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Moskau-Reise: Baltenstaaten verweigern Überflug für Fico

Moskau-Reise: Baltenstaaten verweigern Überflug für Fico

19.4.2026 15:06:45 | Quelle: dpa | Lesedauer etwa 3 min.

TALLINN/RIGA/VILNIUS (dpa-AFX) - Der slowakische Regierungschef Robert Fico kann zum Weltkriegsgedenken in Russland nicht über die baltischen EU- und Nato-Staaten Estland, Lettland und Litauen fliegen. "Fico wird erneut keine Genehmigung erhalten, den estnischen Luftraum für einen Flug nach Moskau zur Teilnahme an der Parade am 9. Mai zu nutzen", teilte Estlands Außenminister Margus Tsahkna in Tallinn mit. Zuvor hatte Fico in einem Video selbst mitgeteilt, dass ihm Lettland und Litauen den Überflug verweigern. Offizielle Bestätigungen aus Riga und Vilnius lagen dazu zunächst nicht vor.

Russland begeht jedes Jahr am 9. Mai den "Tag des Sieges" - den russischen Feiertag zum Gedenken an den sowjetischen Sieg über Hitler-Deutschland. Bereits im Vorjahr hatten die an Russland grenzenden Baltenstaaten ihren Luftraum für Staats- und Regierungschefs gesperrt, die zu den Feierlichkeiten nach Moskau reisen wollten. Darunter war bereits im Vorjahr auch Fico - als einziger Gast aus Europa neben dem serbischen Staatschef Aleksandar Vucic.

Fico will erneut nach Moskau reisen

Auch für dieses Jahr hat Fico wieder seine Reise zur Gedenkveranstaltung in Moskau geplant. In einem Facebook-Video kündigte er vor zwei Wochen an, er wolle abgesehen von der gewohnten Kranzniederlegung am Gefallenendenkmal in Bratislava-Slavin an drei internationalen Veranstaltungen teilnehmen. Die erste Station sei das ehemalige Konzentrationslager in Dachau, wofür er noch keinen konkreten Termin nannte. Am 9. Mai sollte Moskau folgen und im Juni die Normandie, wo jener Soldaten gedacht werde, die mit ihrer Landung eine zweite Front eröffnet hätten.

Er wolle "seine Ehrerbietung allen erweisen, die gegen den Faschismus kämpften, und jenen, die seine Opfer wurden und unglaubliches Leid ertragen mussten", sagte Fico in dem Video. Er kritisierte in der Vergangenheit wiederholt, dass westliche Staaten am Gedenken in Moskau nicht teilnehmen und forderte ein Auseinanderhalten von aktuellen Konflikten und dem gemeinsamen Gedenken.

Kein Überflug für Moskau-Freunde

Tsahkna betonte, das Estlands Position eindeutig sei: Kein Land dürfe den estnischen Luftraum nutzen, um die Beziehungen zu Russland zu stärken, solange Moskau weiterhin internationale Normen missachte und seine Aggressionen gegen die Ukraine und die Sicherheit Europas fortsetze. Estland und die beiden anderen Baltenstaaten sind enge Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt.

Estland, Lettland und Litauen waren im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von der Sowjetunion und Deutschland besetzt. Nach Kriegsende blieben sie bis 1991 gezwungenermaßen Teil der Sowjetunion. Die meisten Esten, Letten und Litauer sehen den 9. Mai daher nicht als Tag des Sieges über Hitler-Deutschland, sondern als Beginn der erneuten Besatzung ihrer Heimatländer durch die Sowjetunion./awe/DP/he