(neu: Aussagen aus der Analystenkonferenz, Kurs, weiterer Analyst)
BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Hohe Kosten für den Konzernumbau und ungünstige Wechselkurse haben den Jahresstart beim Dialyseanbieter Fresenius Medical Care (FMC) überschattet. So schmälern etwa die Ausgaben für die US-Einführung eines modernen Dialysegeräts die Gewinne. Viel Geld verschlingt auch die weitere Verkleinerung des Klinik-Netzes. Konzernchefin Helen Giza hatte deshalb 2026 schon längst zum "Übergangsjahr" hin zu einer besseren Zukunft erklärt und bestätigte nun am Dienstag zur Zahlenvorlage ihre Ziele. Die Aktie gab trotz getroffener Markterwartungen jedoch nach.
Experten bemängelten an der Quartalsbilanz der Bad Homburger vor allem ein schwaches Wachstum auf dem wichtigen US-Markt. Die Papiere sackten am Nachmittag um 8,8 Prozent auf 35,45 Euro ab und waren Schlusslicht im Dax .
Laut Analyst David Adlington von der US-Bank JPMorgan hat FMC zum Jahresstart zwar im Rahmen der Erwartungen abgeschnitten. Der Schub sei aber vor allem durch zeitlich begrenzte höhere Pauschalen für neue Medikamente gekommen. Dieser starke regulatorische Rückenwind in den USA dürfte im ersten Quartal wohl den Höhepunkt markiert haben und sich im zweiten Halbjahr sogar in Gegenwind umkehren, befürchtet der Experte. Er kritisierte zudem, dass sich die Dynamik bei den Behandlungszahlen in den USA zum Jahresstart weiter verschlechtert habe.
Expertin Veronika Dubajova von der Citigroup wies darauf hin, dass das Behandlungsvolumen auf vergleichbarer Basis im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,4 Prozent zurückgegangen sei. Sie habe mit einem nur halb so starken Minus gerechnet. Das Wachstum auf dem US-Markt sei aber der Schlüssel für eine spürbare Erholung der operativen Ergebnisse.
Das schwache Behandlungsvolumen sei schlechten Wetterbedingungen im Januar und Februar geschuldet, sagte Giza in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Auch kämpft der Konzern lange nach dem Ende der Pandemie noch immer mit erhöhten Sterblichkeitsraten unter den Dialyse-Patienten. Die Mortalitätsquote dürfte sich aber schon "in nächster Zeit" durch das neue Dialyesesystem "5008X" bessern, prophezeite die Managerin.
"Hochzufrieden" zeigte sie sich mit den Fortschritten bei dessen Einführung. Das Gerät ist für die sogenannte hochvolumige Hämodiafiltration (HVHDF) konzipiert. Dieses Verfahren gilt als schneller und effektiver in der Blutwäsche. Es zeigten sich bereits erste positive Effekte auf bestimmte Infektionsraten der Behandelten, betonte die Managerin.
In den ersten drei Monaten bis Ende März sanken die Erlöse jedoch noch im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern in Bad Homburg mitteilte. Erhebliche negative Währungseffekte hätten alle drei Segmente belastet. Zu konstanten Wechselkursen hätte sich ein Zuwachs von 3 Prozent ergeben.
Während FMC in dem Quartal in seinem wichtigen US-Dialysegeschäft noch von den vorteilhaften Vergütungsregeln profitierte, wirkten sich im Produktgeschäft unter anderem Chinas strengeres Vorgehen bei der Beschaffung und Ausschreibung für Medikamente aus.
Das bereinigte operative Ergebnis des Konzerns kletterte zwar nominal um 2 Prozent und währungsbereinigt gar um 10 Prozent auf 467 Millionen Euro. Unter dem Stich schmolz der Konzerngewinn aber um 22 Prozent auf 118 Millionen Euro Grund waren auch Umbaukosten. So fielen etwa 166 Millionen Euro hauptsächlich für weitere Klinikschließungen an.
Nachdem sich der Konzern bereits in der Vergangenheit von unrentablen Kliniken getrennt hatte, dünnt FMC nun sein Netz weiter aus. Zuletzt seien 64 von bis zu 100 vor dem Aus stehende Standorten geschlossen worden, teilte FMC weiter mit. "Das Unternehmen geht davon aus, dass es den Großteil seiner Dialysepatienten in benachbarten Kliniken weiterbehandeln kann." Stand Ende März verfügte das Unternehmen noch über knapp 3600 Kliniken.
Seit mehr als drei Jahren läuft im Konzern ein Spar- und Restrukturierungsprogramm, dessen Ziele Giza mehrfach aufgestockt und die Laufzeit verlängert hat. Insgesamt soll bis 2027 die Neuorganisation eine Ersparnis von 1,2 Milliarden Euro bringen, wie FMC bekräftigte. Dazu wurden auch tausende Stellen gestrichen. Zudem zog sich der Konzern aus margenschwachen Randbereichen und schwierigen Märkten zurück. Auch das Produktions- und Liefernetzwerk wurde optimiert.
Für 2026 rechnet FMC mit 250 Millionen Euro an nachhaltigen Einsparungen, denen Kosten von 350 Millionen gegenüberstehen. Zudem erwartet das Management unverändert, dass das bereinigte operative Ergebnis zu konstanten Wechselkursen um einen mittleren einstelligen Prozentbereich steigt oder fällt. Der Umsatz soll währungsbereinigt auf dem Vorjahresniveau von gut 19,6 Milliarden Euro herauskommen. Bis 2030 hat FMC bereits eine steigende Marge auf einen Wert im mittleren Zehnerprozentbereich vorhergesagt. Dies soll neben den Kostensenkungen auch durch das neue Dialysegerät erreicht werden./tav/jha/he