WÜRZBURG (dpa-AFX) - "Die Tagespost" zu Performance des Bundeskanzlers:
"Friedrich Merz ist bald ein Jahr Kanzler. Doch er führt nicht, sondern verwaltet den Status quo. Adenauer und Kohl wurden verehrt, Merkel respektiert - Merz bleibt blass. Früher hatte man den Eindruck, dass Staatsmänner Geschichte gestalten wollten. Merkel ging Risiken ein und zeigte politische Führung, indem sie Entscheidungen traf, die sie persönlich prägten. Genau diese Konsequenz fehlt Merz. Er wirkt wie ein Zauderer, der seinen Laden nicht im Griff hat. Ein Kanzler in der Zeitenwende müsste führen, Perspektiven geben und ein Narrativ schaffen. Stattdessen erklärt Merz kleinteilig Reformen, ohne Orientierung zu bieten. Er ist zum Verwalter geworden, der zwischen widersprüchlichen Kräften ausgleicht. Auch daraus ließe sich ein Narrativ entwickeln - doch dazu fehlt ihm das kommunikative Talent. Solange es da noch keinen Kandidaten für die Nachfolge gibt, steht der Kanzler nur auf der Kippe. Aber wenn ein starker Windhauch kommt, von links - Wüst? - oder von rechts - Söder? - könnte er tatsächlich fallen."/yyzz/DP/he