BERLIN (dpa-AFX) - In der Pflegeversicherung droht ohne Einsparungen und Reformen in den kommenden zwei Jahren eine Finanzlücke von mehr als 22,5 Milliarden Euro. Das geht aus Äußerungen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in der "Rheinischen Post" hervor. Zuerst hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber berichtet.
"Auch in der sozialen Pflegeversicherung übersteigen die Ausgaben seit Jahren die Einnahmen", sagte Warken der "Rheinischen Post" (Samstag). In der Vergangenheit beschlossene Leistungsausweitungen würden sich rächen. "Das dadurch entstandene Defizit würde im Jahr 2027 bei über 7,5 Milliarden Euro liegen, 2028 bereits bei über 15 Milliarden Euro und bis 2030 immer weiter anwachsen", sagte Warken.
Deutlich mehr Pflegeleistungen
Bereits in diesem Jahr sei die Zahlungsfähigkeit der Pflegekassen gefährdet, sagte Warken. "Es werden immer mehr Menschen als pflegebedürftig eingestuft, was aber nur zu einem kleinen Teil mit der demografischen Entwicklung zu erklären ist."
Bis Mitte Mai will die CDU-Politikerin Vorschläge für eine Pflegereform vorlegen, um die Finanznot der Kassen zu lindern. Erst vor wenigen Tagen hatte eine Studie für den Spitzenverband der Krankenkassen gezeigt, dass immer mehr Menschen in Deutschland Geld von der Pflegeversicherung bekommen. Als Ursache gilt die Umstellung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade 2017. Leistungen gibt es demnach häufiger - und in einem früheren Stadium.
Warten auf Reform
Warken sagte: "Seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs hat sich die Zahl der Anspruchsberechtigten verdoppelt und liegt mit über sechs Millionen Menschen weit höher, als damals prognostiziert wurde." Personengruppen würden erfasst, von denen das damals niemand gedacht habe. Warken nannte explizit viele Kinder und Jugendliche mit ADHS.
Laut FAZ (Samstag) legte Warken die neuen Zahlen den Gesundheitsministern der Länder bei der Vorstellung ihres geplanten Gesetzes zur Neuordnung der Pflegeversicherung vor. Details dazu nannte das Blatt nicht./bw/DP/men