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Berliner Senat will Schutz des Stromnetzes weiter ausbauen

Berliner Senat will Schutz des Stromnetzes weiter ausbauen

19.5.2026 13:17:02 | Quelle: dpa | Lesedauer etwa 2 min.

BERLIN (dpa-AFX) - Der Berliner Senat will den Schutz des Stromnetzes und anderer kritischer Infrastruktur weiter ausbauen. Das kündigte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) nach einer Senatssitzung an. Als Beispiele nannte sie technische Maßnahmen wie die zusätzliche Installation von Videokameras an neuralgischen Punkten auch im öffentlichen Straßenland oder den Einsatz von Systemen künstlicher Intelligenz (KI), um mögliche Angriffe wie den folgenschweren Brandanschlag am 3. Januar frühzeitig zu erkennen. Zu solchen Systemen gehören Wärmebildkameras, Bewegungs- oder Erschütterungssensoren.

Mehr Leitungen unter der Erde

Vorgesehen sei auch, Stromleitungen im Freien unter die Erde zu verlegen. Das dürfte aber Zeit brauchen. Zwar verlaufen 99 Prozent des Berliner Stromnetzes nach früheren Angaben bereits unterirdisch. Aber da das Netz 36.000 Kilometer umfasst, entsprechen ein Prozent immer noch 360 Kilometer. Schwierigkeit dabei sind laut Giffey Wasserübergänge wie Kanäle. Als neue Option setze der Senat dabei auf ein System zum Verlegen von Druckrohrleitungen unter dem Wasser hindurch. Eine erste Bohrung unter der Dahme in Köpenick sei erfolgreich verlaufen.

Ebenfalls Teil eines Maßnahmenplans, den der Senat diskutierte, ist eine Entflechtung von Kabelbrücken mit vielen Leitungen, um die Zahl neuralgischer Punkte zu reduzieren. Im Zuge der Modernisierung und des Ausbaus des Stromnetzes sollen zusätzliche sogenannte Georedundanzen geschaffen werden - Schäden im Netz sollen also durch alternative Kabel leichter überbrückbar sein und die Versorgung damit sichergestellt werden.

Folgenreicher Anschlag im Januar

Am 3. Januar hatten mutmaßliche Linksextremisten einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke nahe dem Kraftwerk Lichterfelde verübt. Folge war der bislang längste Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte. Im Südwesten der Stadt waren 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe teils tagelang ohne Strom und damit oft auch ohne Heizung. Am 7. Januar war die Stromversorgung wieder für alle hergestellt.

Umdenken nach dem 3. Januar

Giffey verwies darauf, dass seither bereits zahlreiche zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen worden seien. Videoüberwachung und Wachschutz seien an neuralgischen Punkten massiv erhöht worden. Dazu kämen viele andere noch laufende Maßnahmen, etwa die Verstärkung oder Neuerrichtung von Zäunen, mehr Beleuchtung oder Alarmsysteme. So werden laut Giffey bis Sommer 20 Kilometer zusätzlicher Zaun an sensiblen Punkten wie Umspannwerken oder Netzknoten gebaut sein. Geplant sei auch ein neuer Zaunstandard von 2,40 Metern Höhe plus Absicherung mit Nato-Draht.

"Die Angriffe auf unsere Energieinfrastruktur haben gezeigt: Wir müssen wachsam bleiben und konsequent handeln", sagte Giffey. Deshalb werde der Schutz neuralgischer Punkte mit einem Dreiklang aus technischem Schutz, organisatorischer Vorsorge und verstärkter physischer Sicherung verbessert./kr/DP/stw