen DAX-Konzerns Linde steht kurz vor dem Sprung auf ein neues Hoch. Die Aktie des britischen Wasserstoff-Spezialisten ITM Power ist nach dem Staatseinstieg bereits kräftig angesprungen. Dementsprechend präsentierte sich auch der Wasserstoff Europa Index in den vergangenen Wochen in einer starken Verfassung.
Denn gerade in Zeiten kräftig steigender Preise für Öl und Gas klingt die Idee weiterhin gut: Wird klimafreundlich erzeugter Wasserstoff verbrannt, steht als Abfallprodukt schlichtes Wasser. Daher könnte in Zeiten hoher Gaspreise vermehrt Wasserstoff in Kraftwerken anstelle von Erdgas verwendet werden. Auch in der Stahlerzeugung könnten Kohle und Koks langfristig durch Wasserstoff ersetzt werden. Doch woher soll er kommen?
Experten klingen angesichts der Entwicklung in den vergangenen Jahren etwas ernüchtert: "Bisher läuft der Hochlauf in praktisch allen Bereichen schleppend - sowohl bei der Elektrolyse als auch auf der Nachfrageseite, bei Speichern und auch beim Wasserstoffnetz", sagt etwa der Energiewirtschaftsexperte Wolf-Peter Schill vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Auch bei den geplanten Wasserstoff-Importen gebe es noch wenige konkrete Erfolge.
Die Politik hat aber reagiert: Seit Kurzem ist ein Gesetz in Kraft, das den Wasserstoffhochlauf beschleunigen soll. Um ihn zu schaffen, müsse die Infrastruktur schnell auf- und ausgebaut werden, sagt die Bundesregierung. Das Gesetz soll die Verfahren "einfacher, digitaler und schneller" machen.
Zur Infrastruktur gehören auch Wasser-Elektrolyseure: Das sind komplexe Anlagen, in denen Wassermoleküle (H₂O) mit Hilfe von Strom in ihre Bestandteile zerlegt werden, also Wasserstoff und Sauerstoff. Stammt der Strom aus erneuerbaren Quellen, wird der Wasserstoff "grün" genannt. Die Nationale Wasserstoffstrategie nennt als Ziel, 2030 eine Elektrolyseleistung von 10 Gigawatt (GW), also 10.000 Megawatt, in Deutschland installiert zu haben.
Davon ist Deutschland noch deutlich entfernt. "Der Hochlauf der Elektrolysekapazität geht deutlich langsamer voran als geplant", berichtete im Januar das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI). "Das Ziel von 10 GW Elektrolysekapazität bis zum Jahr 2030 wird vermutlich verfehlt."
Die installierte Leistung von Elektrolyseuren liege bislang bei 0,181 Gigawatt, weitere 1,3 Gigawatt seien beschlossen oder schon im Bau. "Zählt man alle bis zum Jahr 2030 angekündigten Projekte zusammen, könnte eine Gesamtkapazität von 8,7 Gigawatt erreicht werden."
Enthält Material von dpa-AFX