LONDON/FRANKFURT (dpa-AFX) - Der scheidende Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Luis de Guindos, will vor der Entscheidung über eine mögliche Zinserhöhung trotz der gestiegenen Inflationserwartungen nach dem Ölpreisschock zunächst mehr Daten abwarten. In einem am Montag veröffentlichten Interview mit der "Financial Times" sage er, dass er der Zinsentscheidung im Juni nicht vorgreifen wolle. Vielmehr sprach er sich dafür aus, die Konjunkturdaten der kommenden Wochen und die weitere Entwicklung im Iran-Krieg abzuwarten.
"Deshalb würde ich zur Vorsicht mahnen", sagte de Guindos, dessen Amtszeit in diesem Monat enden wird. Die Auswirkungen auf das Wachstum werden seiner Einschätzung nach in den kommenden Wochen sehr viel deutlicher zutage treten. "Zudem benötigen wir weitere Klarheit in Bezug auf den Konflikt."
Zuvor hatten sich EZB-Vertreter mehr oder weniger deutlich für eine Zinserhöhung bei der nächsten Zinsentscheidung im Juni ausgesprochen, darunter Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel. Hintergrund ist die höhere Inflation wegen der Folgen des Iran-Kriegs, die in der Eurozone zuletzt wieder deutlich über das von der EZB angepeilte Zielmaß von mittelfristig zwei Prozent gestiegen ist.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zuletzt in der vergangene Woche erklärt, dass die EZB ständig hin- und hergerissen sei zwischen dem Risiko, zu schnell zu reagieren, und dem Risiko, zu spät zu reagieren. Vielmehr sei es "wichtig den richtigen Weg finden, um unsere Volkswirtschaften hin zu jener mittelfristigen Inflationsrate von 2 Prozent zu steuern", sagte die Notenbankpräsidentin./jkr/jsl/mis