LA PAZ (dpa-AFX) - In Bolivien sieht sich Präsident Rodrigo Paz sechs Monate nach seinem Amtsantritt mit eskalierenden Protesten und Straßenblockaden konfrontiert. Die bereits seit zwei Wochen andauernden Straßensperren durch Demonstranten rund um die Hauptstadt La Paz führen mittlerweile zudem zu einem Mangel an Lebensmitteln und Treibstoff in der Metropole.
An den Protesten in dem südamerikanischen Land sind neben Bergbauarbeitern, Landwirten und Lehrern auch Anhänger des ehemaligen Staatschefs Evo Morales beteiligt. Einige Gruppen protestieren gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und fordern Lohnerhöhungen, andere wollen den Rücktritt des Präsidenten erreichen. Das Land steckt seit Jahren in einer tiefen Wirtschaftskrise, die immer wieder Proteste auslöst.
Washington kritisiert angeblichen Destabilisierungsversuch
Präsident Paz ist seit November im Amt. Er gehört der christdemokratischen Partei Partido Demócrata Cristiano an, die der politischen Mitte zugeordnet wird. Sein Wahlsieg führte zum Ende einer fast zwei Jahrzehnte währenden Ära linker Regierungen in Bolivien, das lange vom Machtkampf zwischen Morales und seinem ebenfalls linken Nachfolger Luis Arce geprägt war.
Das US-Außenministerium verurteilte in einem X-Post "alle Handlungen, die darauf abzielen, die demokratisch gewählte Regierung von Rodrigo Paz zu destabilisieren". Auch acht konservative Regierungen in Lateinamerika verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung jeglichen Versuch, die demokratische Ordnung in Bolivien zu untergraben.
Regierung von Präsident Paz ruft zum Dialog auf
"Wir sind bereit, alle Möglichkeiten zum Dialog auszuschöpfen", sagte der Minister im Präsidialamt, José Luis Lupo, am Sonntag (Ortszeit) vor Gesprächen mit einigen der protestierenden Gruppen. Gewalt und Intoleranz brächten nur noch mehr Probleme mit sich. Nach Angaben der bolivianischen Ombudsstelle wurden im Rahmen der Proteste bisher mindestens 47 Menschen festgenommen und fünf verletzt.
Im Departamento La Paz waren am Sonntag laut einem Bericht der Zeitung "El Deber" mindestens 15 Straßenblockaden aufrecht. Laut Angaben der lokalen Handelskammer belaufen sich die durch die Proteste verursachten wirtschaftlichen Verluste bereits auf 500 Millionen US-Dollar (etwa 430 Mio. Euro)./aso/DP/zb