Am Mittwoch bleibt die Stimmung an der Wall Street euphorisch. Fallende Ölpreise befeuern die ohnehin laufende Tech-Rally. Die Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq 100 liegen vorbörslich erneut im Plus. Beide Indizes hatten am Dienstag schon neue Rekordhochs markiert. Vor Handelsstart hat der US-Modekonzern Abercrombie & Fitch seine Geschäftsbücher zum ersten Quartal geöffnet und dabei trotz eines schwierigen Marktumfelds die Jahresprognose bestätigt.
Die Hoffnung auf eine Einigung zwischen den USA und Iran sorgt zur Wochenmitte für weitere Entspannung. Der S&P 500 (+0,17%) sowie der Nasdaq 100 (+0,85%) zeigen vorbörslich grüne Vorzeichen. Einzig der Standardwerteindex Dow Jones hinkt mit minus 0,05 Prozent wieder leicht hinterher.
Die Strategen der großen Investmentbanken werden für das Börsenjahr derweil zunehmend optimistischer. Goldman Sachs schloss sich jetzt der Morgan Stanley und der Deutschen Bank an und sieht den S&P 500 zum Jahresende ebenfalls bei 8.000 Punkten. Treiber seien vor allem das starke Gewinnwachstum der Unternehmen und die gewaltigen KI-Investitionen der Hyperscaler.
Anleger rechnen wohl zunehmend mit einer vollständigen Wiederöffnung der Straße von Hormus. Der Brent-Ölpreis fiel deshalb um mehr als drei Prozent unter die Marke von 97 Dollar je Barrel, nachdem er am Vortag noch um rund drei Prozent gestiegen war. Damit rückt auch die Angst vor einem neuen Ölpreisschock vorerst in den Hintergrund.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte, ein mögliches Friedensabkommen könne noch einige Tage bis zum Abschluss benötigen. Gleichzeitig griffen US-Streitkräfte gestern weitere Ziele nahe der Straße von Hormus an. Die iranischen Revolutionsgarden teilten außerdem mit, mehrere US-Flugzeuge beschossen zu haben, nachdem diese in den iranischen Luftraum eingedrungen seien.
Die Straße von Hormus, über die in Friedenszeiten rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports abgewickelt wird, ist somit weiterhin weitgehend blockiert. Sowohl die USA als auch der Iran kontrollieren die Passage. Dennoch konnten am Dienstag erstmals seit einer Woche wieder mindestens zwei nicht-iranische Supertanker die Meerenge passieren. Dabei wurden laut Beobachtern rund vier Millionen Barrel nicht sanktioniertes Rohöl transportiert.
Die unklare Entwicklung im Nahen Osten hat den Bitcoin in den letzten Wochen wenig bewegt. Die Digitalwährung kostete am Mittwoch rund 75.600 Dollar – 0,3 Prozent weniger als am Vortag. Die Aussicht auf eine Verhandlungslösung im Iran-krieg hatte dem Kurs am Wochenende noch etwas Auftrieb verliehen. Doch die anhaltende Unsicherheit bremst die Risikobereitschaft der Anleger. Eine deutliche Erholung des Bitcoin gilt auch angesichts der Geldpolitik als unwahrscheinlich. Hartnäckige Inflationsrisiken dürften nämlich diesseits und jenseits des Atlantiks dazu führen, dass die Notenbanken den Leitzins nicht so schnell senken.
Beim Gold- und Silberpreis fallen die Verluste am Mittwoch deutlicher aus. Gold sackt zwischenzeitlich um 1,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende März ab. Der Preis für eine Feinunze Silber liegt derzeit bei 74,15 Dollar – 3,6 Prozent unter dem Vortagesniveau.
Am US-Aktienmarkt stehen heute abermals die KI-Profiteure aus dem Halbleitersektor im Rampenlicht. Micron setzt die am Vortag gestartete Rekordrally fort und verzeichnet vorbörslich weitere neun Prozent Kursgewinn. Seit Jahresbeginn hat sich der Börsenwert verdreifacht. Auch Marvell legt vor den am Abend anstehenden Quartalszahlen erneut um mehr als fünf Prozent zu. Mit SK Hynix tritt zudem ein weiterer Speicherchip-Konzern dem Billionen-Dollar-Club bei, der damit mehr und mehr an Exklusivität einbüßt.
Software-Aktien stehen wegen der Angst vor der KI-Disruption seit Jahresbeginn 2026 kräftig unter Druck. Zeitweise hat der Sektor bis zu zwei Billionen Dollar an Börsenwert verloren. Laut Optionsmarkt senden Cloud- und Software-Werte inzwischen aber wieder klare Bullensignale. Einige Investoren scheinen darauf zu wetten, dass die SaaS-Apokalypse vorerst abgewendet wurde.
Heute richtet die Branche ihren Blick auf Salesforce: Die Zahlen des Software-Giganten nach US-Börsenschluss dürften ein wichtiger Stimmungstest werden. Laut Bloomberg rechnet der Analystenkonsens für den Berichtszeitraum mit einem Umsatzwachstum um 12,4 Prozent auf 11,1 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie soll sogar von 1,67 Dollar auf 3,13 Dollar springen. Im Optionshandel dominiert bei Salesforce derzeit die Käuferseite, da Anleger eine überdurchschnittlich starke Kursbewegung nach den Zahlen erwarten.
Die vorbörslich vorgelegten Quartalszahlen von Abercrombie & Fitch haben die solide operative Entwicklung bestätigt. Zwar lag der Umsatz im ersten Quartal mit 1,11 Milliarden Dollar leicht unter den Schätzungen der Analysten. Mit einem Gewinn je Aktie in Höhe von 1,47 Dollar hat der Fashion-Riese die Prognosen indes klar übertroffen. Zwar ging der Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal damit um knapp neun Prozent zurück, Analysten hatten im Schnitt jedoch einen weitaus drastischeren Einbruch um 20 Prozent erwartet.
Belastend wirkten vor allem schwächere Geschäfte in Europa, dem Nahen Osten und Afrika, während Amerika sowie die Asien-Pazifik-Region stark zulegten. Positiv: Das Management hält trotz makroökonomischer Risiken an seiner Jahresprognose fest und rechnet weiterhin mit einem Umsatzwachstum von bis zu fünf Prozent sowie einer operativen Marge zwischen 12,0 und 12,5 Prozent. Zudem kaufte Abercrombie im Quartal eigene Aktien im Wert von 105 Millionen Dollar zurück und kündigte für das laufende Quartal weitere Rückkäufe von mindestens 150 Millionen Dollar an.
Charttechnisch liefert Abercrombie & Fitch derzeit kein überzeugendes Bild. Nach dem Fall unter die wichtigen Durchschnittslinien vor rund einem Monat kämpft die Aktie unterhalb des GD50 und GD200. Die Bären behalten klar die Oberhand. DER AKTIONÄR rät deshalb vom Kauf ab.