MANNHEIM (dpa-AFX) - Der Iran-Krieg hat die ZEW-Konjunkturerwartungen stärker eingetrübt als befürchtet. Das Stimmungsbarometer des Forschungsinstituts ZEW für den Monat April fiel gegenüber dem Vormonat um 16,7 Punkte auf minus 17,2 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung am Dienstag in Mannheim mitteilte. Es ist der niedrigste Stand seit 2022. Volkswirte hatten im Schnitt einen viel moderateren Rückgang auf minus 5,8 Punkte erwartet. Der Rückgang der Konjunkturerwartungen im April folgte auf einen Einbruch um 58,8 Punkte im März.
"Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs für die deutsche Konjunktur gehen weit über den Anstieg der Preise hinaus: Die Sorge vor einer längerfristigen Verknappung des Energieangebots hemmt Investitionen und schwächt die Wirkung staatlicher Impulse", schrieb ZEW-Präsident Achim Wambach.
Die Erwartungen mit Blick auf die Industriebranchen stehen dem Institut zufolge weiter unter dem Eindruck des Iran-Krieges. So verschlechtern sich die Aussichten für die Chemie- und Pharmaindustrie sowie die Stahl- und Metallproduktion stark. Die Erwartungen für die Baubranche rutschten ins Negative, während sie für die Automobilbranche auf sehr niedrigem Niveau weitgehend stabil geblieben seien.
"Damit zeigt sich einmal mehr, dass der seit mehr als sieben Wochen währende Nahost-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus Spuren hinterlassen", kommentierte Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Verunsicherung sei trotz Friedensbemühungen groß. Zudem wiesen die Energiepreise ungeachtet der bereits erfolgten Rückgänge noch ein hohes Niveau auf, wodurch dem Experten zufolge Inflations- und Konjunktursorgen aufkommen.
Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank blickte indes recht zuversichtlich in die Zukunft: "Das Infrastruktur- und Rüstungsprogramm der deutschen Bundesregierung wird weiter seine positive Wirkung auf die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten entfalten." Gerade deshalb rechne er nicht damit, dass der Wachstumseinbruch so stark ausfallen wird, wie es die ZEW-Konjunkturerwartungen derzeit nahelegten.
Derweil hat sich die immer noch sehr schwache Bewertung der aktuellen Lage verschlechtert. Der entsprechende Indikator fiel um 10,8 Punkte auf minus 73,7 Punkte. Ökonomen hatten auch hier einen weniger deutlichen Rückgang erwartet.
In der Eurozone insgesamt zeigte sich bei den Erwartungen ein ähnliches Bild wie in Deutschland. Die Erwartungskomponente fiel um 11,9 Punkte auf minus 20,4 Punkte. Auch die Bewertung der aktuellen Lage trübte sich ein. Diese sank um 13,1 auf minus 43 Punkte./la/jha/