UniCredit-CEO Andrea Orcel hat mit seiner Kritik an der Commerzbank-Führung gestern noch einmal nachgelegt. Erstmals haben die Mailänder einen detaillierten Plan vorgelegt, was im Fall einer Fusion passieren soll. Unter dem Strich geht es um einen krassen Umbau. Für Aktionäre gibt es indes auch Positives.
In einer Telefonkonferenz kritisierte Orcel gestern den Commerzbank-Vorstand, nur auf kurzfristige Ergebnisse ausgerichtet zu sein. Darüber berichtete die Börsen-Zeitung. Es gebe strukturelle Defizite bei dem Geldhaus, die Konzentration solle seiner Meinung nach auf die Märkte Deutschland und Polen sowie das Mittelstandsgeschäft konzentriert sein und nicht auf internationale Aktivitäten.
Natürlich sieht die UniCredit auch größeres Einsparpotenzial: Allerdings behauptet Orcel, der Großteil der Kostensenkungen betreffe nicht das Personal und überhaupt würden weniger als 30 Prozent der Maßnahmen nur Deutschland betreffen. Der Nettogewinn im Jahr 2028 könne um 900 Millionen Euro höher ausfallen als die vom Vorstand anvisierten 4,2 Milliarden Euro.
Der Druck auf den Vorstand der Commerzbank hat sich nun deutlich erhöht. Die Unicredit hat ein 34-seitiges Konzept vorgelegt, was nach einer Fusion passieren soll. Damit kann sich die Commerzbank eigentlich ernsthaften Gesprächen nicht mehr verweigern. Für Orcel dürfte es nun auch einfacher werden, die eigenen Aktionäre an der außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai von einer Kapitalerhöhung zu überzeugen. Diese ist notwendig, um für das anschließende freiwillige Übernahmeangebot an die Commerzbank-Anteilseigner ausreichend Papiere parat zu haben.