Crédit Mutuel Asset Management: Europäischer Markt für Elektrofahrzeuge: Suche nach Rohstoffen
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EQS-News: La Française Group / Schlagwort(e): Nachhaltigkeit/Nachhaltigkeit
Crédit Mutuel Asset Management: Europäischer Markt für Elektrofahrzeuge:
Suche nach Rohstoffen
24.04.2026 / 09:03 CET/CEST
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Europäischer Markt für Elektrofahrzeuge: Suche nach Rohstoffen
Von Elodie Chrzanowski, Deputy Head of Credit Research and ESG, Crédit
Mutuel Asset Management
Fertiggestellt am 22. April 2026
Crédit Mutuel Asset Management ist eine Asset-Management-Gesellschaft der
Groupe La Française, der Holdinggesellschaft für den
Asset-Management-Bereich der Crédit Mutuel Alliance Fédérale.
Europas Umstellung auf Elektromobilität gewinnt an Fahrt. Nach einer
vorübergehenden Verlangsamung im Jahr 2024, als die Verkäufe von
Elektrofahrzeugen (EV) um nur +1 % [1] stiegen, erholte sich der Markt 2025
mit einem Wachstum von +34 % kräftig. Diese Erholung wurde durch ein
breiteres Angebot an Einstiegs- und Mittelklasse-Modellen sowie durch ein
regulatorisches Umfeld vorangetrieben, das zunehmend auf die
Dekarbonisierung des Verkehrs ausgerichtet ist [2].
Natürlich verändert diese Beschleunigung die Wertschöpfungsketten im
gesamten europäischen Automobilsektor und rückt die starke Abhängigkeit der
Region von kritischen Rohstoffen deutlich in den Fokus. Um dieser
Herausforderung zu begegnen, ist ein koordinierter Maßnahmenmix
erforderlich: Eine Kombination aus Nachfrageförderung, gezielter
Reindustrialisierung und größerer Versorgungssicherheit.
Strukturelles Wachstum
Der Absatz von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) und
Plug-in-Hybridfahrzeugen (PHEV) in Europa wird zwischen 2025 und 2030
voraussichtlich um 15 % bzw. 18 % pro Jahr steigen [3]. Bis zum Ende des
Jahrzehnts könnten BEV rund 42 % des europäischen Pkw-Marktes ausmachen,
verglichen mit etwa 16,4 % im Jahr 2026.
Gleichzeitig vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel in der Wertverteilung
bei Fahrzeugen. Bei einem BEV entfallen rund 50 % des Gesamtwerts auf den
elektrischen Antriebsstrang, wobei allein die Batterie fast 35 % ausmacht.
Im Gegensatz dazu machen bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor Motor und
Getriebe nur etwa 18 % des Gesamtwerts aus. Batterien und die zu ihrer
Herstellung benötigten Materialien gewinnen daher zunehmend strategische
Bedeutung.
Kritische Abhängigkeit
Europa und seine Elektrofahrzeugindustrie sind nach wie vor stark von
importierten Rohstoffen abhängig. Die Region bezieht rund 99 % ihres
Naturgraphits, 96 % ihres Mangans, mehr als 80 % ihres Lithiums und Kobalts
sowie fast 98 % ihrer raffinierten Seltenen Erden aus dem Ausland -
hauptsächlich aus China [4]. Diese Abhängigkeit ist besonders ausgeprägt bei
Permanentmagneten, die für Elektromotoren unverzichtbar sind und bei denen
China rund 90 % der weltweiten Raffination und Produktion kontrolliert.
Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen verdeutlichen die mit dieser
Abhängigkeit verbundenen Risiken. So kündigte China beispielsweise am 13.
Oktober 2025 neue Exportkontrollen für Dual-Use-Technologien an. Diese
Maßnahmen zielen zwar in erster Linie auf verteidigungsrelevante Anwendungen
ab, könnten jedoch die Lieferkette der Automobilindustrie stören, indem sie
den Zugang zu wichtigen Kathoden- und Anodenmaterialien einschränken.
Wichtig ist, dass diese Abhängigkeit nicht auf mangelnde geologische
Ressourcen zurückzuführen ist. In den 1980er Jahren gehörte Europa zu den
führenden Produzenten von Seltenerdelementen [5]. Strengere Umweltauflagen
und eine geringere Erzqualität führten jedoch nach und nach zu steigenden
Produktionskosten, während China seine Produktion ausbaute - unterstützt
durch niedrigere Arbeitskosten, reichhaltige Vorkommen und weniger strenge
Umweltauflagen. Heute hängt die Wiederbelebung des heimischen Bergbausektors
in Europa von mehreren Faktoren ab: der Qualität der Lagerstätten, der
Geschwindigkeit der Projektentwicklung, dem Zugang zu Finanzmitteln, den
Veredelungskapazitäten und der öffentlichen Akzeptanz von
Bergbauaktivitäten.
Recycling: eine Teillösung, aber erst in 15 Jahren
Vor diesem Hintergrund stellt Recycling einen strategischen Hebel dar. Das
2024 verabschiedete Gesetz über kritische Rohstoffe [6] legt ein klares Ziel
fest: Bis 2030 sollen mindestens 25 % des jährlichen Verbrauchs an
kritischen Rohstoffen in Europa durch Recycling gedeckt werden. Im Falle von
Batterien könnte das Recycling in einem Netto-Null-Szenario den Bedarf an
neuer Rohstoffgewinnung für mehrere wichtige Mineralien um 10 % bis 30 %
senken.
Recycling bietet zudem einen doppelten Nutzen. Einerseits sichert es die
heimische Versorgung mit Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer oder Graphit und
schützt vor geopolitischen Schocks. Andererseits bringt es ökologische
Vorteile mit sich: Die Herstellung einer Tonne recyceltem Aluminium
verursacht bis zu 97 % weniger CO-Emissionen als die Primärproduktion [7],
wobei bei anderen Batteriemetallen ähnliche Einsparungen erzielt werden.
Allerdings sind die Recyclingquoten nach wie vor uneinheitlich. Während sie
bei Stahl und Aluminium relativ hoch sind, liegen sie bei Seltenen Erden mit
weltweit nur 5 % bzw. 10 % weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau [8].
Hinzu kommt ein zeitlicher Engpass: Da die Lebensdauer von Batterien bei
etwa 15 Jahren liegt, ist es unwahrscheinlich, dass die ersten wirklich
nennenswerten Mengen an recycelten Materialien vor 2040 verfügbar sein
werden. Bis dahin wird das Marktwachstum weiterhin weitgehend von der
Primärgewinnung abhängen.
Politische Reaktion Europas
Um diesen Problemen zu begegnen, hat sich Europa zu einer Strategie der
gezielten Reindustrialisierung verpflichtet. Das Gesetz über kritische
Rohstoffe legt ehrgeizige Ziele für 2030 fest: 10 % heimische Gewinnung, 40
% Verarbeitung innerhalb Europas und eine Obergrenze von 65 % für die
Abhängigkeit von einem einzelnen Drittland.
Die Europäische Kommission hat bereits 47 strategische Projekte in 13
Mitgliedstaaten identifiziert, für die ein Investitionsbedarf von insgesamt
rund 22 Milliarden Euro besteht. Diese Projekte umfassen die Bereiche
Gewinnung, Verarbeitung und Recycling. Gleichzeitig zielt der im Dezember
2025 verabschiedete "ResourceEU"-Plan [9] darauf ab, rund 3 Milliarden Euro
an öffentlichen Mitteln zu mobilisieren, um Projektrisiken zu mindern, die
Beschaffung zu koordinieren, strategische Bevorratung zu unterstützen und
Investitionsentscheidungen zu beschleunigen.
Trotz dieser Initiativen ist klar, dass sich die europäische Strategie zur
Versorgungssicherheit nicht allein auf die heimische Produktion stützen
kann. Die Europäische Union schließt daher zunehmend Kooperationsabkommen
mit Ländern, die über wichtige Rohstoffe oder Raffineriekapazitäten
verfügen, darunter Kanada, Australien, mehrere Länder in Lateinamerika und
Afrika sowie Indonesien im Bereich Nickel. Diese Abkommen zielen darauf ab,
Investitionen zu erleichtern und Umwelt- und Sozialstandards zu
harmonisieren. Parallel dazu investieren einige Mitgliedstaaten direkt in
Bergbau- oder Raffinerieprojekte außerhalb Europas, um industrielle
Lieferverträge zu sichern.
Das rasante Wachstum des europäischen Marktes für Elektrofahrzeuge spiegelt
einen strukturellen Trend wider, offenbart aber auch Schwachstellen bei der
Versorgung mit kritischen Rohstoffen. Die sichere Verfügbarkeit dieser
Ressourcen und die Entwicklung von Recyclingverfahren werden entscheidend
für den Erfolg dieser Transformation sein. In diesem Zusammenhang erscheint
die Energiewende ebenso sehr als eine Frage der Souveränität wie als eine
langfristige Investitionschance.
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Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 3.871.680 EUR, RCS Paris Nr. 388 555
021.
[1] Jefferies, 9. März 2026: Made in Europe: Ein Katalysator für die
europäische Industrie? Europas Strategie für Nachhaltigkeit und Wandel
[2] Jefferies, 9. März 2026: Made in Europe: Ein Katalysator für die
europäische Industrie? Europas Strategie für Nachhaltigkeit und Wandel
[3] Jefferies, 9. März 2026: Made in Europe: Ein Katalysator für die
europäische Industrie? Europas Strategie für Nachhaltigkeit und Wandel
[4] Kepler Chevreux, Transition Enablers, 11.04.2025, Die Rolle kritischer
Mineralien in Europa, Josep Pujal
[5] Kepler Chevreux, Transition Enablers, 11.04.2025, Die Rolle kritischer
Mineralien in Europa, Josep Pujal
[6] Europäische Kommission. Europäisches Gesetz über kritische Rohstoffe,
Verordnungsvorschlag 2023/0079:
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_23_1661
[7] J.P.Morgan 17. November 2025 Global Research / Sustainable Investing
Research. The Sustainable Investor. Kritische Mineralien: Alpha bei Aktien
und Anleihen erschließen
[8] J.P.Morgan Asia Pacific Equity Research. Transition Talks Kritische
Mineralien, Kritische Veränderungen: Erkenntnisse aus der Expertenrunde zu
Seltenen Erden 30. September 2025
[9] Kommission verabschiedet RESourceEU zur Sicherung von Rohstoffen, zum
Abbau von Abhängigkeiten und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
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