MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April wegen des Iran-Kriegs weiter deutlich verschlechtert und den tiefsten Stand seit der Corona-Krise erreicht. Das Ifo-Geschäftsklima fiel um 1,9 Punkte auf 84,4 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut am Freitag in München mitteilte. Dies ist der niedrigste Wert seit Mai 2020. Analysten hatten zwar einen erneuten Dämpfer erwartet, waren aber im Schnitt nur von einem leichten Rückgang auf 85,7 Punkte ausgegangen. Nach dem zweiten Rückschlag in Folge sehen Ökonomen die konjunkturelle Erholung in Deutschland bedroht.
"Die Hoffnungen auf einen Aufschwung sind vorerst dahin", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Die befragten Unternehmen haben ihre aktuellen Geschäfte und die künftigen Erwartungen schlechter eingeschätzt. Die Erwartungen an die künftigen Geschäfte sind dabei besonders deutlich auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren gefallen.
"Der Iran-Krieg macht die deutsche Konjunktur langsam aber sicher kaputt", kommentierte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, das Ergebnis der Umfrage. Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima laut Ifo besonders deutlich eingetrübt. Hier habe sich der Einbruch der Erwartungen fortgesetzt, heißt es in der Mitteilung des Forschungsinstituts. Demnach stehe die Logistikbranche besonders stark unter Druck. "Dort sind die Aussichten düster", schreiben die Ifo-Experten.
Auch in den Industriebetrieben hat sich das Geschäftsklima verschlechtert, insbesondere in den Unternehmen der chemischen Industrie. Allerdings haben die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes ihre aktuelle Lage etwas besser eingeschätzt. Laut der Umfrage berichten sie aber zunehmend von Lieferengpässen bei Vorprodukten.
"Kaum gab es zarte Knospen einer wirtschaftlichen Trendwende, macht der Iran-Krieg einem Aufschwung einen Strich durch die Rechnung", kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank das Ergebnis der Ifo-Umfrage. Vor allem die gestiegenen Energiepreise belasten auf vielfältige Weise. Unter anderem leide der private Konsum. Aber auch die Unternehmen würden unter hohen Energiekosten leiden und "sind gleichzeitig verunsichert, wie es in den kommenden Wochen weitergeht"./jkr/la/jha/