FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Die Stimmung wirkt stabil, doch unter institutionellen Investoren zeigt sich laut Joachim Goldberg eine starke Polarisierung: Optimisten (+6?PP) und Pessimisten (+8?PP) wachsen gleichzeitig. Trotz DAX-Ausbruch nach oben sind die Optimisten (50?%) kein großes Hindernis.
6. Mai 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass der DAX nicht genug Kraft besitze, um sich nachhaltig nach oben zu entwickeln. Die immer wechselnde und das Marktgeschehen beherrschende Nachrichtenlage zum Iran-Krieg, insbesondere die Entwicklung bei der Straße von Hormus, ließen vor allen Dingen für europäische Aktien zunächst kaum Aufwärtsmomentum zu. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Kursrückschläge sich in Grenzen hielten und damit für ein insgesamt doch stabiles Aktienbild sorgten.
Und tatsächlich sorgte über Nacht neu aufgekeimter Optimismus dafür, dass selbst dem DAX endlich wieder einmal ein deutlicher Sprung nach oben gelang. Und obwohl geopolitische Nachrichten das Handelsgeschehen bestimmen, taucht hier und da eine Reminiszenz zur umstrittenen Börsenregel "Sell in May" in Form eines Kommentars auf. Zumindest in der ersten Sentiment-Woche zum Monat Mai können wir aber stichpunktbezogen ein Plus von 3,1 Prozent verbuchen, nicht gerade eine Einladung, diesem alten Mythos Folge zu leisten.
Nun scheint die abgelaufene Sentiment-Woche ganz unterschiedliche Reaktionen bei den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont ausgelöst zu haben. Denn es haben sich zwei deutliche Meinungs-Lager gebildet. Zum einen das der Bullen, das um 6 Prozentpunkte gewachsen ist, während wir auf der anderen Seite die Gruppe der Bären mit dem größeren Zuwachs von 8 Prozentpunkten vorfinden.
Starke Polarisierung
Mit anderen Worten: Die heutige Erhebung hat eine recht deutlich erhöhte, asymmetrische Polarisierung zwischen Bullen und Bären ergeben, weswegen unser Deutsche Börse Sentiment-Index nur um 2 Punkte auf einen neuen Stand von +15 zurückfällt. Die Gruppe derjenigen, die von einem unveränderten DAX ausgehen, hat sich fast halbiert und macht nur noch 15 Prozent aller Befragten aus.
Bei den Privatanlegern stellen wir netto ebenfalls wenig Stimmungsveränderungen fest, denn der Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel steigt gerade einmal um 2 Punkte auf einen neuen Stand von +6. Während diejenigen, die wir über Social Media befragen, wenig verändert weiterhin bullish ausgerichtet sind, ergibt sich bei den übrigen Anlegenden, ähnlich wie bei den institutionellen Investoren, ebenfalls eine Polarisierung zwischen Bullen und Bären, wenngleich nicht so stark. Allerdings steigt der Stimmungsindex in dieser Untergruppe um einen Punkt auf den neuen Stand von -3.
Rückkehr der ausländischen Nachfrage?
Damit hat sich die Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren gegenüber der Vorwoche minimal verringert. Dennoch sticht vor allem die starke Polarisierung zwischen Bullen und Bären bei den institutionellen Investoren heraus, die auf den ersten Blick etwas seltsam anmutet. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass sich ein Teil der neuen Pessimisten aus vormals bullischen Akteuren ergibt, die im Vertrauen auf eine anhaltende Seitwärtsbewegung des DAX Gewinne mitgenommen und ihre Engagements möglicherweise sogar um 180° gedreht haben. Die große Gruppe neuer Optimisten wird jedoch überwiegend von vormals neutral eingestellten Investoren gebildet, von denen zumindest ein großer Teil offenbar daran glaubt, dass der DAX gegenüber US-Aktien womöglich noch Nachholbedarf hat.
Der derzeitige Optimismus bei den institutionellen Investoren, der nicht sehr ausgeprägt ist, relativiert sich ohnehin bei der Sicht auf drei Monate bzw. der Entwicklung seit Jahresbeginn, bei der wir sogar eine leicht negative Note vorfinden. Unter dem Strich hat sich so die Sentiment-technische Lage gegenüber der Vorwoche verbessert, wobei wir an der Oberseite zwar mit Angebot durch Gewinnmitnahmen aus bullischen Positionen rechnen, denen allerdings auch Stop-Loss-Käufe bearish eingestellter Akteure gegenüberstehen könnten. Denn das bisherige Rekordhoch beim DAX scheint mit einem Male nicht mehr allzu weit entfernt. Ob sich allerdings ein nachhaltiger Aufwärtstrend entwickelt, hängt auch von langfristig orientierten Nachfragern, vornehmlich aus dem Ausland, ab, die nach längerer Enthaltsamkeit letztlich ebenfalls wieder an einen deutlich steigenden europäischen Markt glauben müssen.
von Joachim Goldberg
6. Mai 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)